Formeln, Komplexe, Technologien, Systeme

Körperpflege- und Kosmetikprodukte bevölkern eine ganz eigene Welt. Ihre Vermarktung ist eine besonders ergiebige Spielwiese für Wortschöpfer und Augenwischer. Was da so auf den Etiketten landet ist oft skurril.

Neulich ist mir aufgefallen, dass praktisch auf allen im Haushalt vorhandenen Gebinden mit irgendwelchen Formeln, Komplexen oder Systemen geprahlt wird, habe ich einen kurzen, völlig unsystematischen Streifzug durch zwei Drogeriemärkte gemacht und haufenweise Material geerntet. Bei sorgfältigerem Abgrasen der Regale hätte ich sicher noch ein paar interessante Funde gemacht, aber für den Anfang reicht es wohl auch so. (Außerdem wird man irgendwann schräg angeschaut, wenn man mit der Kamera durch die Gänge läuft und Produkte abfotografiert, darum habe ich die Aktion nicht allzusehr in die Länge ziehen wollen.)

Fangen wir mit Formeln an. Damit scheint übrigens nicht die nach bestimmten Regeln verdichtet dargestellte Information zur Zusammensetzung oder zum chemischen Aufbau bestimmter Inhaltsstoffe gemeint zu sein, sondern der betreffende Inhaltsstoff (oder die jeweilige, sagen wir, chemische Baugruppe) selbst. Jedenfalls kann man Den Rest des Beitrags lesen »

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Sonderlocke (2)

Irgendwer (oder -was) fällt immer aus dem Rahmen.


Ellenbogengesellschaft

Immer wieder gibt es Werbeanzeigen für Notebooks, Internetprovider, Immobilienportale o.ä., wo eine glückliche Benutzerin oder Kundin dem Publikum vormacht, wie toll das alles ist. Ein typisches Szenario: Junge Frau liegt auf dem Bauch, die Ellenbogen aufgestützt, das Notebook vor sich und strahlt den Bildschirm oder die Kamera an. Gerne wird das in einem leeren, sonnendurchfluteten Zimmer auf glänzendem Parkett arrangiert, manchmal auf einem Designersofa, gelegentlich auch auf einer Terrasse, auf dem Rasen oder am Strand.

Gibt es überhaupt jemanden, der in dieser Position tatsächlich mehr als fünf Minuten surft? E-Mails liest und beantwortet? Sich gar ganze Filme so anschaut? Kann ich mir kaum vorstellen, dazu ist es doch viel zu unbequem. Da tun mir jedenfalls in Nullkommanix die Ellenbogen und der Rücken weh, und ich kriege einen steifen Nacken. Könnte ich nicht.

Schon als Kind habe ich es selten mehr als ein paar Minuten so ausgehalten (schlimmer ist nur Schneidersitz). Und wenn man sich auf die Ellenbogen stützt, ist die Bewegungsfreiheit der Arme deutlich eingeschränkt, da dürfte es dann eher anstrengend sein, den Touchpad zu bedienen, vom Tippen auf einer normalgroßen QWERTZ-Tastatur mal ganz abgesehen. Außerdem Den Rest des Beitrags lesen »


Geprüft

spielhallentuev

Der Dachverband „Die Deutsche Automatenwirtschaft e.V.“ lässt die ihm angeschlossenen Spielhallen vom TÜV Rheinland prüfen. Die Spielhallen des Dachverbandes „Die Deutsche Automatenwirtschaft e.V.“ werden vom TÜV InterCert Saar geprüft.

Oder von beiden im Wechsel? Oder von beiden gleichzeitig – Quis custodiet ipsos custodes und so? Oder sind die beiden Organisationen identisch, hervorgegangen aus mehreren zusammengelegten TÜV-Einheiten, oder kürzlich umbenannt von der einen zur anderen Benennung? Oder man will Den Rest des Beitrags lesen »


Werbepause

Dass ich Werbung doof finde, ist hier schon mehrfach angeklungen. Ich finde Werbung doof. Also fast immer. Es gibt natürlich welche, die witzig, originell oder sonst irgendwie gut ist. Aber das ist die Ausnahme, gerade in Deutschland, wo Werbung für meine Begriffe überwiegend dämlich ist, alle nur vorstellbaren Klischees bedient, je abgelutschter desto penetranter, und in aller Regel eher einen Brechreiz als einen Haben-wollen-Reflex auslöst. Generell fühle ich mich durch Werbung belästigt.

Natürlich ist es legitim, auf Produkte aufmerksam zu machen, die Vorzüge des Produktes oder die Neuerungen öffentlichkeitswirksam darzustellen und die potenzielle Kundschaft zu umwerben. Es ist sogar legitim, Leute ungefragt anzusprechen, auch wenn ich das unangenehm finde. (Wer mich in der Fußgängerzone oder im Bahnhof anspricht, blitzt bei mir grundsätzlich ab, ganz unabhängig vom Anliegen. Ich kaufe nicht auf der Straße, was man mir hinhält. Ich suche mir lieber selbst aus, wann, wo, wie und was ich kaufe.) Ein gewisses Maß an Ungefragtheit lässt sich bei Werbung nicht vermeiden, da ja sogar die Frage, ob man sich vielleicht ein bisschen Werbung ansehen (oder an einer „Umfrage“ teilnehmen) mag, schon eine kleine Verletzung der Privatsphäre darstellt.

