Essigwolkenzauber

Könnte man sinnvoll testen, ob verdunstender Essig eine Auswirkung auf die Wolken hat? Mal ganz abgesehen davon, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass da was dran sein könnte.

Man könnte natürlich eine kleine Studie durchführen, in der man unter standardisierten Bedingungen Essig vor der Tür verdunsten lässt und beobachtet, was daraufhin mit den Wolken oben drüber passiert. Wir suchen uns passende kleine Teller. Wie groß die sein sollen, wissen wir nicht, und unser Essigfreund verrät es auch nicht. Egal, nehmen wir irgendwas, Untertassen. Wie viel Essig da rein soll, wissen wir auch nicht und unser Essigverdunster schweigt dazu ebenfalls. Nehmen wir ein Schapsglas als Portion, 20 cl. Wir kaufen eine ausreichende Menge irgendwelchen Essig.

Dann zu den Verdunstereien. Wir fangen mal mit einer Laufzeit von 30 Tagen an und machen vier Aufgüsse pro Tag: um 9, um 12, um 15 und um 18 Uhr, um tageszeitliche Verzerrungen auszuschließen. (Wer ganz eifrig ist, kann auch noch Den Rest des Beitrags lesen »

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Skizze einer Neuen Medizin™

Jetzt ist der March for Science vorbei, da können wir diesen lästigen Wissenschaftskram beiseitelegen und wieder zum Alltag übergehen. Anders gesagt: Die Diät ist vorbei, räumt den Heimtrainer schnell wieder in den Keller, packt Schokolade, Chips und Bier aus!

Also, es gibt so viele Heilmethoden, die als Komplementärmedizin oder Alternative Medizin laufen, und so viele davon sind haarsträubend absurd. Und die meisten dieser Methoden passen nicht mit den meisten anderen Methoden zusammen oder schließen sich sogar gegenseitig aus. Will heißen: Wenn Methode A funktioniert und die vorgebrachte theoretische Grundannahme stimmt, kann Methode B nicht auch funktionieren und korrekt sein. Das gilt etwa für Bachblüten, Schüßlersalze und Homöopathie.

Trotzdem gibt es haufenweise Leute, die sich nicht auf eine der genannten Methoden beschränken, sondern mehrere praktizieren oder wenigstens als sinnvolle Behandlungsmethoden akzeptieren. Die drei oben genannten Methoden etwa gehören zum Standardrepertoire der Heilpraktikerei, viele Heilpraktikerschulen bieten alle drei an. Apotheken verkaufen nebeneinanderher homöopathische Zubereitungen, Schüßler-Salze, Bachblütentropfen, spagyrischen und anderen Firlefanz. Das ist, als ob man gleichzeitig behauptet, die Erde sei eine Scheibe, sie sei eine Kugel, die um die Sonne rotiert und sie sei ein Hohlkörper, auf dessen Innenseite wir herumlaufen und uns Sonne, Mond und Sterne zusammenhalluzinieren. Mit solchen Phantastereien ist nicht zu spaßen.

Da diese Widersprüchlichkeiten aber im echten Leben offenbar nicht weiter stören und man sich augenscheinlich bestens einreden kann, dass alle diese „Medizinen“ gleichzeitig funktionieren und korrekt sind, kann eine weitere solche „Medizin“ nicht schaden. Ich will auch sowas. Vielleicht werde ich Den Rest des Beitrags lesen »


Verkannt

Der Mülleimer für Recyclingmüll in der Küche ist ein bisschen voll. Also, ziemlich voll. Der Deckel geht nicht mehr zu und es fängt an, dass bei Durchzug einzelne Teile dort ins Rutschen kommen und abstürzen. Da die Versorgung der Mülleimer meine Aufgabe ist, wird die, sagen wir’s freundlich, Bitte an mich herangetragen, da doch vielleicht mal was zu unternehmen.

