Designdilemmata

Dass Design keine triviale Sache ist und viel Gelegenheit für Pannen birgt, ist hier schon angeklungen. Man hat wie bei vielen Optimierungsaufgaben widerstrebende und sich teilweise gegenseitig ausschließende Ziele, die man in einem für möglichst viele Benutzer akzeptablen Kompromiss zusammenführen muss – gute Benutzbarkeit bei gleichzeitig größtmöglicher Sicherheit oder Übersichtlichkeit bei gleichzeitig ausreichender Vielseitigkeit, um nur zwei Spannungsfelder zu nennen.

Ein schönes Beispiel sind die bei der Bahn vielfach als Nahverkehrszüge genutzten Baureihen 425 und 426. Jeweils am Ende eines Zugteils Den Rest des Beitrags lesen »

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Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Bevor er noch seinen Schreibtisch im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat eingeräumt und ein paar Bilder aufgehängt hat, spricht Horst „#HeimatHorst“ Seehofer den Muslimen in Deutschland ins Gewissen. Sie müssten „unsere Werte“ anerkennen, sie müssten „mit uns leben, nicht neben uns oder gegen uns“, und dazu müsse man miteinander reden (weshalb er die allgemein für nicht so besonders erfolgreich gehaltenen Islamkonferenzen wiederbeleben will). Während damit grundsätzlich natürlich recht hat, ist es gleichzeitig schon ein starkes Stück, wenn ein Bundesminister die Bevölkerung seines Landes einfach mal so in „wir“ und „ihr“ unterteilt.

Der Mann ist für die Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte aller Bundesbürger zuständig, richtet extra ein Ressort zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts mit knapp 100 zusätzlichen Mitarbeitern ein und beginnt seine Amtszeit mit so einem spalterischen Paukenschlag. Sein Parteifreund Dobrindt, der den Breitbandausbau in den letzten Jahren so schön vorangetrieben hat, schlägt natürlich gleich in dieselbe Kerbe und die CSU schiebt noch eine – mit einer Frau in einer Burka höchst ungeschickt, um nicht zu sagen: bösartig bebilderte – Umfrage hinterher. Damit zeigen sie, dass Seehofers Vorstoß kein Versehen war, kein Ausrutscher, sondern genau so gemeint und auch von der Partei so gewollt.

Wenn es beim neuen Heimatressort im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat um den gesellschaftlichen Zusammenhalt gehen soll, um das friedliche Zusammenleben aller Deutschen (und, hoffe ich mal, aller anderen, die sich legal in Deutschland aufhalten), wie kann er dann ohne ersichtlichen Grund mal eben Den Rest des Beitrags lesen »


Anonym unterwegs

Wenn jetzt die Bahn tatsächlich anfängt, ihre Kunden über ihre Handys technisch zu überwachen, weiß man ja nicht, wo die dabei gewonnenen Daten dann landen und wer sie dann wofür möglicherweise nutzt oder missbraucht. Die Zusammenarbeit mit einem, hm, seriösen Werbepartner wäre das Nächstliegende, man kennt das ja schon, und gehackt werden solche Datensammlungen auch immer mal.

Angesichts der politischen Entwicklungen in Sachen Datenschutz, Privatsphäre und Überwachung stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll sein könnte, sich dieser um sich greifenden Überwachung nach Möglichkeit zu entziehen und den Zugriff dieser Leute auf die Privatsphäre und die eigenen Daten so weit wie machbar zu verhindern. Letztlich läuft es auf die Frage hinaus, ob es überhaupt noch möglich ist, anonym unterwegs zu sein.

Um den Zugriff der Bahn und ihrer Werbepartner auf meine persönlichen Daten einzuschränken, sehe ich zwei Möglichkeiten: Die Verwendung eines anonymen Handys, das ich unter falschem Namen betreibe. Oder die Verwendung eines Zweithandys, auf dem keinerlei persönliche Daten gespeichert sind und mit dem ich mich auch von meinen üblichen Kontakten, Webseiten, sozialen Medien usw. fernhalte.

Im ersten Fall könnte ich Den Rest des Beitrags lesen »


Scheibchenweise

Salamitaktische Angriffe auf Grundrechte haben in Deutschland mittlerweile eine gewisse Tradition. Der Trend geht in Richtung mehr Überwachung, will mir scheinen. Man versucht letztlich, unsere Freiheit zu schützen, indem man diese Freiheit zugunsten verschiedenster Sicherheitsmaßnahmen einschränkt und beschneidet, Scheibchen für Scheibchen. Wie nicht anders zu erwarten war, wetzen sie in Berlin schon wieder die Messer, die Salami liegt auf dem Schneidbrett.

