Wesentliche Vermeidungseffekte

Vor einer Weile hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat sich öffentlich für ein allgemeines Tempolimit von 130km/h auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Damit würde die gegenwärtige Praxis ins Gegenteil verkehrt: Statt dass wie bisher Geschwindigkeitsbegrenzungen auf einzelnen Autobahnabschnitten konkret gerichtsfest begründet werden müssen, müssten nach dieser Empfehlung örtlich begrenzte Ausnahmen vom Tempolimit Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter, die drölfzigste

Nach Jahr und Tag nun wieder ein paar sortierte Wörter, die gefühlt drölfzigste, tatsächlich erst vierte Folge.

Wörter die ich nicht ausstehen kann:

Pubertier für pubertierende Heranwachsende. Das mag witzig klingen und ist als launische Verbalisierung des pubertätsbedingten Leidensdrucks in der Eltern-Kind-Beziehung auch durchaus verständlich. Aber trotzdem, meine Kinder sind keine Tiere, und ich mag sie nicht so nennen, auch nicht zum Spaß und schon gar nicht in angespannten Zeiten.

vermögen für können: Er hat dies oder das zu tun vermocht o.ä. Das ist so eine Marotte in journalistischen Texten, ähnlich wie das allgegenwärtige & Co., wenn jemand die Möglichkeit andeuten möchte, dass die davor erfolgte Aufzählung womöglich nicht ganz vollständig sein könnte, v.a. wenn der Text in dem beliebten locker-flockig-humorigen Tonfall gehalten ist, der Feierabendtauglichkeit und Nahbarkeit signalisiert.

Aber zurück zu vermögen – ich weiß gar nicht, wo man Den Rest des Beitrags lesen »


How to…

Manche Geräte haben eine Gebrauchsanweisung, andere eine Bedienungsanleitung. Dann gibt es weit weniger häufig Gebrauchsanleitungen, und ziemlich selten auch Bedienungsanweisungen. Im großen und ganzen dürften alle diese Vokabeln austauschbar sein, sie werden jedenfalls meistens synonym verwendet.

Dabei könnte man schon überlegen, ob das eigentlich so gehört. Die Bedienung eines Geräts könnte etwas anderes sein als der Gebrauch. Nehmen wir den Rasenmäher. Zur Bedienung gehören die Antworten auf Fragen wie:

  • Welchen Kraftstoff fülle ich wo ein?
  • Wie starte ich das Gerät?
  • Wie ändere ich die Drehzahl?
  • Wie schärfe ich das Rotiermesser?
  • Wie verstelle ich die Griffhöhe?
  • Wie sorge ich für möglichst sonoren, kernigen, weittragenden Klang?

Das kann ich auch alles sehr schön im Keller machen oder Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter (3)

Kuriose Wörter (für, natürlich, durchaus vernünftige Dinge), zufällig gefunden:

Schlagschott
Schwallblech

Wörter, die ich einfach mag:

bewerkstelligen
verabfolgen

Was bisher als falsch galt:

das Klientel (auch wenn ich das letztesmal schon angeführt hatte, hier dient es als elegante Überleitung, deshalb bitte ich, die Wiederholung zu entschuldigen.)

Das wird in letzter Zeit immer häufiger, auch in Qualitätsblättern wie der Zeit. Für mich fühlt sich das eindeutig falsch an; eigentlich hieß es immer und laut Duden bis heute und nur die Klientel.

Zu meinem Unbehagen wegen dem falschen Genus von Klientel möchte ich allerdings noch Den Rest des Beitrags lesen »


Lücken

Ich finde es irritierend, wenn ich Wörter nicht kenne. Nicht irgendwelche ausgefallenen Sonderlocken, sondern eher normale Wörter, Alltagskram. Klar kann man nicht alle Wörter einer Sprache kennen, nicht einmal der eigenen Muttersprache, sogar abseits von Fachsprachlichem. Aber trotzdem, es wurmt.

Hier das, ahem, Tagebuch einer lexikalischen Irritation, mit nützlichen Anmerkungen versehen:

Gestern: Vorhin habe ich mir den Finger an dem Ding verletzt, das Türen zuhält. Aber wie heißt das? Die Klinke ist es nicht, das ist ja der Griff, mit dem man die Tür öffnet oder schließt. Es ist dieser an einer Seite angeschrägte Riegel, der die Tür zuhält und der im Türblatt verschwindet, wenn man die Klinke herunterdrückt oder die Tür zufallen lässt. Wie heißt das blöde Ding? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich es eigentlich weiß und nur grad nicht auf das Wort komme, oder ob ich das Wort jemals gewusst habe.

