Lücken

Ich finde es irritierend, wenn ich Wörter nicht kenne. Nicht irgendwelche ausgefallenen Sonderlocken, sondern eher normale Wörter, Alltagskram. Klar kann man nicht alle Wörter einer Sprache kennen, nicht einmal der eigenen Muttersprache, sogar abseits von Fachsprachlichem. Aber trotzdem, es wurmt.

Hier das, ahem, Tagebuch einer lexikalischen Irritation, mit nützlichen Anmerkungen versehen:

Gestern: Vorhin habe ich mir den Finger an dem Ding verletzt, das Türen zuhält. Aber wie heißt das? Die Klinke ist es nicht, das ist ja der Griff, mit dem man die Tür öffnet oder schließt. Es ist dieser an einer Seite angeschrägte Riegel, der die Tür zuhält und der im Türblatt verschwindet, wenn man die Klinke herunterdrückt oder die Tür zufallen lässt. Wie heißt das blöde Ding? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich es eigentlich weiß und nur grad nicht auf das Wort komme, oder ob ich das Wort jemals gewusst habe.

Morgen werde ich Den Rest des Beitrags lesen »

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Wörter (2)

Es hat sich wieder was angesammelt.

Wörter, die ich auch nicht mag:

Umtrunk (das Wort, nicht die Veranstaltung, die kann alles zwischen unerträglich und recht nett sein)

Knolle (wenn das Wort in journalistischen Texten als Synonym für Kartoffel verwendet wird, noch schlimmer und eigentlich unsäglich ist tolle Knolle oder so. Noch schlimmer finde ich es nur, ergänzt meine Frau, wenn sie -ideen oder, noch viel schlimmer, & co. an was dranhängen. Kartoffel & co – pfiffige Rezeptideen für die tolle Knolle. Das ist mein Cleaning Woman!, da werde ich zum Hulk.)

Nuff said (den Ausdruck, nicht das damit Ausgedrückte, wenn man nämlich meint, das bisher Gesagte reicht aus bzw. spricht für sich und muss Den Rest des Beitrags lesen »


Wortfund

Neulich ist mir das Wort Fressriefe begegnet. Obwohl ich gern und nicht nur beruflich viel in Wörterbüchern blättere und lese, hatte ich das Wort ich noch nie gesehen oder gehört, aber es klingt faszinierend. Könnte das Maul eines mythischen Steinwesens von der Scheibenwelt oder auch eines Ungeheuers aus der Tiefsee sein, oder sonst etwas halb geheimnisvolles, halb gruseliges.

Die Wirklichkeit ist natürlich mal wieder trockener – die Textbeispiele bei Linguee deuten an, dass es sich um einen Begriff aus der Motortechnik handelt, der Abriebschäden an beweglichen Teilen bezeichnet. Genauer findet man es hier beschrieben. Diese Erscheinungen könnten nun allerdings schöne Motive zum Fotografieren bieten, aber dazu braucht man natürlich Zugriff auf entsprechend verschlissene Motorteile.

Fressriefe ist jetzt nicht unbedingt sofort zum Lieblingswort geworden, aber mir gefällt es schon irgendwie. Ich freue mich, dass die deutsche Sprache dieses Wort hat.

 


Lieblingswörter

Es gibt Wörter, die ich nicht mag, über die ich mich ärgere und die ich nach Möglichkeit vermeide. Und es gibt Wörter, die ich gern mag. Das heißt nicht, dass ich die unbedingt häufig verwende, aber ich freue mich, wenn sie mir hin und wieder begegnen.

Eines davon ist umständehalber. Das findet man wohl fast nur in Kleinanzeigen – xy umständehalber abzugeben. Das dahinterstehende Konzept hat ein bisschen was von Amtsstube, Ärmelschoner und und Kehrwoche. Man könnte Den Rest des Beitrags lesen »


Dööfnis

Dööfnis – das Wort gibt es noch nicht, bzw. bisher nur bei uns in der Familie. Ausgedacht hat es sich meine Frau zur Beschreibung von etwas, das v.a. mich und meine älteste Tochter häufig heimsucht. Wenn etwa der Tee nicht heiß genug ist (ich); die Schuhe beim Gehen auf dem glatten Steinfußboden knatschen (Tochter); die Bedienungsanleitung missverständlich formuliert ist (ich); irgendwas wackelt, was nicht wackeln sollte (ich).

