Richtig lesen

Irgendwann vor meiner Einschulung habe ich angefangen, mich für Buchstaben und Zahlen zu interessieren, habe mir welche zeigen lassen und versucht, sie nachzumalen und anzuwenden. Als ich zur Schule kam, konnte ich trotzdem noch nicht lesen oder schreiben. Das offizielle Lesen- und Schreibenlernen in der 1. Klasse habe ich brav (aber, soweit ich mich erinnere, ohne viel Enthusiasmus) absolviert und die so erworbenen Fertigkeiten vor allem in der und für die Schule angewendet.

Irgendwann im Lauf der zweiten Klasse habe ich mein erstes „richtiges“ Buch gelesen, also kein in Schreibschrift gesetztes Buch für Leseanfänger, sondern ein normales Kinderbuch. Abenteuergeschichte, irgendwas mit Dschungel. Ich weiß noch, wie ich das Buch sah und dachte, wer weiß, ob sich das lohnt? Ich habe halb skeptisch zu lesen begonnen und war dann fast erstaunt, als plötzlich die letzte Seite vorbei war. Ab da las ich so ziemlich alles, was ich in die Finger kriegen konnte (davon bin ich mittlerweile wieder ab, aber damals hatte ich auch nicht Zugriff auf derart viel Text wie heute).

Aber lesen ist ja nichts, was man einfach so machen kann oder soll. Neben dem rein Technischen – also Buchstaben kennen, die daraus zusammengesetzten Wörter erkennen, die aus denen gebildeten Sätze verstehen – gehört nämlich noch mehr dazu: Zwischen den Zeilen lesen, Stilmittel und andere Kunstgriffe erkennen, Den Rest des Beitrags lesen »


Das neue Wort

Ständig gibt es neue Wörter. Zum Beispiel, weil es neue Dinge, Phänomene oder Sachverhalte gibt, die benannt werden müssen. Ganz oft kommen diese neuen Wörter aus Übersee, und alle möglichen selbsternannten Bewahrer der deutschen Sprache kämpfen dann erbittert gegen diese angeblich kultur- und sprachimperialistischen Importe an. Aber das nur nebenbei.

Manchmal nämlich denkt sich jemand ein neues Wort aus, ohne auf böse angloamerikanische Modeworthülsen zurückzugreifen. Hans-Jürgen Jakobs beispielsweise schreibt heute in der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel „Gegen den Euro, gegen Europa“ über Sarrazins neues Buch:

Der Mann mit dem Schnauzer meldet sich zurück in der Welt der deutschen Themenhäckselmaschine. Ein Auftritt in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“, ein Vorabdruck in der Zeitschrift Focus – Thilo Sarrazin, promovierter Volkswirt und langjähriger Sozialdemokrat, versucht die Wiederholung seines Bestsellers „Deutschland schafft sich ab“ mit allen Mitteln des Auflagen-Marketings.

Der Artikel gefällt mir ganz gut, er ist angenehm unaufgeregt. Mehr muss man zu dem Buch gar nicht sagen. Am Besten gefällt mir aber das Wort Themenhäckselmaschine. Das ist  Den Rest des Beitrags lesen »