1x Hase, Oster-/Schoko-/Traditions-/[alternative Bezeichnung]-

Die Wochen nach Ostern sind die Zeit der Rabatthasen. Das sind die Schokoladenosterhasen, die bis zum Fest keine Käufer gefunden haben und jetzt verbilligt losgeschlagen werden. (Anders als häufig behauptet werden sie nicht im Herbst zu Weihnachtsmännern umgeschmolzen und nach Neujahr wieder zu Osterhasen.)

Die Wochen vor Ostern sind seit ein paar Jahren die Zeit, in der besorgte Heimatschützer, Traditionswahrer und Islamisierungsgegner auf allen Kanälen über die angebliche Unterwerfung des christlichen Abendlandes unter den Islam wehklagen. Angeblich wird unsere Kultur™ auf dem Altar von Multi-Kulti geopfert, werden christliche Feste und die zugehörigen Paraphernalien in vorauseilendem Gehorsam aller Bezüge zu ihrem christlichen Ursprung entkleidet, werden Stück für Stück unsere ureigensten Traditionen verwässert und verraten.

Es ist ja nicht nur Ostern – an allen Ecken und Enden wird die christlich-abendländische Kultur abgetragen und zurechtgestutzt, heißt es. Die Sankt-Martins-Umzüge werden plötzlich in Lichterfest oder Laternenfest umbenannt. (Ich stamme aus einer protestantischen Gegend, da war schon in den 70er Jahren nichts mit Sankt Martin, da gab es nur den Laternenumzug ohne für mich ersichtlichen religiösen Bezug, dafür mit Schaumwaffeln und Laugenbrezeln von der Freiwilligen Feuerwehr für alle minderjährigen Teilnehmer, aber das nur nebenbei.) Die Weihnachts- oder Christkindlesmärkte werden angeblich reihenweise in Wintermarkt, Lichterfest, Sternschnuppenmarkt oder (im Herzland von Pegida!) Striezelmarkt o.ä. umbenannt, angeblich „um die einfallenden Horden von Invasoren nicht mit der abendländischen Unkultur zu belästigen.“(Quelle)

Das ist natürlich Blödsinn. Manche dieser Märkte heißen schon immer so, andere wurden in den letzten 15 Jahren umbenannt. Allerdings nicht im Rahmen vorauseilender Unterwerfung Weiterlesen »

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Zuckerkulör

Whisky darf man sicher zu den eher besonderen geistigen Getränken zählen. Ich selbst bin ein großer Fan von dem Zeug.

Präzisierung: Ich trinke nicht viel Whisky, auch nicht besonders oft, dafür aber mit großem Genuss. Ich hole sozusagen aus jedem Tropfen, den ich zu mir nehme, das für mich machbare Maximum an Genuss heraus.

Wenn ich hier übrigens von Whisky spreche, meine ich Single Malt Whisky, nicht das gepanschte Zeugs, das als Scotch Whisky vertickt wird. Das ist allenfalls für Hot Toddy (Grog mit Whisky statt mit Rum) gut und vielleicht als Backzutat. Auch wer Whisky mit Eis oder Cola trinkt, ist damit gut bedient, da ist der Geschmack ja sowieso fast egal. Der Kenner trinkt jedenfalls Single Malt, der im übrigen auch gern aus Irland oder sonstwoher stammen darf, ungekühlt, ohne Eis und auf jeden Fall ohne Soda.

Und während ich ein paar Dinge über die Herstellung von Whisky weiß, belaste ich mich da nicht mit allzuviel Detailwissen. Welche Bauformen Destillen haben, welche Verfahren angewendet werden, ob und wie gefiltert wird ist mir alles ziemlich wurscht. Dass man Malzwhiskys nach der Lage der Distillerie in Gruppen unterteilt (Islay, Islands, Speyside, Highlands) weiß ich wohl, könnte aber Weiterlesen »

Handarbeit und Tradition

Früher war alles besser. Früher wurde alles von Hand gemacht. Mit Liebe und Sorgfalt. Man hat noch einen Bezug zu den Dingen gehabt, ihnen noch ihren rechten Wert beigemessen. Kinder haben sich über Äpfel und Walnüsse zu Weihnachten gefreut und Großeltern konnten ihren Enkeln noch die Welt erklären (anders als heute, wo schon mancher Mittfünfziger seit Jahren nicht mehr hinterherkommt). Man ist noch nicht in seelenlosen Billigprodukten aus Fernost ersoffen.

Holzschuhtragende Blondinen fuhren noch den Käse mit dem Hollandfahrrad direkt an den Frühstückstisch, Onkel Werther hat seine Bonbons noch einzeln von Hand poliert (damals, als sie noch „Werthers Echte“ hießen, bevor sie wohl aus Marketinggründen zu „Werther’s Original“ mutierten). Damals wurden Kartoffelpuffer noch aus selbst ausgegrabenen und von Hand geriebenen Kartoffeln gemacht und Marmelade aus handverlesenen Erdbeeren. Soweit das Klischee.

Manche Sachen gehen von Hand wirklich einfach besser als per Maschine, gewinnen dadurch Charakter oder wenigstens ein gewisses Maß an Individualität. Maschinenmusik etwa klingt trotz aller zur Vermenschlichung eingesetzten technischen Raffinessen oft steril und kann – je nach Genre und Anspruch der Zuhörenden – mit auf echten Instrumenten handgemachter Musik in der Regel nicht mithalten.

Andere Sachen werden bei Fertigung von Hand wenn nicht besser, dann doch schöner. Mit Füllfederhalter Weiterlesen »