Und dann war da noch… (13)

… der Motorradfahrer neben mir an der Ampel. Schwarze Maschine, schwarzer Anzug, schwarzer Helm. Am linken Oberarm eine gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten im Dreieck. Hoffentlich nur als Witz…

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Momente

Es gibt Momente, da steht man mit großen Augen und heruntergeklapptem Unterkiefer da und ist sich nicht ganz sicher, ob die Welt noch gerade hängt.

Neulich zum Beispiel. Ich bin zu Fuß in der Stadt unterwegs und stehe an einer Fußgängerampel an einer stattlichen und normalerweise recht vielbefahrenen Straße – zwei Fahrspuren in jeder Richtung, in der Mitte ein Grünstreifen mit Straßenbahnschienen. Es ist Samstagnachmittag und vergleichsweise wenig Verkehr. Gegenüber mündet eine schmale Wohnstraße ein. Von dort kann man über die Straßenbahnschienen fahren und nach links abbiegen.

moment_motorrad

Vielleicht fünfzig, sechzig Meter vor der Einmündung steht ein Motorradfahrer [1] mit laufendem Motor am Straßenrand, drückt auf ein paar Knöpfen rum, spielt am Gas, fährt langsam los in Richtung Kreuzung. Nach ein paar Metern reißt er plötzlich das Gas auf. Gerade, dass das Vorderrad nicht in die Luft steigt, kommt er auf die Kreuzung zugeprescht. Er hat rot, hält aber voll drauf.

Kurz vor dem Haltebalken [2] Den Rest des Beitrags lesen »


Grün auf Anforderung

An Ampeln kann man immer wieder kuriose Beobachtungen machen. Da gibt es etwa die ungeduldigen Autofahrer, die die ganzen 90 Sekunden ihrer Rotphase über ständig mit dem Gas spielen. Wenn mehrere solche Gesellen gleichzeitig an einer Ampel stehen, kann die Geräuschkulisse stark an ein Formel-1-Feld kurz vor dem Start erinnern. Wenn die Ampel dann grün wird und jemand in der ersten Reihe nicht schnell genug über die Linie sprintet, wird gern gehupt.

Die Zeit zwischen Umspringen der Ampel und dem ersten Hupton ist übrigens als New York Minute definiert, und die ist sehr, sehr kurz. Es reicht den Hupenden auch fast nie, die Hupe kurz anzutippen, etwa ein kurzes Morse-i (also zwei kurze Töne) zu hupen, um den als zu reaktionsträge empfundenen Vordermann auf die geänderten Ampelfarben aufmerksam zu machen. Nein, es wird breit und fett sekundenlang gehupt, um dem dämlichen Lahmarsch da vorne richtig deutlich zu machen, dass wegen seiner unbegreiflichen Trägheit die Leute hinter ihm Probleme mit dem Blutdruck kriegen. An der Ampel nicht schnell genug wegzukommen wird von den dahinter Stehenden gern als persönliche Beleidigung verstanden und per Hupe auch so kommuniziert. Ungeduld scheint bei Autofahrern zur Grundausstattung zu gehören.

Bei Fahrradfahrern auch. Die leben ihre Ungeduld oftmals ganz ungeniert aus und ignorieren rote Ampeln gleich völlig. Bevor jemand reagieren kann, sind sie meist schon verschwunden. Bei Fußgängern ist das Bild gemischt. Wo es geht, laufen viele bei Rot über die Straße, anderswo warten sie aber erstaunlich lange. Heute morgen etwa an der Ampel, für die ich mir den Zebrastreifen 2.0 ausgedacht hatte. Den Rest des Beitrags lesen »


Männer am Steuer

Vor kurzem hat ein Kollege über die hakelige Gangschaltung eines Mietwagens geklagt, und da ist mir ein Erlebnis aus den mittleren 80er Jahren eingefallen. Ein Bekannter – ältester Sohn von Freunden meiner Eltern, an die zehn Jahre älter als ich – beschwerte sich über sein Auto.

Als echter Mann und guter Deutscher bildete er sich direkt ab Bestehen der Führerscheinprüfung einiges auf seine selbstverständlich überdurchschnittlichen Fahrkünste ein. Er war einer der unzähligen „einzigen gescheiten Fahrer unter lauter hirnamputierten Vollidioten“ auf deutschen Straßen (und ich bin sicher, dass dieses Phänomen nicht nur hierzulande zu beobachten ist). Und als besonders hochkarätiger Spitzenklassefahrer hatte er natürlich nicht irgendein profanes Spießerauto.

Er fuhr vielmehr etwas Sportliches aus Italien, Lancia glaube ich, vielleicht auch Alfa Romeo, das weiß ich so genau nicht mehr. Eine kleine Rakete jedenfalls, ähnlich motorisiert wie Golf GTI oder Audi quattro, die sich aber mit ihrem mediterran-heißblütigen Charme und den eleganten Linien natürlich in ganz anderen ästhetischen Sphären bewegte. Man sollte sich zur Illustration hier wahrscheinlich noch ein paar erhebende Zeilen mit Stichwörtern wie Herz, Emotionen, Bella Macchina u.ä. aus einer Autozeitschrift dazudenken.

