Schnurpsig

Neulich im Supermarkt. Vater und (vielleicht sechsjähriger) Sohn in der Gemüseabteilung:

Papa, was sind festkochende Kartoffeln?

Die sind dann so schnurpsig, wenn sie gekocht sind, wie Kartoffelsalat oder so. Wir nehmen aber stattdessen „vorwiegend festkochende“, die sind dann nicht ganz so schnurpsig.

Ich bin einigermaßen ratlos. Das Wort habe ich noch nie gehört. Eine kurze Recherche fördert schnurbsig/schnurpsig zutage, das soll in Ost-Mitteldeutschland gebräuchlich sein und lautmalerisch für knackig oder krachend stehen. Das macht aber im Zusammenhang mit gekochten Kartoffeln keinen Sinn. Von Kartoffelchips war ja nicht die Rede, von Rohessen auch nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

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Wörter

Vor Jahren hatte ich aus einem längst vergessenen Anlass angefangen, eine Liste mit Wörtern zusammenzustellen, die ich nicht mag. Und dazu eine mit Wörtern, die ich mag. Seitdem haben diese unvollendeten Listen halbvergessen auf meiner Festplatte gelegen und elektronischen Speicherstaub gesammelt, bis Onkel Michael Ende vergangenen Jahres seinen genau gleich überschriebenen Artikel über genau solche Wörter gebracht hat.

Ich nehme das zum Anlass, meine beiden (jetzt noch schnell Den Rest des Beitrags lesen »


Der Berg ruft!

Das seit althochdeutscher Zeit praktisch unveränderte deutsche Wort Berg wird auf das rekonstruierte indoeuropäische *bherg̑hos Berg, Höhe zurückgeführt, von dem sich vermutlich auch das altslawische brěgъ ‘Ufer, Hügel, Abhang’ ableitet. Das davon abstammende russische béreg (берег) ‘Ufer’ hat mit dem deutschen Berg die Eigenschaft gemein, ein erhöhter Platz zu sein – der Berg aus der Ebene gesehen, das Ufer vom Wasser aus gesehen.

Betten sind zumindest im europäischen Kulturkreis auch erhöhte Plätze, vom Fußboden aus gesehen, und es wäre vielleicht denkbar gewesen, dass sich die Bedeutung des indoeuropäischen *bherg̑hos im deutschen Sprachraum in Richtung Bett entwickelt hätte – wer weiß schon, warum Den Rest des Beitrags lesen »


Ausgeschlossen

Vor dem Kindergarten steht ein Fahrrad mit Kinderanhänger. In dem Anhänger sitzt angeschnallt ein kleiner Junge, wohl drei Jahre alt. Der Vater schließt vorn das Fahrrad an und sagt seinem Sohn, er möge doch schonmal aussteigen. Der Junge, nach einem Blick auf den Anschnallgurt und einer kurzen Denkpause: Aber du hast mich doch noch gar nicht… ausgeschlossen!


Spielstopp

Es gibt Spiele und Ausdrücke, die mehr oder weniger weit im deutschen Sprachraum verbreitet sind und die von Kindern an den verschiedensten Orten gespielt bzw. gebraucht werden. Gebraucht von Kindern, die sich gegenseitig nicht kennen, keinen Kontakt miteinander haben und bei denen man auch nicht ohne weiteres gemeinsame Bekannte voraussetzen kann, von denen sie die Wörter oder die Spielregeln kennen könnten. Ein überlieferungstechnisches Rätsel, über das ich im Zusammenhang mit Abzählreimen schonmal nachgedacht hatte.

Ein Ding, das mir heute wieder begegnet ist, ist Spielstopp. Das sagen Kinder, wenn sie Den Rest des Beitrags lesen »


Lexikalische Ohrwürmer

Modewörter gibt es immer und überall. Manche sind bundesweit oder vielleicht sogar über den ganzen deutschen Sprachraum verbreitet, andere regional oder in bestimmten Subkulturen. Sogar in kleinen Gruppen – WGs, Freundeskreisen, Schulklassen, Schiffsbesatzungen u.ä. – gibt es Modewörter.

