Metzger oder Tierarzt?

Pfeffermatz hat hier über Übersetzbarkeit geschrieben. Er schreibt, dass er ständig überlegt, wie man bestimmte Sachen auf Englisch oder Deutsch sagen würde. Das geht mir ähnlich. Wenn ich Leute sprechen höre, läuft bei mir gelegentlich der innere Simultandolmetscher mit und versucht, das Gesprochene je nachdem auf Deutsch oder in einer meiner Fremdsprachen wiederzugeben. Wenn ich Texte lese, läuft mein innerer Korrekturleser mit und klopft das Gelesene auf Fehler (Rechtschreibung, Grammatik, Stil) und unklare Passagen ab. Das ist  beim Übersetzen immer der erste Schritt. Unklare Texte lassen sich nämlich in der Regel nicht gescheit übersetzen. Man muss sich dann entweder auf eine der denkbaren Bedeutungen festlegen und riskiert damit, in der Übersetzung genau das falsche zu sagen. Oder die Übersetzung wird so unscharf, dass sie nicht funktioniert und damit letztlich unbrauchbar ist.

Bei literarischen Texten mag man Den Rest des Beitrags lesen »


Inflationär

Seit einer Weile hängen an einem Plakatständer in der Nachbarschaft nebeneinander ein Plakat für die „Nacht der Fünf Tenöre“ und eines für einen Auftritt der „12 Tenors„. Soviele Tenöre, muss das sein? Früher gab es den Tenor als Solisten vor allem in der Oper. Den legendären Enrico Caruso etwa. Vielleicht gibt es in der klassischen Opernliteratur auch Werke, die zwei oder mehr Tenöre erfordern, aber gewöhnlich hatte man einen Tenor und gut war.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts ging die allgemeine Bildung wieder einmal den Bach hinunter. Die Aufmerksamkeitsspanne der jetzt nicht mehr so gebildeten jungen Leute wurde mit dem Aufkommen von Radio, Fernsehen und anderen Kommunikationstechnologien immer kürzer. Die moderne Musik, also das, was auf bildungsbürgerdeutsch U-Musik heißt, bietet bis heute vorwiegend Formate, die diese Entwicklung unterstützen und beschleunigen. Weil also kaum noch jemand ganze Opern hört, schon gar nicht im Opernhaus, viele Solisten aber durchaus Popstarqualitäten mitbringen, war hier eine Vermarktungslücke entstanden. Jemand hatte dann wohl die Idee, die klassische Opernliteratur durchzukämmen, die für Klassik-Laien am ehesten verdaulichen Passagen zusammenzuschnipseln und im Stil von Best-of-Alben unter’s Fernsehvolk zu bringen.

Anfang der 90er Jahre Den Rest des Beitrags lesen »


Teequartett

Im Teeladen haben die Kinder neulich ein Quartettspiel geschenkt gekriegt. Ein Tee-Quartett. Da kann man viele mehr oder minder interessante Sachen über ausgewählte Teesorten aus dem Sortiment des Filialisten erfahren, etwa dass der China Lung Ching bei 70°C aufgegossen gehört und 2 Minuten ziehen soll. Oder dass Karl-Heinz, der Herbsttee – 100°C, 2 Minuten – mich von innen aufwärmt. Dass man von Brennessel nur 4 g Teeblätter für einen Liter Aufguss benötigt, von KiBa-Flip aber 28. Oder dass der Japan Shincha Kirisakura – 60°C, 3 Minuten, Bio – in Sachen Qualität auf 105 von 100 möglichen Punkten kommt.

Die allerwenigsten Kinder werden Den Rest des Beitrags lesen »


Pädagogisch besonders wertvoll

Letzte Woche ist uns der Herbst- und Winterkatalog von livipur ins Haus geflattert. Das ist ein mir bisher nicht bekanntes Versandhaus für Kindersachen, ähnlich wie jako-o. Da gibt es Kleidung, Spielzeug, Möbel, jahreszeitlichen Schnickschnack und sonst alles mögliche für Kinder. Das sieht großenteils ganz nett aus und ist ansonsten nicht weiter bemerkenswert. Die Versuche, Mütter und Töchter im Partnerlook auszustaffieren, wirken etwas gezwungen. Außerdem: Welche erwachsene Frau mag sich im Alltag ernsthaft genauso wie ihre schreibunte Kindergartenprinzessin anziehen, und sei es nur auf dem Weg zum Kindergarten? Das ist fast so schlimm wie Micky-Maus-Schlafanzüge oder Hello-Kitty-Socken für Erwachsene. Aber gut, manchen mag das gefallen.

