Ramschniveau

WordPress.com verlinkt auf Freshly Pressed regelmäßig neu erschienene Blogbeiträge. Ich schaue dort gern vorbei und habe dabei schon einige interessante Blogbeiträge gefunden, auf die ich sonst kaum gestoßen wäre. Auffallend ist, dass ein paar Esoterikblogs dort erstaunlich häufig auftauchen: NEBADON(2), Einfache Meditationen 2, Wir im Universum, Lichtperlen. Von denen ist eigentlich immer mindestens eines mit einem druckfrischen Artikel dort vertreten. Ich habe fast den Eindruck, dass in der Redaktion von Freshly Pressed ein eingefleischter Esoterikfan sitzt.

Ich selbst halte Esoterik im Wesentlichen für Volksverdummung. Mit Sachen wie Lichtkörpern, der Galaktischen Föderation des Lichts, dem Aufstieg in höhere Dimensionen, dem Mayakalender und dem Synchronisationsstrahl braucht mir niemand zu kommen, und von Auren, Engelwesen, Channelings oder energetisch aufgedonnerten Kristallen kriege ich immer schlechte Laune.

Allerdings mache ich auf den oben genannten Blogs immer mal die Runde, das ist bisweilen nämlich ausgesprochen unterhaltsam. Der Inhalt treibt dort erwartungsgemäß oft recht kuriose Blüten, das ist in der Esoterikszene nichts Außergewöhnliches. Jetzt Den Rest des Beitrags lesen »

Werbeanzeigen

Im Einkaufsbahnhof

In vielen Bahnhöfen hängen seit einiger Zeit Monitore, auf denen ein offiziell Out-of-Home-Channel genannter Mix aus Nachrichten, mehr oder minder unterhaltsamen Nichtigkeiten und – natürlich – Werbung läuft.

Die so ausgestatteten Bahnhöfe sind natürlich keine profanen Ein-, Aus- und Umsteigestellen für Reisende und Pendler, sondern mondäne Shopping-Erlebnis-Welten mit Bahnanschluss, vulgo Einkaufsbahnhöfe. Das Bahnfahren ist da nur noch Nebensache, hauptsächlich soll man jetzt zum Shoppen in den Bahnhof gehen, zum Spaßhaben und Geldausgeben. Damit man das auch merkt, wird im Out-of-Home-Channel regelmäßig darauf hingewiesen. Wie sinnvoll das ist, steht dahin – wer nicht von selbst mitgekriegt, wie toll man hier einkaufen kann, wird auf solche Werbung sicher auch nicht anspringen:

Also, geworben wird damit, dass es im Bahnhof – man höre und staune – Den Rest des Beitrags lesen »


Browserblockwarte

Manche Webseiten sprechen den Besucher auf seinen Browser an. Man benutze den Internet Explorer von Microsoft, heißt es dann. Dabei sei der gar nicht so gut, Microsoft missachte alle möglichen Standards, während andere Browser so viel besser seien, und man möge doch bitte zu einem anständigen Browser wechseln. Dann könne man die betreffende Seite auch viel besser genießen. Jetzt ist mir so etwas nach längerer Pause mal wieder begegnet:

(hier gefunden)

Das war immerhin halbwegs dezent in den normalen Text für Neuankömmlinge eingearbeitet. Es geht aber auch aufdringlicher: Den Rest des Beitrags lesen »


Kein Gedicht

Günter Grass wollte zur (von ihm empfundenen) Bedrohung des Weltfriedens durch die Atommacht Israel nicht länger schweigen. Deshalb hat er sich heute mit dem Prosagedicht „Was gesagt werden muss“ zu Wort gemeldet.

Ich setze mich hier bewusst nicht mit dem Inhalt von Grass‘ Text auseinander. Das haben andere schon hinlänglich getan (etwa hier oder hier). Das Thema selbst ist anderswo auch schon mit mehr Sachverstand behandelt worden als Grass das in seinem Gedicht schafft. Das macht Grass‘ Auseinandersetzung mit dem Thema natürlich nicht gleich überflüssig, aber mir ist es hier nicht um eine politische Diskussion zu tun. Die findet sowieso schon an tausend Stellen statt, da muss ich dieselbe Baustelle nicht auch nochmal aufmachen. Ich will hier ausschließlich über die Form mäkeln.