So weit so nervig. Was mich an Werbung aber grundsätzlich stört, ist ein systembedingter und meiner Meinung nach kaum heilbarer Mangel: Den Rest des Beitrags lesen »


Sichern

Gewinncode eingeben und viele tolle Prämien sichern

Solche Formulierungen finden sich auf jeder zweiten Lebensmittel- oder Spielzeugverpackung. Man muss nur den üblicherweise auf der Innenseite der Packung aufgedruckten Code auf der Webseite des Herstellers eingeben und kann ganz großartige Sachen kriegen, von denen man bis dato nicht wusste, dass man sie haben will oder überhaupt brauchen kann.

Bestimmt – spekuliere ich jetzt mal munter drauflos – muss man auch nur das Porto bezahlen oder sämtliche persönliche Daten angeben, und für die besten Sachen muss man bestimmt noch Den Rest des Beitrags lesen »


Hier könnte Ihr Plakat hängen

Es wird ja häufig die in Deutschland vorherschende Verbotskultur beklagt. Alles und jedes ist verboten. Und wenn nicht verboten, dann doch grotesk überreguliert. Man kann hier kaum atmen, heißt es dann, es sei spießig und eng, zumal die Durchsetzung der Verbote mit der angeblich typisch deutschen ruthless efficiency durchgezogen wird. Die Ordnungsämter, weiß man, kennen (fast) keinen Spaß.

Dabei gibt es auch Lücken, etwa dass auf Autobahnen zunächst keine Geschwindigkeitsbegrenzung herrscht. Man kann fahren, was die Kiste hergibt, wenn der Verkehr das erlaubt, was er angesichts des unaufhaltsam wachsenden Verkehrsaufkommens nur selten tut, aber das ist ein anderes Thema; und natürlich wenn nicht aus diesen oder jenen Gründen für ein paar Kilometer dann doch eine Geschwindigkeitsbegrenzung verhängt wurde, was immer häufiger geschieht, sodass die geschwindigkeitsunbeschränkten Autobahnabschnitte schrumpfen. Man darf dort also vom Grundsatz her rasen, wenn das auch längst nicht (mehr) überall tatsächlich möglich oder erlaubt ist.

Aber trotzdem, es gibt sie, diese riesige, weltberühmte Verbotslücke. (Angeblich sollen sogar Reiseveranstalter in China, den USA und anderswo Den Rest des Beitrags lesen »


Handarbeit und Tradition

Früher war alles besser. Früher wurde alles von Hand gemacht. Mit Liebe und Sorgfalt. Man hat noch einen Bezug zu den Dingen gehabt, ihnen noch ihren rechten Wert beigemessen. Kinder haben sich über Äpfel und Walnüsse zu Weihnachten gefreut und Großeltern konnten ihren Enkeln noch die Welt erklären (anders als heute, wo schon mancher Mittfünfziger seit Jahren nicht mehr hinterherkommt). Man ist noch nicht in seelenlosen Billigprodukten aus Fernost ersoffen.

Holzschuhtragende Blondinen fuhren noch den Käse mit dem Hollandfahrrad direkt an den Frühstückstisch, Onkel Werther hat seine Bonbons noch einzeln von Hand poliert (damals, als sie noch „Werthers Echte“ hießen, bevor sie wohl aus Marketinggründen zu „Werther’s Original“ mutierten). Damals wurden Kartoffelpuffer noch aus selbst ausgegrabenen und von Hand geriebenen Kartoffeln gemacht und Marmelade aus handverlesenen Erdbeeren. Soweit das Klischee.

Manche Sachen gehen von Hand wirklich einfach besser als per Maschine, gewinnen dadurch Charakter oder wenigstens ein gewisses Maß an Individualität. Maschinenmusik etwa klingt trotz aller zur Vermenschlichung eingesetzten technischen Raffinessen oft steril und kann – je nach Genre und Anspruch der Zuhörenden – mit auf echten Instrumenten handgemachter Musik in der Regel nicht mithalten.

Andere Sachen werden bei Fertigung von Hand wenn nicht besser, dann doch schöner. Mit Füllfederhalter Den Rest des Beitrags lesen »


Geld macht sexy

Kürzlich habe ich im Schaufenster eines Hotels die folgende Stellenanzeige gesehen:

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Dazu muss ich jetzt mal ein paar Anmerkungen loswerden: Geld macht in Wirklichkeit nicht sexy. Glücklich vielleicht, unter bestimmten Umständen, in gewissem Maß. Aber nicht sexy, die Idee ist nur eine Variante des Schönsaufens. Nur dass man hier nicht per Alkoholkonsum die eigene Wahrnehmung ändert und dann sogar Leute attraktiv findet, bei denen man sonst die Straßenseite oder gleich die Straße wechseln würde. Hier versucht man vielmehr, sich selbst durch Zurschaustellen der eigenen Finanzkraft in besseres Licht zu rücken, damit man von anderen Leute möglichst als attraktiv wahrgenommen wird.

Das ist natürlich Selbstbetrug – weder wird jemand Hässliches plötzlich hübsch, nur weil ich mir ordentlich was auf die Lampe gieße, noch Den Rest des Beitrags lesen »


Faschingsteilchen entdeckt

Wenn es mal wieder schnell gehen muss, kann man auf Kleinigkeiten wie oben und unten nicht achten. Hauptsache die Zettel hängen möglichst bald:

faschingsteilchen_entdeckt

Vielleicht war das aber auch ein kleiner subversiver Beitrag zur rosenmontäglichen Jeckerei, oder im Gegenteil, eine verkappte Kritik am Konsumterror zum Fasching. Ein Büttino gewissermaßen, das Elementarteilchen, aus dem Büttenreden gestrickt und die launigen Aufbauten für Faschingswagen gebaut werden.