Meine Erklärung, der Müll sei gar nicht zu voll, das sei vielmehr Absicht, ich wartete nämlich darauf, dass der Müllberg auf dem Eimer durch sein Gewicht den Müll im Eimer zu einem sauberen, soliden Block komprimieren würde, den in die Mülltonne zu tragen dann wesentlich lohnenswerter wäre als so eine lose mit fast nur Luft gefüllte Mülltüte. Diese Erklärung also verfängt nicht recht.

Dann fange ich an, mein Fernziel in Sachen Müllentsorgung zu beschreiben: Wenn da genug Müll angehauft sei, müsste ein winziges Schwarzes Loch Den Rest des Beitrags lesen »


Forschung für den Alltag

Wissenschaftlern um Paul Kry von der McGill University in Montreal, lese ich eben, haben anscheinend eine Drohne gebaut, die Grafitti an Wände malt. Bisher tupft das Ding noch Punkte mit einem Schwamm an die Wand. Das ist nicht die gewohnte Sprüherei, aber erstens ist eine Sprühdrohne sicher grundsätzlich auch denkbar – ein bisschen Forschung, ein bisschen geniales Dilettantentum, dann geht das schon. Und zweitens muss man ja auch nicht immer sprühen.

Es gibt einiges an Grafitti in Edding, und warum sollte nicht auch jemand anfangen, Grafitti zu tupfen? Alles, was grau-langweilig-brutalistisch-apokalyptische Autobahnbrücken und Betonwände ein wenig bunter und weniger deprimierend aussehen lässt, kann ja eigentlich nur gut sein, oder?

Bleibt nur zu hoffen, dass jetzt nicht unzählige Drohnen ausschwärmen und alle verfügbaren Oberflächen mit Che Guevara (wirklich, Herr Kry, war das wirklich nötig?), der Banane oder sonstwelchen Standards vollklecksen. Stattdessen könnten ernstzunehmende Künstler Den Rest des Beitrags lesen »


Doktorenkegeln

Im Februar 2011 fing es an. Jemand entdeckte plagiierte Stellen in der Doktorarbeit von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Ein Heer von Freiwilligen durchforstete daraufhin die Dissertation nach Abgekupfertem und trug die Funde auf dem eigens gegründeten GuttenPlag Wiki zusammen. Der Freiherr hatte sich seine Doktorarbeit großenteils zusammenkopiert und die Tatsache offensichtlich mit einigem Geschick verschleiert. In der Folge wurde ihm der Doktortitel aberkannt, und der Minister trat zurück.

Nun hatten die Plagiatsjäger Blut gerochen und Den Rest des Beitrags lesen »


Sonnensystem 2.0

Beim Gutenachtsagen denken meine ältere Tochter und ich uns gelegentlich Quatschgeschichten aus. Oder eher, ich denke sie mir aus und wir spinnen sie dann zusammen weiter.

Neulich habe ich ihr erklärt, wie es kommt, dass die Erde um die Sonne kreist. Früher war die Erde ja bekanntlich eine Scheibe und stellte den Mittelpunkt der Welt dar. Ziemlich dick war sie, es ist jedenfalls nicht bekannt, dass sich jemals jemand bis ganz unten durchgegraben hätte und dann in den Weltenraum gefallen wäre. Oben drüber lag wie eine umgedrehte Schüssel das Firmament, dunkel angestrichen. Sonne, Mond und Sterne waren Laternen oder so. Vermutlich – das ist nicht mehr mit Sicherheit feststellbar – hingen sie an Schienen oder gespannten Drähten unter dem Firmament und wurden von Bühnenarbeitern nach genau ausgeklügelten Plänen von Ost nach West über das Firmament gezogen. Die Theorie, dass es sich stattdessen um von außen beleuchtete Löcher im Firmament gehandelt haben könnte, darf als Ammenmärchen abgetan werden.

Das ganze war ein Provisorium, schnell zusammengeschustert und nicht Den Rest des Beitrags lesen »