Der Mann hat also ein Prosagedicht geschrieben. Prosagedicht? Ist das nicht ein Oxymoron? Den Rest des Beitrags lesen »


Wenn Du kucken willst…

Gestern habe ich auf den Bildschirmen, die neuerdings überall  im Bahnhof hängen, einen Spot für Voltaren Schmerzgel gesehen. Das Werk kann man sich auch hier direkt beim Hersteller anschauen. Die Geschichte ist denkbar einfach: Anzugträger begegnet auf der Rolltreppe eleganter, lächelnder Frau. Will sich im Vorbeifahren nach ihr umsehen, kann aber nicht – Nackenschmerzen. Frau schaut pikiert. Sonore Stimme aus dem Off intoniert: Wenn Du kucken willst, aber nicht kannst – Voltaren Schmerzgel wirkt effektiv innerhalb einer Stunde. (…) Dann geht derselbe Anzugträger auf dieselbe Rolltreppe zu und begegnet dort einer anderen eleganten, lächelnden Frau. Jetzt kann er sich schmerzfrei nach ihr umdrehen und ihr ganz ungeniert hinterherstrahlen.

So gehört das auch! Wo kämen wir denn hin, wenn Männer nicht Frauen hinterherstarren könnten? Die ganzen hübsch verpackten Kurven müssen doch Den Rest des Beitrags lesen »


Kurz gefasst

Vor ein paar Jahren hat David Friedman auf Ironic Sans einen speziellen Thesaurus vorgestellt: Thrs liefert zu jeder Eingabe nur diejenigen Synonyme, die kürzer sind als das Suchwort. Das ist – so Friedman – für Twitterer interessant, die sich ja wegen der Beschränkung auf 140 Zeichen pro Tweet immer möglichst kurz fassen müssen.

Ich selbst stehe Twitter mit einer gewissen Verständnislosigkeit gegenüber und sehe bisher nicht, wie ich den Dienst sinnvoll nutzen kann, oder warum ich das wollen sollte. Nun habe ich mir zwar für gnadlib auch einen Twitter-Account angelegt, aber eigentlich nur, weil WordPress die automatische Vertwitterung von Blogbeiträgen anbietet und ich dachte, dass ich das mal ausprobieren sollte. Gibt mir aber immer noch nichts – ich bin praktisch nie auf Twitter und folge dort auch niemandem. Es ist mir nämlich zu doof, ständig von allen möglichen Leuten mehr oder minder banale Tweets reinzukriegen, die mich ja doch nur von irgendwas Wichtigem ablenken – unsereins rettet mehrmals am Tag die Welt und muss sich da voll drauf konzentrieren.

Etwaige Nachrichten vom Weltgeschehen muss ich auch nicht unbedingt sekundenaktuell haben. Das hat fast immer Zeit, bis die Nachrichtenportale sich zu Wort melden oder es am nächsten Morgen in der Zeitung steht. Und als Feedreader ist Twitter sicher auch eigentlich nicht gedacht; was auf den Blogs passiert, die ich so lese, verfolge ich ohnehin, ähm, sagen wir, manuell. Den Rest des Beitrags lesen »


Großer Sieg für die Demokratur

Am Sonntag war in Russland Wahl. Wie erwartet hat Wladimir Putin sich mit großer Mehrheit wieder zum Präsidenten wählen lassen. Die Russische Föderation hat also ihren Präsidenten wieder, und die westlichen Regierungschefs gratulieren dem lupenreinen Demokraten artig zur Wiederwahl oder wünschen ihm wenigstens Erfolg. Russland ist immerhin ein wichtiger Verbündeter und strategischer Partner. Da schaut man lieber nicht so genau hin, um Irritationen zu vermeiden.

Das hat sich schon im Umgang mit China, Saudi-Arabien, Mubaraks Ägypten, Gaddafis Libyen und anderen Ländern bewährt. Die sind alle recht empfindlich, wenn es um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte geht. Immerhin lässt Angela Merkel ihren Regierungssprecher ein paar vorsichtige Worte in Richtung von “freie und faire Wahlen wären aber auch ganz schön gewesen, da müsste man noch dran arbeiten” äußern.

