Vorurteile

Moni Nielsen hat in ihrem Blog einen Artikel über blinde Flecken geschrieben. Darin denkt sie über Vorurteile nach, bei denen sie sich selbst ertappt, und überlegt, wie sie mit mit diesen Vorurteilen umgehen soll. Der Artikel endet mit diesen Sätzen:

Schämte ich mich an dem Abend? Ich schlug mir innerlich gegen den Kopf – gaats no! Aber schämen? Nein. Meine Vorurteile sind nicht schlecht, SOLANGE ICH SIE BEMERKE, nochmals hinschaue und revidiere. Und nur das Bewusstsein meiner blinden Flecken bringt mich dazu, mich regelmässig selber zu überprüfen.

Wer ganz sicher ist, keine blinden Flecken zu haben – schaut der denn nochmals hin?

Diese Schlussfolgerung gefällt mir sehr gut – keine Vorurteile zu haben ist wahrscheinlich gar nicht möglich. Vorurteile destillieren sich aus der eigenen Lebenserfahrung, die aus eigenen Erlebnissen, dem Verhalten der Eltern, Lehrer und sonstigen Bezugspersonen usw. besteht. Man wendet erworbenes Weltwissen ohne nachzudenken an und kommt dadurch zu nicht bewusst reflektierten Schlüssen, die mal mehr, mal weniger zutreffen.

Selbst wenn diese Vorurteile zu richtigen Schlussfolgerungen führen, ist das problematisch, weil man eben einfach regelbasiert Leute in Schubladen steckt, in denen sie dann oft genug fehl am Platz sind. (Wie unangenehm sich schon die Möglichkeit einer solchen Fehletikettierung anfühlt, habe ich neulich erst selbst erfahren.) Gerade zu negativen Urteilen über Leute sollte man, meine ich, durch möglichst informiertes und kritisches Abwägen gelangen, nicht durch den unbewussten Abgleich von ein paar oberflächlichen Merkmalen mit einer Tabelle im Kopf. Da dieses regelbasierte Einsortieren die konkreten Individuen nicht betrachtet, sollte man sich auf die Ergebnisse nicht blind verlassen.

Alle haben Vorurteile, das lässt sich nicht ändern. Aber man kann Den Rest des Beitrags lesen »


Knoten

Neulich bei gnaddrig in der Küche. Meine Jüngste spielt mit einem bunten Gummiarmband, macht Schlaufen und Knoten, und nach einer Weile merkt sie ganz sachlich an:

Ein Knoten ist eigentlich eine ganz festgezogene Brezel aus was Wurstigem.

Ich finde diese Definition großartig, sie ist ist kurz, anschaulich und auf den Punkt. Besser geht das kaum, zumal mit Vorschulwissen.

Meine Tochter hat hier natürlich keine allgemeine Definition von Knoten geliefert (Ein Knoten ist laut Pfeifer eine Verknüpfung von Fäden, Stricken, Bändern), sondern sie hat mit ihrem Gummiband einen Überhandknoten gemacht und den dann definiert. Das Ding sah so aus (Szene nachgestellt):

Die selbständige Abstraktion vom spezifischen Knoten zum Oberbegriff ist in dem Alter vielleicht noch ein oder zwei Nummern zu groß, vor allem Den Rest des Beitrags lesen »


Antipoden: Die Wahrheit

Es ist noch nicht allzulange her, dass sich namhafte Gelehrte erhitzte Debatten darum lieferten, ob auf der anderen Seite der Erde überhaupt Menschen leben können. Die Antipoden würden ja, glaubte man, mit dem Kopf nach unten da herumlaufen müssen und würden natürlich in den Himmel fallen. Das musste so sein, weil wir hier ja nachweislich mit den Füßen nach unten und dem Kopf nach oben herumlaufen und immer in Richtung Erde fallen.

Mit zunehmendem Weltwissen llöste sich der strittige Punkt weitgehend in Wohlgefallen auf. Spätestens seit Abel Tasman Neuseeland und Tasmanien besuchte, konnte kaum mehr bestritten werden, dass die Gegenseite der Erde von ganz normalen Menschen bewohnt ist und die Schwerkraft auch dort in Richtung Erdmittelpunkt wirkt. Da gab es einfach nichts mehr zu diskutieren, und die Antipoden, wie man sie sich ausgemalt hatte, existierten einfach nicht, genau wie die auch mal für unverzichtbar gehaltene Nordwestpassage.

Das macht die Sache mit den Antipoden geheimisvoll, denn natürlich muss es welche geben, und wenn nicht in Australien Hals über Kopf, dann eben anderswo anderswie. Den Rest des Beitrags lesen »


Wortmalerei

zugbrückenfenster

Mit Kindern unterwegs zu sein ist immer wieder faszinierend. Man läuft jahrelang täglich durch dieselben langweiligen Straßen an denselben Grundstücken vorbei, und auf einmal bringt ein Kind, pling, einen Kommentar, der etwas Alltägliches, tausendmal Gesehenes in neues Licht rückt. Das Vordach auf dem Foto etwa: Den Rest des Beitrags lesen »


Wärmer

Meine Jüngste hatte sich Früchtetee gekocht bzw. kochen lassen und wollte das Gebräu jetzt trinken. Es war aber noch zu heiß. Darum fragte sie, ob ich ihr den Tee wärmer machen könne.

Ich musste stutzen, weil ich „wärmer machen“ eigentlich anders verstanden hätte. Warm ist definiert als „hat eine vergleichsweise hohe Temperatur“ oder „hat eine Temperatur, die einigermaßen deutlich über der Umgebungstemperatur liegt“ oder „hat eine bestimmte Menge Wärme“, und dann ist „wärmer machen“ zwangsläufig „mehr Wärme dazutun“, also die Temperatur erhöhen. Das heißt, wenn etwas zu heiß ist, macht man es natürlich nicht noch wärmer, sondern kühlt es ab.

Sie sieht warm dagegen als eine Station zwischen heiß und kalt, und wenn man etwas Heißes soweit abkühlt, dass es eben nicht mehr heiß ist sondern warm, hat man es nach ihrer Logik wärmer gemacht, also die Temperatur von heiß in Richtung warm geändert.

Man kann Den Rest des Beitrags lesen »


Näherungsweise

Im Streichelzoo. Ein Anderthalbjähriger streichelt eine Ziege und kommentiert eifrig: Tad-te, Tad-te.

Eine Dreijährige stellt mit ernster Miene richtig: Das ist keine Katze, das ist eine Ziege. (Wunderschön gelispelt übrigens.)

Der Anderthalbjährige schwenkt sofort um: Teed-te, Teed-te!

Und in ein paar Jahren hören wir vielleicht TED-Talks von den beiden. Manchmal ist es einfach toll, Kinder beim Entdecken der Welt zu beobachten!