Fangen wir an mit einer schönen dicken Scheibe: In der Bundesregierung denkt man laut über den großflächigen einsatz von Staatstrojanern zwecks Online-Durchsuchungen nach, sicher beflügelt von den bisher errungenen großartigen Erfolgen mit solchen Dingern. Gelegentlich vorgebrachte verfassungsrechtliche Bedenken hat man mittlerweile sicher gründlich ausräumen können, ebenso wie technische Schwierigkeiten.

Weiter geht es mit der Vorratsdatenspeicherung. Die CDU will seit ihrem letzten Parteitag im Dezember die im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung gesammelten Daten auch dem Verfassungsschutz zugänglich machen. Der Parteivorstand hat das jetzt nochmal ausdrücklich bekräftigt, nur Justizminister Heiko Maas (SPD) sperrt sich. Noch.

Das wäre der Einstieg in die Aufweichung der im Grundgesetz festgeschriebenen Trennung zwischen Nachrichtendiensten und Polizei, und das darf nicht sein. Wir brauchen keine neue Gestapo, auch keine Gestapo light, und wir dürfen auch Den Rest des Beitrags lesen »


Flächendeckende Verglasung

Bahnchef Richard Lutz hat eben erzählt, die klassische gedruckte Fahrkarte könne in absehbarer Zeit entfallen. Man wolle einfach anhand der Handys feststellen, wer in den Zug eingestiegen und wie weit gefahren sei und dann den Fahrpreis automatisch vom Konto des betreffenden Fahrgastes abbuchen. Das wirft Fragen zum Datenschutz, zur informationellen Selbstbestimmung und überhaupt zu den Implikationen solcher Technik auf.

Ich finde das Vorhaben einigermaßen beunruhigend. Nicht, weil ich grundsätzlich was gegen elektronische Tickets hätte (die gibt es ja schon seit geraumer Zeit, und sie erfreuen sich einiger Beliebtheit), sondern weil man irgendwann gezwungen werden könnte, sie zu benutzen. Dann müsste man auch ein Smartphone (oder, scheint’s, sonst irgendein Handy) haben, um bahnfahren zu können. Man müsste sich von einem Unternehmen überwachen lassen, müsste Zugriff auf das eigene Konto gewähren usw. Das tut man anderweitig natürlich auch längst, aber normalerweise hat man die Wahl.

In Zukunft will die Bahn (die übrigens immer noch dem Bund gehört) also Den Rest des Beitrags lesen »


Beobachter (2)

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Irgendwo sitzt immer wer und beobachtet. Aber wer


Weitergedacht

Die Tochter sitzt am Klavier und gibt eine hakelige Version von Old MacDonald Had a Farm zum Besten. Ich glaube, sie verliert gelegentlich den Faden und verzählt sich dann bei der langen Reihe gleicher Töne in der zweiten Hälfte der Strophe. Später probiert sie verschiedene Klangfarben und Instrumente durch, die man auf dem Klavier einstellen kann. Immer mit einer Strophe Old MacDonald Had a Farm.

Meiner Meinung nach sollte der Urheber dieses Liedes zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt werden. Der Urheber von Jingle Bells und des Flohwalzers ebenso. Außerdem alle geschäftsfähigen Interpreten der beiden Lieder. (Der Flohwalzer spielt meiner Erfahrung nach im klassischen Musikbetrieb praktisch keine Rolle, wird von Klavierlernenden aber trotzdem bis zum Abwinken gespielt. Für den sollte deshalb der Vollständigkeit halber dasselbe gelten.) Außerdem alle, die die obengenannten Stücke zur Musikerziehung benutzen und Kinder diese auf Blockflöte, Geige, Klavier o.ä. spielen lassen. Und Verleger, die diese Stücke in ihre Lehrwerke einbauen.

Für jedes Mal, das eines der obengenannten Stücke von Musikschülern auf egal welchem Instrument intoniert wird, sollten die Verantwortlichen Den Rest des Beitrags lesen »


Salami, die nächste Scheibe

Neulich hat ein Spinner/Verbrecher/Drecksack/Verwirrter/Terrorist [nichtzutreffendes streichen] in einem Zug von Amsterdam nach Paris versucht, mit einem Sturmgewehr um sich zu schießen. Seine Flinte klemmte aber glücklicherweise, und durch das beherzte Eingreifen dreier Mitreisender konnte er davon abgehalten werden, jemanden umzubringen.

