Und dann war da noch… (14)

… der kleine Junge am Eingang der Stadtbibliothek, vielleicht vier Jahre alt. Er teilt uns mit großem Ernst mit: Man kann die Bücher da aber nicht kaufen.

Ich: Ah, nur ausleihen?

Er nickt: Ja.

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Und dann war da noch… (11)

… das kleine Mädchen in der Straßenbahn, frühes Kindergartenalter. Sie unterhält die Fahrgäste mit ihrem ganz unbefangen abgelieferten laufenden Kommentar zum Weltgeschehen.

Wir fahren in eine Haltestelle ein, wo eine Frau mit grellbunten Haaren steht. Das Mädchen kräht durch den Zug: Kuck mal Mama, die Haare von der Frau sind angemalt!


Grenzen

Seit es Menschen gibt, gibt es Grenzen. Ich meine keine Landesgrenzen, sondern die Grenzen unseres Wissens und unserer Möglichkeiten. Seit es diese Grenzen gibt, arbeitet die Menschheit sich an ihnen ab. Man versucht etwa, dem Sensenmann ein Schnippchen zu schlagen und die Sterblichkeit zu umgehen. Man hat versucht, Gold zu machen, hat vom Fliegen geträumt, hat an Tarnkappen geforscht, den heiligen Gral, den Stein der Weisen, den Eingang zum Paradies gesucht.

Grenzen anzuerkennen und stehenzulassen scheint der Menschheit irgendwie gegen den Strich zu gehen. Viele Elemente der vielfältigen Formen von Jugendkultur dürften zu erheblichen Teilen eine direkte Folge des Ablehnens bzw. des gezielten Überschreitens von (zugegeben: künstlichen) Grenzen verschiedenster Art sein. Genauso die Begeisterung für Sport und natürlich Den Rest des Beitrags lesen »


Durchblicker

Die Welt ist bekanntlich voll mit Leuten, die als einzige die Welt verstehen. Allein in Deutschland gibt es um die 80 Millionen davon. Leute nämlich, die als einzige wissen, was falsch läuft, wie es nicht gehört und wie es stattdessen gemacht werden sollte. Aber niemand hört auf sie, weshalb die Welt auch in dem traurigen Zustand ist, in dem sie sich eben befindet.

Nichts gegen Einsichten von Hinz und Kunz. Viele Leute machen sich über alles mögliche Gedanken, viele Leute haben Geistesblitze, manchem fällt es gelegentlich wie Schuppen von den Augen, und oft genug wird wirklich etwas Wichtiges, Richtiges, Sinnvolles, Bedenkenswertes dabei sein. Was in der Regel fehlen dürfte, ist der Blick für das große Ganze. Wir sind, glaube ich, alle in unserem begrenzten Blickfeld gefangen, und selbst wenn man weiß, dass man vieles nicht weiß und auch kaum je wissen wird oder auch nur wissen könnte, glaubt man doch oft irrtümlich, den Durchblick zu haben. Und dann Den Rest des Beitrags lesen »


Lesefrüchte

Meine Tochter hat mir gestern abend erklärt, was Bücher und Obstbäume gemeinsam haben: Wenn man ein Buch gelesen hat, mag man es erstmal nicht mehr lesen. Wie ein Obstbaum, den man abgeerntet hat, der ist dann erstmal leer. Aber im nächsten Jahr ist wieder Obst dran, dann kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Am Bahnhof

Kleinstadtbahnhof, drei Gleise. Auf der Fußgängerbrücke über den Gleisen stehen sie, ein paar Meter von mir entfernt am Geländer: ein stämmiger älterer Herr und sein drei- oder vierjähriger Enkel. Beide tragen Jeans und gestreifte T-Shirts.

Offensichtlich haben sie viel Zeit. Vielleicht Den Rest des Beitrags lesen »


Vorurteile

Moni Nielsen hat in ihrem Blog einen Artikel über blinde Flecken geschrieben. Darin denkt sie über Vorurteile nach, bei denen sie sich selbst ertappt, und überlegt, wie sie mit mit diesen Vorurteilen umgehen soll. Der Artikel endet mit diesen Sätzen:

Schämte ich mich an dem Abend? Ich schlug mir innerlich gegen den Kopf – gaats no! Aber schämen? Nein. Meine Vorurteile sind nicht schlecht, SOLANGE ICH SIE BEMERKE, nochmals hinschaue und revidiere. Und nur das Bewusstsein meiner blinden Flecken bringt mich dazu, mich regelmässig selber zu überprüfen.

