Stark übertrieben

Meine Kamera ist wieder da. Neulich hatte sie ja nach nur zweieinhalb Jahren unverhofft schlappgemacht. Nachdem der von mir konsultierte Reparaturmensch den Daumen gesenkt hatte, stand also die Anschaffung einer neuen Kamera an. Eigentlich hatte ich deshalb dem Hersteller einen bösen Brief schreiben wollen. Bei der Suche nach der Adresse bin ich dann aber über einen Hinweis auf autorisierte Reparaturbetriebe gestolpert. Der Vollständigkeit halber habe ich dort angefragt, ob die das Wrack vielleicht doch wieder flottkriegen könnten. Die meinten, sie könnten. Ich habe die Kamera also eingeschickt und zwei Wochen später voll funktionstüchtig wiedergekriegt.

Das war nicht ganz billig, aber Kaufpreis und Reparatur zusammen liegen immer noch unter dem Listenpreis bei Markteinführung. Und es ist immer noch sehr viel billiger als eine vergleichbare neue Kamera. Insofern ist die Episode zwar immer noch ärgerlich und teuer, es hätte aber schlimmer kommen können. (Und wenn das Ding sich in ein, zwei Jahren wieder verabschieden sollte, schreibe ich den bösen Brief wirklich, und zwar mit Schmackes!)

Der Bericht über meinen Tod wurde stark übertrieben, lege ich der Knipse jetzt mal Mark Twains berühmtes Zitat in den Mund. Damit könnte ich Den Rest des Beitrags lesen »

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Materialermüdung

Es wird immer wieder behauptet, dass die Hersteller aller möglichen technischen Geräte ihre Apparate so bauen, dass sie möglichst bald nach Ablauf der Garantiefrist kaputtgehen. Außerdem wird heute alles aus Billigteilen zusammengeklebt, sodass man oft gar nichts mehr reparieren kann, sondern mindestens große Baugruppen oder gleich das ganze Gerät komplett ersetzen muss.

Beispielsweise sollen bei Fernsehern mancher Marken wärmeempfindliche Bauteile direkt im warmen Abluftstrom oder neben wärmeproduzierenden Komponenten verbaut sein. Dass Drucker oft nach einer bestimmten Seitenzahl den Dienst quittieren und Druckerpatronen leer zu sein vorgeben, wenn sie noch reichlich Tinte haben, ist lange bekannt. Sicher gibt es noch mehr Beispiele.

Wann immer das Thema geplante Obsoleszenz aufgebracht wird, werden die Vorwürfe dementiert. Zumindest natürlich von den betreffenden Herstellern, das würde ja sonst schlecht aussehen. Es gibt verschiedene, einander teils widersprechende Theorien zum Thema. Verbraucherschutzorganisationen und Behörden haben dazu Untersuchungen und Studien durchgeführt, mit durchwachsenen Ergebnissen. Nachweisen kann man nichts, aber durch die Bank weg ausschließen kann man solche Machenschaften eben auch nicht, und es soll manches dafür sprechen, dass geplante Obsoleszenz tatsächlich praktiziert wird.

Wie dem auch sei, grundsätzlich kann ich Den Rest des Beitrags lesen »


Fernmündlich

Das klassische Festnetztelefon, das ab dem späten 19. Jahrhundert verwendet wurde, übertrug Geräusche in einem Frequenzband von 300 bis 3400 Hertz. Man hätte auch höhere Frequenzen übertragen können, das wäre aber wohl aufwändiger und damit teurer geworden. Also hat man es bei dem genannten Frequenzband belassen. Immerhin liegen die für die Verständlichkeit der Vokale wichtigen Formanten alle innerhalb dieses Frequenzbandes, theoretisch waren die akustischen Voraussetzungen für flüssige Kommunikation am Telefon also gegeben.