Nun trat der Mann wirklich nicht wie ein ästhetisch ambitionierter Feingeist auf, sondern eher wie ein grober Klotz, dem es immer wieder gelang, Leute mühelos vor den Kopf zu stoßen. Er fuhr seinen Hobel mit dem erklärten Ziel, möglichst vielen Spießern (also allen anderen Verkehrsteilnehmern) seine Auspuffrohre zu zeigen. Dazu muss man natürlich Den Rest des Beitrags lesen »


Kurzsichtigkeit am Steuer

Dass viele Leute nicht besonders geschickt im Ein- und Ausparken sind, ist wohl keine Neuigkeit. Natürlich ist jeder, mit dem man drüber spricht, der beste Autofahrer des Landes (ich eingeschlossen!). Handwerklich schlecht fahren immer nur die anderen, das ist allgemein bekannt.

Manche können also nicht so gut ein- und ausparken. Enge, unübersichtliche und überfüllte Parkplätze machen es nicht eben besser. Wenn dann noch Dunkelheit, schlechtes Wetter und krakeelende Suffköppe dazukommen, die zwischen den Autos herumkaspern, kann das schonmal zu erheblichem Stress führen, und Stress macht Leute oftmals ungeschickt und fahrig. Wenn mehrere dieser Umstände zusammentreffen, sind das keine guten Voraussetzungen für filigranes Parkplatzmenuett.

Dass nicht wenige beim Autofahren jeden Zentimeter Platz ausnutzen, um vorwärts zu kommen, ist auch kein Geheimnis. Zwar geht es auf Deutschlands Straßen meistens deutlich ordentlicher zu als etwa im russischen Straßenverkehr. Dort Den Rest des Beitrags lesen »


Schlangenlinien

Jeder weiß, dass, wenn zwei Handwerker eine große, große Glasscheibe vorsichtig durch die Stadt tragen, sie unweigerlich einer wilden Verfolgungsjagd in die Quere geraten und jemand mit Schwung die Glasscheibe in Scherben verwandelt. Das kommt in gefühlt jedem zweiten Krimi vor und wird mittlerweile sogar in ernsten Filmen ironisch verwendet, ähnlich wie der RasenmäherKinderwagen, der unweigerlich Treppen oder abschüssige Straßen in Richtung Abgrund oder Verkehrslawine hinabrollt.

Ähnlich verbreitet, aber nicht ganz so bekannt ist das Phänomen, dass auf jeder frischen Betonfläche nicht nur vor dem TCL Chinese Theatre auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles irgendwer einen Fußabdruck oder sonst eine Spur hinterlassen muss. Wahlweise kann man auch Den Rest des Beitrags lesen »


Bei rot

Innenstadt, große Kreuzung mit Straßenbahnhaltestelle direkt nebendran. Ich stehe mit einer handvoll Leute an der roten Fußgängerampel. Gegenüber zwei ungefähr neun- oder zehnjährige Mädchen und zwei Erwachsene, die nicht dazugehören. Alle warten brav, obwohl kein Auto kommt. Die eine Frau gegenüber ist allerdings sichtlich nervös. Als eine Straßenbahn einfährt, wird sie noch zappeliger und geht dann – immer noch bei rot, die Ampel bleibt grundsätzlich rot, wenn eine Straßenbahn da ist und springt meist genau dann um, wenn die Bahn anfährt und man sie garantiert nicht mehr erwischt – hastig über die Straße in Richtung Haltestelle.

Die beiden Mädchen sehen das, und man sieht ihnen die Gedanken an. Das dürfte die aber nicht. Immer noch rot, immer noch kein Auto. Hm, sollen wir auch? Der Mann gegenüber geht jetzt auch los. Die Mädchen kämpfen mit sich. Eigentlich könnten wir ja wirklich… Wären sie pubertierende Jungs auf Mopeds, würden sie wohl Den Rest des Beitrags lesen »


Fliegende Autos

Flugzeuge, könnte man argumentieren, sind eigentlich nicht viel mehr als aufgemotzte Autos, die außer fahren auch fliegen können. So eine Art aufgehübschte Tschitti Tschitti Bäng Bängs eben. Zumindest bei Zeit Online scheinen sie das so zu sehen. Jedenfalls hängt dort eine Geschichte darüber, sie man Fluglärm vermindert, im Auto-Ressort:

Wirklich? Den Rest des Beitrags lesen »


Bei der Sache?

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich jeden Tag an einem Parkhaus vorbei. Dort hängt seit ein paar Wochen dieses Plakat neben der Einfahrt, aufgestellt von der Initiative „Sicherer Arbeitsweg“:

Das Motiv passt genau zur Situation vor Ort – man muss einen kombinierten Fuß- und Radweg überqueren, um in das Parkhaus zu gelangen. Da dürften Situationen wie die auf dem Plakat abgebildete sicher keine Seltenheit sein. Passt genau, könnte man denken.

Aber was passiert hier wirklich? Den Rest des Beitrags lesen »