Schwedisches Elend

Vor einer Weile hat das Schicksal mir die Wallander-Romane von Henning Mankell vor die Nase gespült – in einem offenen Bücherschrank standen alle Romane der Serie in der dtv-Ausgabe. Nachdem mir seit Jahren immer wieder Erwähnungen Wallanders über den Weg gelaufen waren, überwiegend Empfehlungen, habe ich die Gelegenheit ergriffen, da mal einen Blick hineinzuwerfen.

Angefangen habe ich mit Wallanders erster Fall, eine Sammlung von kürzeren Geschichten aus der Zeit von Wallanders Jugend. Ich habe die ersten beiden Geschichten gelesen. Schlecht waren sie nicht, aber vom Hocker haben sie mich auch nicht gerissen. Ein Rezensent bei Amazon schreibt, man merke, dass dieser Band nach den übrigen Romanen entstanden sei und quasi rückdatiert daherkomme. Für Wallander-Fans sei das ganz nett, aber es sei sicher nicht das beste Wallander-Buch. Man möge egal welchen der übrigen Romane zum Einstieg nehmen, der Wunsch nach mehr werde sich dann von selbst einstellen.

Gut, ich also den Band beiseite gelegt und Die weiße Löwin angefangen. Dort derselbe Befund: Nicht schlecht, aber Den Rest des Beitrags lesen »

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Kraftausdruck, getarnt

Wer auf Englisch etwas wie Oh Scheiße oder So eine Kacke oder Verdammt äußern will, hat eine reiche Auswahl an einschlägigem Vokabular zur Verfügung. Wer sich in guter Gesellschaft nicht unmöglich machen will, tarnt Kraftausdrücke gelegentlich durch verfremdende Aussprache oder ähnliche Maßnahmen. Statt shit sagen dann manche shoot, statt what the fuck oder what the hell hört man what the heck, und es dürfte noch einiges andere in der Richtung geben.

Ein immer wieder gern genommenes Wort ist das Verb to bugger, bedeutungsverwandt mit Den Rest des Beitrags lesen »


Angewandte Verhältnismäßigkeit

Du solltest jetzt mindestens eine Stunde Zeit aufwenden, um einen bösen Artikel drüber zu schreiben. Tenor: Sie haben eine Sekunde meiner Zeit verschwendet.

Hatte meine Frau so in den Raum geworfen. Als ob ich jemals sowas Unsinniges… Ok, sie kennt mich eben, und das sozialverträgliche Abladen solcher Mückeverelefantierungstiraden war eines der Motive, dieses Blog überhaupt anzufangen, darum mache ich mich mal dran. Das wird jetzt Enthüllungsjournalismus vom Feinsten, ein richtiger Scoop!

Also, Den Rest des Beitrags lesen »


Gestolpert

Neulich bin ich auf Spektrum.de über einen Text gestolpert, wo in der Einleitung etwas nicht stimmt. Es ist eigentlich keine große Sache, aber ich störe mich an sowas dann doch. Das sieht so aus:

Erdnüsse, Fisch oder Eier – über 170 allergieauslösende Nahrungsmittel sind bekannt. Doch ihr Ursprung ist oft noch ungeklärt, und eine Heilmethode gibt es nicht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen über die Volkskrankheit (Screenshot)

Man weiß also von „über 170 allergieauslösenden Nahrungsmitteln“ nicht, wo sie herkommen? Das glaube ich kaum. Was man hier nicht weiß ist natürlich, wo die Allergien herkommen bzw. wie diese Nahrungsmittel Allergien auslösen.

Rein grammatisch bezieht sich der zweite Satz auf Nahrungsmittel, inhaltlich spricht er aber über die von den Nahrungsmitteln ausgelösten Allergien. Erstaunlicherweise ist der Text trotzdem gut verständlich. Man muss nicht lange nachdenken, um ihn zu verstehen, aber fehlerhaft formuliert ist er doch.

Ich finde es wichtig, sich einigermaßen präzise auszudrücken. Oder genauer: Möglichst genau das zu sagen, was man sagen will. Was man sagt oder schreibt sollte vor allem an den Stellen präzise, grammatisch korrekt und folgerichtig sein, an denen wichtige Aussagen stehen; der für das Verständnis der Aussage nicht wesentliche Rest kann ja ruhig vage bleiben.

Nun muss man, um präzise formulieren zu können, was man sagen will, Den Rest des Beitrags lesen »


Wort für Wort

Die Übersetzung eines beliebigen Satzes in eine andere Sprache ist nicht dasselbe wie die Aneinanderreihung der einzeln übersetzten Vokabeln. So ein Satz ist sozusagen mehr als die Summe der Wörter, aus denen er besteht. Das kann man ganz leicht sehen, wenn man mal irgendeinen Satz von Google o.ä. übersetzen lässt:

The translation of any sentence in another language is not the same as the concatenation of individually translated words. Such a movement is literally greater than the sum of the words of which it consists. This can be seen quite easily if one or similar times any set of Google can translate (Quelle)

Der erste Satz ist zwar nicht völlig korrekt, aber problemlos lesbar und verständlich. Der zweite Satz ist schon holperiger. Sehr schön ist die Fehlübersetzung von Satz mit movement.

Natürlich ist es schmeichelhaft, dass meine Prosa als klassische Komposition gewertet wird und wir hier gewissermaßen den ersten Satz eines possierlichen Concerto lesen; in echt ist diese Übersetzung aber allenfalls dazu geeignet, sich einen groben, im wesentlichen stichwortbasierten Überblick über den ungefähren Inhalt des Textes zu verschaffen. Größere Textmengen so zu lesen ist wie eine Wanderung durch knietiefen Schneematsch – Den Rest des Beitrags lesen »


Bei dem Tropfen einer Hütte – die Fehlerkrabbe schlägt wieder zu

Manche Leute können das, sich etwas Witziges aus dem Hut zaubern, aus den Fingern saugen, aus dem Ärmel schütteln. Direkt aus dem Stand, at the drop of a hat. Dieses betont beiläufig eingestreute englische Idiom lässt sich übrigens ganz leicht ins Deutsche übersetzen. Drop heißt Tropfen, Hat ist sicher falsch geschrieben, wir kennen uns ja aus. Hut heißt Hütte, und fertig ist die Kiste. Was das für ein Tropfen ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist das Dach undicht, oder die Regenrinne verstopft, dann tropft es schonmal.

Manchmal Den Rest des Beitrags lesen »