Die vergessene Generation

Wie angekündigt schreibe ich heute ein paar Zeilen über das Buch Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen von Sabine Bode.

Mit Kriegskindern meint sie die Geburtsjahrgänge ungefähr ab 1930 bis Kriegsende. Das sind also die Leute, die den Krieg und den Zusammenbruch, Vertreibung und Flucht als Kinder miterlebt haben und die dann zwischen Nachkriegswirren und Wirtschaftswunder erwachsen wurden.

Dass viele dieser Leute damals furchtbare Dinge mitangesehen und teils selbst erlitten haben, ist unstrittig. Dass solche Erlebnisse prägen und oftmals Traumata nach sich ziehen, ist eigentlich auch bekannt. Umso unverständlicher ist, weshalb die Nöte dieser Generation bis mindestens zur Jahrtausendwende, also über 50 Jahre lang, systematisch ignoriert, weggedrückt, verdrängt wurden. Weshalb jede Beschäftigung damit im Keim erstickt wurde und nicht einmal die simple Feststellung, jemand Bestimmtes habe damals Schreckliches erlebt, zugelassen wurde. Weshalb diese Leute fast ausnahmslos gründlich und nachhaltig alleingelassen und zum Schweigen verdammt wurden. Von ihren eigenen Eltern und von der Gesellschaft insgesamt.

Denn eins wird sehr schnell deutlich in diesem Buch: Die Probleme dieser Kriegskinder hatten im Nachkriegsdeutschland keinen Platz, die wenigsten Betroffenen konnten Den Rest des Beitrags lesen »


Trümmerkinder, später

Vor Jahren habe ich einen Artikel von (oder war es ein Interview mit?) einer Journalistin gelesen, die sich mit der Psychologie von Kriegs- und Flüchtlingskindern und deren Kindern beschäftigte. Sie hatte in dem Artikel einige typische Verhaltensweisen, Charakterzüge (oder eher: Gefühlslagen) beschrieben, die vielen dieser Leute gemeinsam sind.

Ich selbst habe mich selbst und meine Geschwister und vor allem meine Eltern an mehreren Stellen wiedererkannt, und ich empfand es als erhellend und befreiend, dass diese – mir mit der Zeit immer stärker als merkwürdig aufgestoßenen, aber nicht recht fassbaren – Phänomene in der Familie nicht aus dem Nichts kommen, sondern einen möglichen Grund in der Geschichte haben können. Dass es sein könnte, dass wir nicht einfach eine irgendwie komische Familie waren, sondern möglicherweise alle miteinander Den Rest des Beitrags lesen »