Grün auf Anforderung

An Ampeln kann man immer wieder kuriose Beobachtungen machen. Da gibt es etwa die ungeduldigen Autofahrer, die die ganzen 90 Sekunden ihrer Rotphase über ständig mit dem Gas spielen. Wenn mehrere solche Gesellen gleichzeitig an einer Ampel stehen, kann die Geräuschkulisse stark an ein Formel-1-Feld kurz vor dem Start erinnern. Wenn die Ampel dann grün wird und jemand in der ersten Reihe nicht schnell genug über die Linie sprintet, wird gern gehupt.

Die Zeit zwischen Umspringen der Ampel und dem ersten Hupton ist übrigens als New York Minute definiert, und die ist sehr, sehr kurz. Es reicht den Hupenden auch fast nie, die Hupe kurz anzutippen, etwa ein kurzes Morse-i (also zwei kurze Töne) zu hupen, um den als zu reaktionsträge empfundenen Vordermann auf die geänderten Ampelfarben aufmerksam zu machen. Nein, es wird breit und fett sekundenlang gehupt, um dem dämlichen Lahmarsch da vorne richtig deutlich zu machen, dass wegen seiner unbegreiflichen Trägheit die Leute hinter ihm Probleme mit dem Blutdruck kriegen. An der Ampel nicht schnell genug wegzukommen wird von den dahinter Stehenden gern als persönliche Beleidigung verstanden und per Hupe auch so kommuniziert. Ungeduld scheint bei Autofahrern zur Grundausstattung zu gehören.

Bei Fahrradfahrern auch. Die leben ihre Ungeduld oftmals ganz ungeniert aus und ignorieren rote Ampeln gleich völlig. Bevor jemand reagieren kann, sind sie meist schon verschwunden. Bei Fußgängern ist das Bild gemischt. Wo es geht, laufen viele bei Rot über die Straße, anderswo warten sie aber erstaunlich lange. Heute morgen etwa an der Ampel, für die ich mir den Zebrastreifen 2.0 ausgedacht hatte. Den Rest des Beitrags lesen »