Und dann waren da noch… (50)

… die zwei Nachwuchs-Verkehrsteilnehmer (ca. 2, auf dreirädrigem Laufrad, und ca. 4, auf „richtigem“ Laufrad, beide in kräftigfarbiger Regenkleidung und mit Helm), die vom Gehwegrand aus fachkundig und mit offensichtlicher Faszination beobachten, wie auf der gegenüberliegenden Straßenseite einer Wohnstraße zwei Leute einen Pkw mit viel vor und zurück in eine sehr enge Parklücke manövrieren – einer fährt, der andere weist ein, mit Handzeichen und Zurufen und mehreren Beratungspausen.

Ein solches Schauspiel kann man sich natürlich nicht entgehen lassen. Zum Glück scheint die Mutter es mit den beiden nicht sehr eilig zu haben.


Einordnung

In der Straßenbahn. Ein paar Sitzreihen hinter mir eine Frau mit zwei Kindern im Kindergartenalter. Wir fahren an einem großen, mit Licherketten geschmückten Nadelbaum vorbei.

Kind 1, sachlich und abgeklärt: Der Tannenbaum ist aber größer als ein Mann.
Kind 2, nach einigem Nachdenken: Und der ist auch größer als die Straßenlaternen.
Kind 1, nach einer längeren Pause: Der Tannenbaum ist aber nicht so groß wie Häuser.
Kind 2: Und nicht so groß wie die Bahn.

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Führende Null

Kinder tun sich mit manchen Konzepten anfangs schwer, die in der Erwachsenenwelt ganz normal sind, die führende Null etwa. Ist ja auch verständlich, da hat man gerade das mit den Zahlen überhaupt verstanden, und dann kommen Zahlen daher, wo manche der Ziffern gar nichts bedeuten sollen und einfach bloß so dastehen.

Neulich zum Beispiel bei den Schließfächern der Kinderbibliothek. Ein vielleicht fünfjähriger Junge will das Schließfach selbst aufschließen. Der Vater gibt ihm den Schlüssel, sie suchen zusammen das Schließfach. Der Junge schließt auf und fragt dann, wieso auf der Tür „0032“ steht, wo sie doch Fach 32 hätten und auf dem Schlüssel auch nur 32 stehe. Vaters Erklärung („Die machen das halt so“) überzeugt nicht recht, die Frage bleibt halboffen in der Luft hängen.

Als ich am Gehen bin, kommt ein Mann mit Sohn von draußen, der Junge ist etwas jünger, wohl frühes Kindergartenalter. Sie räumen ihre Sachen in ein Schließfach, der Junge darf Den Rest des Beitrags lesen »


Frisuren versiegeln

Beim Einkaufen mitgehört: Eine frische Erstklässlerin erzählt einer Tante oder einer Freundin der Familie, dass sie zum Zahnarzt musste. Der hat dann sowas gemacht, da weiß sie nicht so genau, was. So Zeug auf die Zähne gepinselt irgendwie.

Die Bekannte: Ah, Fissuren versiegeln.

Das Mädchen: Ja, Frisuren versiegeln. Aber du warst doch mal Zahnarzt, darf ich jetzt was essen?

Die Bekannte: Nö, nicht Zahnärztin. Ich war Zahnarzthelferin, sonst tät ich jetzt hier nicht im Laden stehen. Aber eine Stunde lang solltest Du noch warten mit dem Essen.


Und dann war da noch… (14)

… der kleine Junge am Eingang der Stadtbibliothek, vielleicht vier Jahre alt. Er teilt uns mit großem Ernst mit: Man kann die Bücher da aber nicht kaufen.

Ich: Ah, nur ausleihen?

Er nickt: Ja.


Und dann war da noch… (11)

… das kleine Mädchen in der Straßenbahn, frühes Kindergartenalter. Sie unterhält die Fahrgäste mit ihrem ganz unbefangen abgelieferten laufenden Kommentar zum Weltgeschehen.

Wir fahren in eine Haltestelle ein, wo eine Frau mit grellbunten Haaren steht. Das Mädchen kräht durch den Zug: Kuck mal Mama, die Haare von der Frau sind angemalt!


Grenzen

Seit es Menschen gibt, gibt es Grenzen. Ich meine keine Landesgrenzen, sondern die Grenzen unseres Wissens und unserer Möglichkeiten. Seit es diese Grenzen gibt, arbeitet die Menschheit sich an ihnen ab. Man versucht etwa, dem Sensenmann ein Schnippchen zu schlagen und die Sterblichkeit zu umgehen. Man hat versucht, Gold zu machen, hat vom Fliegen geträumt, hat an Tarnkappen geforscht, den heiligen Gral, den Stein der Weisen, den Eingang zum Paradies gesucht.

Grenzen anzuerkennen und stehenzulassen scheint der Menschheit irgendwie gegen den Strich zu gehen. Viele Elemente der vielfältigen Formen von Jugendkultur dürften zu erheblichen Teilen eine direkte Folge des Ablehnens bzw. des gezielten Überschreitens von (zugegeben: künstlichen) Grenzen verschiedenster Art sein. Genauso die Begeisterung für Sport und natürlich Den Rest des Beitrags lesen »


Durchblicker

Die Welt ist bekanntlich voll mit Leuten, die als einzige die Welt verstehen. Allein in Deutschland gibt es um die 80 Millionen davon. Leute nämlich, die als einzige wissen, was falsch läuft, wie es nicht gehört und wie es stattdessen gemacht werden sollte. Aber niemand hört auf sie, weshalb die Welt auch in dem traurigen Zustand ist, in dem sie sich eben befindet.

Nichts gegen Einsichten von Hinz und Kunz. Viele Leute machen sich über alles mögliche Gedanken, viele Leute haben Geistesblitze, manchem fällt es gelegentlich wie Schuppen von den Augen, und oft genug wird wirklich etwas Wichtiges, Richtiges, Sinnvolles, Bedenkenswertes dabei sein. Was in der Regel fehlen dürfte, ist der Blick für das große Ganze. Wir sind, glaube ich, alle in unserem begrenzten Blickfeld gefangen, und selbst wenn man weiß, dass man vieles nicht weiß und auch kaum je wissen wird oder auch nur wissen könnte, glaubt man doch oft irrtümlich, den Durchblick zu haben. Und dann Den Rest des Beitrags lesen »


Lesefrüchte

Meine Tochter hat mir gestern abend erklärt, was Bücher und Obstbäume gemeinsam haben: Wenn man ein Buch gelesen hat, mag man es erstmal nicht mehr lesen. Wie ein Obstbaum, den man abgeerntet hat, der ist dann erstmal leer. Aber im nächsten Jahr ist wieder Obst dran, dann kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Am Bahnhof

Kleinstadtbahnhof, drei Gleise. Auf der Fußgängerbrücke über den Gleisen stehen sie, ein paar Meter von mir entfernt am Geländer: ein stämmiger älterer Herr und sein drei- oder vierjähriger Enkel. Beide tragen Jeans und gestreifte T-Shirts.

Offensichtlich haben sie viel Zeit. Vielleicht Den Rest des Beitrags lesen »