Interessant ist das sogenannte Titelangebot. Eine etwa fußballgroße, halbkugelförmige Schale aus Keramik zum Feuermachen. Das Ding heißt Zwergenfeuer und wird Den Rest des Beitrags lesen »


Rattengift

Nachdem ich letztens bereits ausgeführt habe, was ich von Katzen halte, ist heute der Hund an der Reihe. Hunde – man ahnt es sicher schon – mag ich auch nicht besonders. Oft finde ich sie lästig, manchmal eklig, meistens überflüssig. Ganz allgemein geht mir das laute Kuck-mal-hier-bin-ich-ist-das-nicht-toll auf die Nerven, mit dem viele Hunde durch die Welt gehen. Ich mag nicht beschnüffelt werden, ich mag keine Hundeschnauze im Schritt, ich mag keine Pfoten auf der Jacke, ich mag die Hände nicht abgeschleckt kriegen, und das Gesicht schon gar nicht. Angekläfft oder angeknurrt will ich nicht werden, und ich mag Den Rest des Beitrags lesen »


Grenzwertiges

Neulich ist mir in einem Schaufenster ein Plakat aufgefallen, das für einen Mid Season Sale warb. Da stand „-30% -50% und mehr“ drauf.Gewundert habe ich mich über das und mehr. Wenn man schon minus dreißig Prozent, minus fünfzig Prozent schreibt, warum dann noch und mehr dazu, bzw. warum dann nicht gleich den höchsten gebotenen Rabatt? Es würde doch durchaus Sinn machen, das beste Angebot möglichst lautstark in die Welt zu blasen, damit jeder sieht, wie geil man hier abstauben kann. Die -50% hätte ich als unbedarfter Normalkonsument zunächst auf jeden Fall als eine Art Obergrenze verstanden, als den besten Rabatt, den es in diesem Mid Season Sale gibt.

Aber diese Aktionen werden erstens nicht von unbedarften Normalkonsumenten aufgesetzt, sondern von ausgebufften Marketingstrategen. Und sie werden zweitens natürlich auch Den Rest des Beitrags lesen »


Katzenplage

Keine Ahnung, wie es kommt, aber irgendwie ist es anscheinend so, dass es fast zum guten Ton gehört, Katzenbilder ins Internet zu kippen. Niedliche, lustige, schräge mit witzigen Überschriften oder Kommentaren versehene Bilder oder Filme. Lachende Babys werden auch gern genommen, aber Katzen räumen total ab. Überall findet man sie, es gibt ganze Webseiten extra für Katzenkram, und bei den unsäglichen LOLCats hat man sich sogar eine eigene Sprache für den Katzen-Content ausgedacht. Hätte, finde ich, nicht sein müssen. Jedenfalls erschließt sich mir der Witz nicht so richtig.

Diese Katzenplage im Internet kann nicht von ungefähr kommen. Viele Leute haben natürlich eine Katze zuhause, andere hätten gern eine. Manche Blogger kokettieren halbironisch mit dieser Mode und posten Katzenbilder als Pausenbild. Irgendwie bin ich auf Simon’s Cat gestoßen, ziemlich sehenswert. Dass bloggende Katzenhalter der Welt gelegentlich von ihren Tieren berichten, ist nur natürlich. Aber reicht das aus, um die Katze zum allgegenwärtigen zentralen Thema im jugendfreien Teil des Internets zu machen? Ich weiß ja nicht. Vielleicht Den Rest des Beitrags lesen »


Autofrei

Nachdem die letzte Woche hier recht autolastig war, geht es jetzt erstmal mit dem Fahrrad weiter. Das Fahrrad ist aus guten Gründen ein recht beliebtes Fahrzeug, es soll in Deutschland über 70 Millionen Stück geben. Die meisten Fahrräder sind erschwinglicher als die meisten Autos, sie gelten als deutlich umweltfreundlicher, verbrauchen weniger Platz in den Städten und verhelfen den Leuten zu mehr Bewegung an der frischen Luft.

Der ehrenwerte Freiherr von Drais hätte sich sicher nicht träumen lassen, auf welche technischen Höhen man seine Erfindung dermaleinst bringen würde. Eine ganz großartige Verbesserung war natürlich der Schritt vom Laufrad zum eigentlichen Fahrrad mit Pedalen, Ritzeln und Kette. Ein weiterer großer Sprung kam mit der Erfindung der Gangschaltung. Und dann Den Rest des Beitrags lesen »


Der Kettenbrief

Jetzt hat er auch gnaddrig ad libitum erreicht, der Kettenbrief von WordPress unter dem Titel Award. Geschickt hat ihn mir der Kollege 0x0d, und zwar schon vorgestern. Vielen Dank, aber was mache ich jetzt damit? Annehmen? Da hängen ja Bedingungen dran:

1. Das Blog darf nicht mehr als 200 Leser haben, ist also noch in den Kinderschuhen.
Das mit den Kinderschuhen will ich mal überhört haben, aber die 200 Leser unterbiete ich locker. Was allerdings ist mit 200 Leser genau gemeint? Den Rest des Beitrags lesen »


Viermal weniger

Neulich ist mir im Supermarkt eine Salami aufgefallen, die recht edel daherkommende Delice de St Agaûne („Nur ein Heiliger kann da widerstehen“) von Bordeau Chesnel. Da stand ganz groß auf der Packung, das Produkt enthalte 4-Mal weniger Fett als eine traditionelle Salami. Wahnsinn, wollte ich denken, viermal weniger Fett!

Aber Moment mal, hat mich mein innrerer Korrekturleser sofort zurückgepfiffen, was soll das denn überhaupt heißen, 4-mal weniger? Den Rest des Beitrags lesen »