Morgen werde ich Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter (2)

Es hat sich wieder was angesammelt.

Wörter, die ich auch nicht mag:

Umtrunk (das Wort, nicht die Veranstaltung, die kann alles zwischen unerträglich und recht nett sein)

Knolle (wenn das Wort in journalistischen Texten als Synonym für Kartoffel verwendet wird, noch schlimmer und eigentlich unsäglich ist tolle Knolle oder so. Noch schlimmer finde ich es nur, ergänzt meine Frau, wenn sie -ideen oder, noch viel schlimmer, & co. an was dranhängen. Kartoffel & co – pfiffige Rezeptideen für die tolle Knolle. Das ist mein Cleaning Woman!, da werde ich zum Hulk.)

Nuff said (den Ausdruck, nicht das damit Ausgedrückte, wenn man nämlich meint, das bisher Gesagte reicht aus bzw. spricht für sich und muss Den Rest des Beitrags lesen »


Wortfund

Neulich ist mir das Wort Fressriefe begegnet. Obwohl ich gern und nicht nur beruflich viel in Wörterbüchern blättere und lese, hatte ich das Wort ich noch nie gesehen oder gehört, aber es klingt faszinierend. Könnte das Maul eines mythischen Steinwesens von der Scheibenwelt oder auch eines Ungeheuers aus der Tiefsee sein, oder sonst etwas halb geheimnisvolles, halb gruseliges.

Die Wirklichkeit ist natürlich mal wieder trockener – die Textbeispiele bei Linguee deuten an, dass es sich um einen Begriff aus der Motortechnik handelt, der Abriebschäden an beweglichen Teilen bezeichnet. Genauer findet man es hier beschrieben. Diese Erscheinungen könnten nun allerdings schöne Motive zum Fotografieren bieten, aber dazu braucht man natürlich Zugriff auf entsprechend verschlissene Motorteile.

Fressriefe ist jetzt nicht unbedingt sofort zum Lieblingswort geworden, aber mir gefällt es schon irgendwie. Ich freue mich, dass die deutsche Sprache dieses Wort hat.

 


Lieblingswörter

Es gibt Wörter, die ich nicht mag, über die ich mich ärgere und die ich nach Möglichkeit vermeide. Und es gibt Wörter, die ich gern mag. Das heißt nicht, dass ich die unbedingt häufig verwende, aber ich freue mich, wenn sie mir hin und wieder begegnen.

Eines davon ist umständehalber. Das findet man wohl fast nur in Kleinanzeigen – xy umständehalber abzugeben. Das dahinterstehende Konzept hat ein bisschen was von Amtsstube, Ärmelschoner und und Kehrwoche. Man könnte Den Rest des Beitrags lesen »


Dööfnis

Dööfnis – das Wort gibt es noch nicht, bzw. bisher nur bei uns in der Familie. Ausgedacht hat es sich meine Frau zur Beschreibung von etwas, das v.a. mich und meine älteste Tochter häufig heimsucht. Wenn etwa der Tee nicht heiß genug ist (ich); die Schuhe beim Gehen auf dem glatten Steinfußboden knatschen (Tochter); die Bedienungsanleitung missverständlich formuliert ist (ich); irgendwas wackelt, was nicht wackeln sollte (ich).

Das Wort mag neu sein, das zugrundeliegende Konzept ist aber in Deutschland weit verbreitet, es ist meiner Meinung nach ein wesentlicher Baustein des deutschen Nationalgefühls.

Deutsche sind, im Grunde genommen, Handwerker. Nicht Händler, nicht Unternehmer, nicht Söldner, nicht Bauern, auch nicht Künstler, sondern Handwerker. Unsaubere, fehlerhafte Arbeit tut weh, macht bekümmert. Ich habe mal einen Bericht gelesen, wo Sowjetbürger von der hervorragenden Arbeit deutscher Kriegsgefangener schwärmten. Die würden Den Rest des Beitrags lesen »


Frisuren versiegeln

Beim Einkaufen mitgehört: Eine frische Erstklässlerin erzählt einer Tante oder einer Freundin der Familie, dass sie zum Zahnarzt musste. Der hat dann sowas gemacht, da weiß sie nicht so genau, was. So Zeug auf die Zähne gepinselt irgendwie.

Die Bekannte: Ah, Fissuren versiegeln.

Das Mädchen: Ja, Frisuren versiegeln. Aber du warst doch mal Zahnarzt, darf ich jetzt was essen?

Die Bekannte: Nö, nicht Zahnärztin. Ich war Zahnarzthelferin, sonst tät ich jetzt hier nicht im Laden stehen. Aber eine Stunde lang solltest Du noch warten mit dem Essen.