In der Praxis war das aber nicht so. Die bis mindestens in die 80er Jahre in Deutschland üblichen Telefone waren von der Klanqualität nicht eben überragend. Die Leitungen waren auch oft nicht so besonders gut. Je nachdem, von wo oder wohin man telefonierte, konnte es schon rauschen, knistern, pfeifen oder knattern in der Leitung, manchmal hörte man auch ein fremdes Gespräch leise mit, wenn irgendwo eine Isolierung nicht funktionierte, Feuchtigkeit eingedrungen war oder was weiß ich. Aber auch bei normalguten Verbindungen konnte man leicht s und f verwechseln, oder k, p und t. Außerdem waren die Hörer oft ziemlich leise (und nicht einstellbar), und viele Leute hatten Probleme, am Telefon alles richtig zu hören.

Diese widrigen Umstände haben zu gewissen Anpassungserscheinungen geführt – viele Leute sprechen bis heute am Telefon besonders laut und oft auch deutlich langsamer als normal.

Nun dürften Telefone heutzutage in aller Regel Den Rest des Beitrags lesen »


Rohrleitungen

rohrleitungen

Wenn man zum Sandkuchenbacken zu groß ist, fängt man mit komplexeren Spielsystemen wie Lego oder Fischertechnik an…


Übers Ziel hinaus

Bimmelbahn von Nirgendwo nach Woanders. Der Zug besteht aus uralten, kürzlich aufgehübschten D-Zug-Wagen. Die Sorte, die schon eher ältlich war, als der IC in den 70er Jahren eingeführt wurde. Diese D-Zug-Wagen hatten früher immer so rote (manchmal auch grüne) Plastiksitze in der 2. Klasse, seit der Aufarbeitung sind es Stoffpolster. So oder so Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (15)

… das gut einjährige Mädchen in Windel und Sonnenhut auf der Liegewiese im Freibad. Der Vater liegt ein paar Meter von uns entfernt auf dem Badetuch und döst. Die Kleine kommt und führt meiner Tochter Vaters riesiges Smartphone vor: klappt die Hülle auf, wischt mit dem Finger über den Bildschirm und begeistert sich für die Bildchen, die da plötzlich auftauchen. Bevor sie groß was in Gang setzen kann greife ich ein und klappe die Hülle wieder zu. Mittlerweile ist der Vater aufgewacht und kommt halb amüsiert, halb erschreckt, um sein Töchterchen samt Telefon einsammeln.

Mir ist es übrigens ein Rätsel, dass so viele Leute ihre Telefone offenbar standardmäßig nicht sperren. Ich sehe immer wieder, wie Leute ihre Telefone greifen und offensichtlich ohne Eingabe einer PIN oder eines Passworts auf Apps zugreifen. PIN-Eingabe beim Hochfahren reicht nicht – was machen solche Leute, wenn die ihr Telefon mal verlieren oder irgendwo liegenlassen? Völlig unverständlich…


Hightech bei der Bahn

Es gibt ja für alle möglichen Dinge technische Lösungen, wir sind ja nicht blöd. Zunächst altmodische Lowtech-Lösungen und, weil der Fortschritt nicht schläft und man mit der Zeit geht, zunehmend kompliziertere Hightech-Lösungen. Ohne die alte Zeit allzusehr loben zu wollen, muss ich doch feststellen, dass gut abgehangene, althergebrachte Lösungen oft eine gewisse Robustheit und Alltagstauglichkeit mit sich bringen, während neumodischer Kram nicht selten durch Unausgegorenheit und Fehleranfälligkeit auffällt.

Anders gesagt: Wo keine Elektrik drin ist, kann keine Elektrik ausfallen. Und Dinge, die ohne Elektrik zufriedenstellend funktionieren, nur deshalb mit Elektrik auszustatten, weil es geht und man das heute so macht, und sich dabei noch unnötig zu verkünsteln, erscheint darum wenig zweckdienlich. Wenn dann die Elektrifizierung noch mit merklichen Benutzbarkeitseinbußen einhergeht, wird es vollends unverständlich.