Die sind oft anfangs witzig, aber früher oder später mutieren sie zu nervensägenden Monstern, zum lexikalischen Äquivalent von Ohrwürmern. Manche ähneln den jährlich geradezu zwanghaft gepushten Sommerhits, die ist man nach einer Saison meistens wieder los. Andere werden aber zu Evergreens, die über Jahre – was sage ich, über Generationen – den Äther vollmüllen.

Manchmal kommen sie ganz plötzlich, manchmal wachsen sie langsam in den Modewortstatus hinein. Sind sie erst einmal etabliert, wird man sie so schnell nicht wieder los. Je nach Umfeld muss man Den Rest des Beitrags lesen »


Ermäßigungstatbestände

An der Kasse des Historischen Museums der Pfalz in Speyer hängt eine Preisliste aus. Darauf werden auch die verschiedenen denkbaren Ermäßigungen aufgeführt, die der eine oder andere in Anspruch nehmen kann. Am Ende der Liste steht der folgende Hinweis:

Das Zusammenlegen mehrerer Ermäßigungstatbestände ist nicht möglich.

Zuerst fand ich die Formulierung vor allem kurios und viel zu behördensprachlich. Das klingt nach Zentraler Dienstvorschrift, nicht nach Kundendialog. Dann wollte ich mich über die Tatbestände mokieren, wo es doch eigentlich um Sachverhalte geht. Das sagt mir jedenfalls mein professionell geschultes Sprachgefühl. Dem zu trauen ist aber gefährlich, sogar Leute wie ich liegen gelegentlich daneben (bescheiden selbstgefälliges Hüsteln). Also Den Rest des Beitrags lesen »


Gegenteile

Es gibt ja eine ganze Menge Wörter, die per Vorsilbe in ihr Gegenteil verwandelt werden, zum Beispiel SinnUnsinn, spektakulärunspektakulär. Andere Wörter werden per Nachsilbe vergegenteilt: beispielhaftbeispiellos. Seltener wird zur Bildung eines Gegenteils auch eine Nachsilbe per Vorsilbe umgedreht: alltagstauglichalltagsuntauglich, aber das ist eher selten.

Manchmal haben sich die gegenteiligen Wörter auseinanderentwickelt und mindestens eines davon hat sich soweit verändert, dass man es nicht mehr als zugehörig erkennt. Das wirsch von unwirsch existiert zwar noch, heißt heute aber würdig und wird ohne etymologisches Wörterbuch nicht mehr als Ursprung von unwirsch erkannt. Weder die Aussprache noch die Bedeutung geben dem Uneingeweihten Anlass, einen Zusammenhang zwischen würdig und unwirsch zu sehen, und ich weiß es auch nur, weil ich es nachgeschlagen habe.

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Notfall

Neulich hat Susanne Flach im Sprachlog einen Artikel im Guardian verlinkt, in dem es um die Aussprache englischer Wörter geht. Genauer: Um Aussprachefehler, die sich eingebürgert haben und jetzt als korrekt gelten, und die sich teilweise auch in der Schreibweise niedergeschlagen haben, wie etwa ask statt des eigentlich richtigen alten aks.

In dem Artikel kam nucular für nuclear vor, das fand ich irgendwie witzig. Nicht, dass nucular an einen Wortstamm erinnert, der gängiger oder verständlicher als das lateinische nucleus ist, von dem sich nuclear ableitet, aber das ist auch egal. Es klingt nett und ist geringfügig leichter auszusprechen. Ansonsten hat man öfters versucht, unverständliche Wörter mit einheimischem Vokabular zu deuten: Den Rest des Beitrags lesen »


Unvorbeigehbar

Neulich bin ich an einem Laden vorbeigekommen, der im Schaufenster mit folgendem Satz wirbt:

Das ist „unvorbeigehbar!“

Der Laden ist an der Stelle neu und heißt Fashion Outlet. Das ist branchenüblichs neudeutsch-denglisches Werbesprech, da wird so mancher Sprachnörgler sofort bis an die rote Linie hochdrehen und Den Rest des Beitrags lesen »