Schlimm, dass Menschen überhaupt in einen Geisteszustand geraten, wo sie sowas tun, egal ob es sich um Amokläufe handelt oder um bewusst geplante und kaltblütig ausgeführte Anschläge. Schlimm, dass der überhaupt soweit gekommen ist. Gut, dass er nicht weiter gekommen ist.

Was aber machen wir jetzt damit? Schwarzweiß gefragt: Warten wir auf den nächsten Amokläufer/Attentäter und hoffen, dass es uns und unsere Lieben nicht trifft? Oder sperren wir vorsorglich gleich alle ein und schmeißen die  Zellenschlüssel weg, damit niemand mehr überhaupt die Möglichkeit hat, sowas anzustellen?

Wie befürchtet Den Rest des Beitrags lesen »


Jalousien

Über das Problem mit der Sonne hatte ich ja schonmal geschrieben. Wenn die Sonne ins Büro scheint, sieht man am Bildschirm oft fast nichts mehr und kann ohne Fensterverdunkelung praktisch nicht mehr arbeiten. Das ist besonders im Winter doof, denn wenn die Sonne schonmal scheint, muss man sie aussperren, und bei Feierabend ist die Sonne lange untergegangen.

Datenbrillen waren ein paar Jahre lang der große Renner. Visionäre und Fortschrittsbegeisterte konnten sich lange kaum einkriegen, so viel Potenzial sahen sie in dem Konzept. Datenschützern ging es ähnlich, sie konnten nicht genug warnen vor den Risiken und Nebenwirkungen – immerhin ergänzen Datenbrillen die ohnehin schon omnipräsenten Ortungs-, Abhör und Überwachungswanzen (auch bekannt als Smartphone) um Augen. Privatsphäre adée, hieß es nicht ganz zu unrecht. Nun scheint der Hype um die Datenbrille weitgehend abgeflaut, das Thema ist weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden, alles ist gut.

Bleibt mein Problem mit der Sonne im Fenster. Meine Lösung mit elektrochromen Fensterscheiben hat sich nicht durchgesetzt, wäre wahrscheinlich zu teuer und zu aufwändig. Aber jetzt habe ich eine andere, wesentlich zukunftsweisendere Idee. Die Medizin- und Prothesentechnik hat in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Allein die jetzt bezahlbar zur Verfügung stehende Rechenleistung auf kleinstem Raum eröffnet Möglichkeiten, die noch vor 20 Jahren kaum denkbar gewesen wären.

Wer kaputte Ohren aber einen noch intakten Hörnerv hat, kann u.U. Den Rest des Beitrags lesen »


Die Salami wird kürzer

Vor einer Weile hatte ich über die Salamitaktik geschrieben, mit der bundesdeutsche Innenminister den verschiedenen Sicherheitsbehörden nach und nach immer mehr Befugnisse zuschanzen und dabei immer ungenierter die generelle und möglichst lückenlose Überwachung aller anzustreben scheinen.

Jetzt kaspert Herr Dobrindt seit Monaten mit seiner Schnapsidee herum, eine Pkw-Maut einzuführen, die für den deutschen Fahrzeughalter kostenneutral ist, dafür aber alle ausländischen Nutzer bundesdeutscher Straßen angemessen zur Kasse bittet und so ohne großen Aufwand viele hübsche Taler in das Staatssäckel spülen soll, natürlich konform zum EU-Recht und nicht verfassungswidrig usw. Hat bisher nicht geklappt, es hat immer irgendwo gehakt oder gedrückt. Und wann immer man in den letzten Monaten etwas von dem Projekt hört, ist die große Idee wieder um ein paar Details beschnitten worden. Das Ding schrumpft seit dem ersten Tag.

Am Ende bleibt wahrscheinlich ein Autobahnabschnitt, etwa zwischen Frankfurt und Kassel, und ein Stück Bundesstraße übrig, auf der Nicht-EU-Ausländer an ungeraden Tagen nach Einbruch der Dunkelheit Maut zahlen müssen. Naja, jedenfalls wenn sie innerhalb von einem Vierteljahr den betreffenden Straßenabschnitt zum zweiten Mal benutzen und Den Rest des Beitrags lesen »