Das Wort mag neu sein, das zugrundeliegende Konzept ist aber in Deutschland weit verbreitet, es ist meiner Meinung nach ein wesentlicher Baustein des deutschen Nationalgefühls.

Deutsche sind, im Grunde genommen, Handwerker. Nicht Händler, nicht Unternehmer, nicht Söldner, nicht Bauern, auch nicht Künstler, sondern Handwerker. Unsaubere, fehlerhafte Arbeit tut weh, macht bekümmert. Ich habe mal einen Bericht gelesen, wo Sowjetbürger von der hervorragenden Arbeit deutscher Kriegsgefangener schwärmten. Die würden Den Rest des Beitrags lesen »


Frisuren versiegeln

Beim Einkaufen mitgehört: Eine frische Erstklässlerin erzählt einer Tante oder einer Freundin der Familie, dass sie zum Zahnarzt musste. Der hat dann sowas gemacht, da weiß sie nicht so genau, was. So Zeug auf die Zähne gepinselt irgendwie.

Die Bekannte: Ah, Fissuren versiegeln.

Das Mädchen: Ja, Frisuren versiegeln. Aber du warst doch mal Zahnarzt, darf ich jetzt was essen?

Die Bekannte: Nö, nicht Zahnärztin. Ich war Zahnarzthelferin, sonst tät ich jetzt hier nicht im Laden stehen. Aber eine Stunde lang solltest Du noch warten mit dem Essen.


Schnurpsig

Neulich im Supermarkt. Vater und (vielleicht sechsjähriger) Sohn in der Gemüseabteilung:

Papa, was sind festkochende Kartoffeln?

Die sind dann so schnurpsig, wenn sie gekocht sind, wie Kartoffelsalat oder so. Wir nehmen aber stattdessen „vorwiegend festkochende“, die sind dann nicht ganz so schnurpsig.

Ich bin einigermaßen ratlos. Das Wort habe ich noch nie gehört. Eine kurze Recherche fördert schnurbsig/schnurpsig zutage, das soll in Ost-Mitteldeutschland gebräuchlich sein und lautmalerisch für knackig oder krachend stehen. Das macht aber im Zusammenhang mit gekochten Kartoffeln keinen Sinn. Von Kartoffelchips war ja nicht die Rede, von Rohessen auch nicht. Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter

Vor Jahren hatte ich aus einem längst vergessenen Anlass angefangen, eine Liste mit Wörtern zusammenzustellen, die ich nicht mag. Und dazu eine mit Wörtern, die ich mag. Seitdem haben diese unvollendeten Listen halbvergessen auf meiner Festplatte gelegen und elektronischen Speicherstaub gesammelt, bis Onkel Michael Ende vergangenen Jahres seinen genau gleich überschriebenen Artikel über genau solche Wörter gebracht hat.

Ich nehme das zum Anlass, meine beiden (jetzt noch schnell Den Rest des Beitrags lesen »


Der Berg ruft!

Das seit althochdeutscher Zeit praktisch unveränderte deutsche Wort Berg wird auf das rekonstruierte indoeuropäische *bherg̑hos Berg, Höhe zurückgeführt, von dem sich vermutlich auch das altslawische brěgъ ‘Ufer, Hügel, Abhang’ ableitet. Das davon abstammende russische béreg (берег) ‘Ufer’ hat mit dem deutschen Berg die Eigenschaft gemein, ein erhöhter Platz zu sein – der Berg aus der Ebene gesehen, das Ufer vom Wasser aus gesehen.

Betten sind zumindest im europäischen Kulturkreis auch erhöhte Plätze, vom Fußboden aus gesehen, und es wäre vielleicht denkbar gewesen, dass sich die Bedeutung des indoeuropäischen *bherg̑hos im deutschen Sprachraum in Richtung Bett entwickelt hätte – wer weiß schon, warum Den Rest des Beitrags lesen »


Ausgeschlossen

Vor dem Kindergarten steht ein Fahrrad mit Kinderanhänger. In dem Anhänger sitzt angeschnallt ein kleiner Junge, wohl drei Jahre alt. Der Vater schließt vorn das Fahrrad an und sagt seinem Sohn, er möge doch schonmal aussteigen. Der Junge, nach einem Blick auf den Anschnallgurt und einer kurzen Denkpause: Aber du hast mich doch noch gar nicht… ausgeschlossen!