Wer ganz sicher ist, keine blinden Flecken zu haben – schaut der denn nochmals hin?

Diese Schlussfolgerung gefällt mir sehr gut – keine Vorurteile zu haben ist wahrscheinlich gar nicht möglich. Vorurteile destillieren sich aus der eigenen Lebenserfahrung, die aus eigenen Erlebnissen, dem Verhalten der Eltern, Lehrer und sonstigen Bezugspersonen usw. besteht. Man wendet erworbenes Weltwissen ohne nachzudenken an und kommt dadurch zu nicht bewusst reflektierten Schlüssen, die mal mehr, mal weniger zutreffen.

Selbst wenn diese Vorurteile zu richtigen Schlussfolgerungen führen, ist das problematisch, weil man eben einfach regelbasiert Leute in Schubladen steckt, in denen sie dann oft genug fehl am Platz sind. (Wie unangenehm sich schon die Möglichkeit einer solchen Fehletikettierung anfühlt, habe ich neulich erst selbst erfahren.) Gerade zu negativen Urteilen über Leute sollte man, meine ich, durch möglichst informiertes und kritisches Abwägen gelangen, nicht durch den unbewussten Abgleich von ein paar oberflächlichen Merkmalen mit einer Tabelle im Kopf. Da dieses regelbasierte Einsortieren die konkreten Individuen nicht betrachtet, sollte man sich auf die Ergebnisse nicht blind verlassen.

Alle haben Vorurteile, das lässt sich nicht ändern. Aber man kann Den Rest des Beitrags lesen »


Knoten

Neulich bei gnaddrig in der Küche. Meine Jüngste spielt mit einem bunten Gummiarmband, macht Schlaufen und Knoten, und nach einer Weile merkt sie ganz sachlich an:

Ein Knoten ist eigentlich eine ganz festgezogene Brezel aus was Wurstigem.

Ich finde diese Definition großartig, sie ist ist kurz, anschaulich und auf den Punkt. Besser geht das kaum, zumal mit Vorschulwissen.

Meine Tochter hat hier natürlich keine allgemeine Definition von Knoten geliefert (Ein Knoten ist laut Pfeifer eine Verknüpfung von Fäden, Stricken, Bändern), sondern sie hat mit ihrem Gummiband einen Überhandknoten gemacht und den dann definiert. Das Ding sah so aus (Szene nachgestellt):

Die selbständige Abstraktion vom spezifischen Knoten zum Oberbegriff ist in dem Alter vielleicht noch ein oder zwei Nummern zu groß, vor allem Den Rest des Beitrags lesen »


Antipoden: Die Wahrheit

Es ist noch nicht allzulange her, dass sich namhafte Gelehrte erhitzte Debatten darum lieferten, ob auf der anderen Seite der Erde überhaupt Menschen leben können. Die Antipoden würden ja, glaubte man, mit dem Kopf nach unten da herumlaufen müssen und würden natürlich in den Himmel fallen. Das musste so sein, weil wir hier ja nachweislich mit den Füßen nach unten und dem Kopf nach oben herumlaufen und immer in Richtung Erde fallen.

Mit zunehmendem Weltwissen llöste sich der strittige Punkt weitgehend in Wohlgefallen auf. Spätestens seit Abel Tasman Neuseeland und Tasmanien besuchte, konnte kaum mehr bestritten werden, dass die Gegenseite der Erde von ganz normalen Menschen bewohnt ist und die Schwerkraft auch dort in Richtung Erdmittelpunkt wirkt. Da gab es einfach nichts mehr zu diskutieren, und die Antipoden, wie man sie sich ausgemalt hatte, existierten einfach nicht, genau wie die auch mal für unverzichtbar gehaltene Nordwestpassage.

Das macht die Sache mit den Antipoden geheimisvoll, denn natürlich muss es welche geben, und wenn nicht in Australien Hals über Kopf, dann eben anderswo anderswie. Den Rest des Beitrags lesen »


Wortmalerei

zugbrückenfenster

Mit Kindern unterwegs zu sein ist immer wieder faszinierend. Man läuft jahrelang täglich durch dieselben langweiligen Straßen an denselben Grundstücken vorbei, und auf einmal bringt ein Kind, pling, einen Kommentar, der etwas Alltägliches, tausendmal Gesehenes in neues Licht rückt. Das Vordach auf dem Foto etwa: Den Rest des Beitrags lesen »