Ein Beispiel: Die Zuglaufschilder bei der Bahn. Früher hing an jedem Waggon ein Schild aus Blech, Plastik oder Papier, auf dem die Fahrstrecke des Zugs stand, ungefähr so:

Aachen Hbf-
Düsseldorf Hbf-Hagen Hbf-
Dortmund Hbf

Die Dinger waren ziemlich unkaputtbar und bei fast allen je auf Bahnsteigen zu erwartendem Lichtverhältnissen auch aus mehreren Metern Entfernung zu lesen.

Heute Den Rest des Beitrags lesen »


Fehleinschätzungen

Es kommt immer wieder vor, dass Leute, die es eigentlich besser wissen sollten, grandiose Fehleinschätzungen vom Stapel lassen. Die fliegen ihnen dann oft früher oder später ebenso grandios um die Ohren.

Thomas J. Watson, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender von IBM, soll 1943 gesagt haben, er glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben werde. Ob er das wirklich gesagt hat, ist nicht belegt, und die Verbreitung dieses angeblichen Ausspruchs mag darin begründet sein, dass es zu schön ist, wenn ein Fachmann in seinem urgeigensten Fachgebiet derart danebenliegt. Egal, wer sich den Spruch ausgedacht hat, die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass er vollkommen falsch ist. Sogar Supercomputer gibt es mittlerweile deutlich mehr als fünf.

Bill Gates und seine Firma (oder waren es Steve Jobs und seine Firma? Egal.) haben die Bedeutung des Internets lange unterschätzt und sind erst sehr spät in die Entwicklung internetspezifischer Produkte eingestiegen. Heute Den Rest des Beitrags lesen »


Tippfehler

Vor einer Weile habe ich im Supermarkt beim Abwiegen von Gemüse ein interessantes Erlebnis mit einer Knolle Knoblauch gehabt, die ich kaufen wollte. Ich lege das Ding auf die Waage, tippe die Warennummer ein und ziehe das Etikett aus dem Drucker.

Beim Aufkleben werfe ich einen Blick drauf und bin erstaunt. Die Knolle „Knoblauch lose“ soll 9,80 Euro kosten, und das ist auf jeden Fall deutlich zu hoch gegriffen. Ich also zurück zum Knoblauch, einen Blick auf das Preisschild mit der Warennummer geworfen, wieder zur Waage, Knolle drauf, Nummer eingetippt, und siehe da: die Knolle „Knoblauch frisch“ kostet nur noch 0,97 Euro.

Gut, denke ich, das passt. Tippfehler meinerseits. Aber wo kam vorher „Knoblauch lose“ statt „Knoblauch frisch“ her, und warum sollte der ungefähr das Zehnfache kosten? Also Den Rest des Beitrags lesen »


Die Ausleuchter

Verschwörungstheorien sind seit Jahren schon voll der Renner. Die US-Regierung beispielsweise soll das ominöse Area 51 seit Jahrzehnten abriegeln, weil dort angeblich Ufos gelandet sind und seitdem Außerirdische herumspazieren. Deren galaktische Spaceschokolade will die Regierung nicht mit dem eigenen Volk und schon gar nicht mit dem Rest der Welt teilen. Dass das so ist, steht außer Frage – obwohl es Dutzende Organisationen und Vereine gibt, die sich die Aufklärung dieser Sauerei auf die Fahnen geschrieben haben, obwohl es mittlerweile zahlreiche Insiderberichte mit der wirklichen Wahrheit™ im Internet gibt und Herr von Däniken sich die Finger wundgeschrieben hat über das Thema, ist es immer noch eines der bestgehüteten Geheimnisse unserer Zeit. Die Vertuscher sind dabei so raffiniert, dass sie alle diese Berichte nicht löschen, die betreffenden Insider nicht verschwinden lassen und ihre Organisationen nicht verbieten. Andernfalls würde die Öffentlichkeit ja Den Rest des Beitrags lesen »