So ganz sauber waren die Wahlen in Russland wohl wirklich nicht. Russische und ausländische Beobachter der Wahl Den Rest des Beitrags lesen »


Riesig nicht…

Ich liebe schwarzen Tee. Kaffee ist zwar auch ganz nett, aber morgens sollte es schon Tee sein. Schwarzer Tee mit Milch und braunem Kandis. Mein Tag fängt erst mit einer Tasse Tee richtig an.

Angefangen hat das vor ungefähr 30 Jahren. Damals haben srilankische Bürgerkriegsflüchtlinge bei uns im Haus gewohnt und in unserer bis dahin Filterkaffee und Kräutertee trinkenden Familie den schwarzen Tee eingeführt. Das war immer Ceylon-Tee mit Milch und (zuviel) Zucker. Die Gewohnheit, den Tee mit Milch zu trinken, habe ich beibehalten. Ohne Milch finde ich schwarzen Tee witzlos. Statt normalem Zucker nehme ich ein kleines Stück Kandis. Dann ist nur der letzte Schluck süß, und das gefällt mir.

Wo immer ich kann, nehme ich losen Tee, der schmeckt fast immer besser als Teebeutel. (Wer weiß schon, was da für fein vermahlener Dreck drinsteckt, man sieht das ja nicht. Und selbst wenn tatsächlich guter Tee abgefüllt wird, Aufguss aus Teestaub ist anders als aus Teeblättern.) Aromatisierter Tee kommt mir nicht in die Tasse. Wenn ich Bonbonwasser will, Den Rest des Beitrags lesen »


Das Ende ist nah!!!

Das Ende der Welt wird ja regelmäßig angekündigt. Sekten, religiöse Gemeinschaften, Nostradamus-Exegeten und alle möglichen Esoteriker gehen immer wieder mit mehr oder weniger konkreten Daten an die Öffentlichkeit. In letzter Zeit hört man viel vom Maya-Kalender, demzufolge die Welt angeblich am 21. Dezember 2012 untergehen soll. Nach einer etwas weniger drastischen Lesart sollen die Maya für dieses Datum einfach nur große Umwälzungen vorausgesagt haben. Manche vertreten auch die Meinung, in Wirklichkeit sei der 28. Oktober 2011 der große Tag*.

Das ist sehr elegant, weil man dann auch gleich eine hübsche Verschwörungstheorie unterbringen kann: Die „Systemmedien und ihre Politikervasallen“ (natürlich insgeheim gesteuert von ihnen, d.h. von denen, die auch für die Streifen am Himmel verantwortlich sind, unsere Gedanken lesen und am 11. September 2001 die Twin Towers in New York gesprengt haben) schreiben über ein ausgedachtes, späteres Datum und verschweigen uns das wirkliche, früher liegende Ende der Welt, damit die Welt im Oktober 2011 unvorbereitet vor vollendeten Tatsachen steht.

Warum die Medien und die Politiker das tun sollten, bleibt unklar. Wenn die Welt tatsächlich demnächst untergehen sollte, dürfte es keinen großen Unterschied machen, ob das nun ein Jahr früher oder später passiert. Die Propheten beider Daten würden mit untergehen, und das letzte Hemd hat keine Taschen.

Andererseits sollen die Maya vorausgesagt haben, dass es in Frankreich eine Art UFO-Bahnhof geben wird, von wo Den Rest des Beitrags lesen »


Bleistifte und Glühstrümpfe

Vorhin habe ich zum ersten Mal seit längerem jemanden zum Bleistift statt zum Beispiel sagen hören. Nerven tut das, ganz unglaublich.

Vielleicht war es ja beim ersten Mal wirklich noch ein bisschen lustig, herzlichen Glühstrumpf statt herzlichen Glückwunsch zu sagen, oder Terroristen statt TouristenKlappert’s statt Klappt’s. Das mag vielleicht 1985 oder so gewesen sein. Aber muss man denn jede Witzigkeit bis zum Erbrechen ausschlachten? Alle haben ihren Spaß gehabt, und jetzt könnte man das doch mal ruhen lassen.

Von so nervigen Wendungen wie Aus die Maus oder Ende Gelände will ich gar nicht anfangen, sonst kriege ich gleich wieder schlechte Laune. Und das wäre nicht gut, wo doch gleich Wochenende ist.

Nachtrag: Natürlich gibt es auch Fred für Thread, also Diskussionsstrang in einem Forum.

Noch’n Nachtrag: Jetzt ist aber Schluss (mancher sagt auch Schulz dazu).