Dööfnis

Dööfnis – das Wort gibt es noch nicht, bzw. bisher nur bei uns in der Familie. Ausgedacht hat es sich meine Frau zur Beschreibung von etwas, das v.a. mich und meine älteste Tochter häufig heimsucht. Wenn etwa der Tee nicht heiß genug ist (ich); die Schuhe beim Gehen auf dem glatten Steinfußboden knatschen (Tochter); die Bedienungsanleitung missverständlich formuliert ist (ich); irgendwas wackelt, was nicht wackeln sollte (ich).

Das Wort mag neu sein, das zugrundeliegende Konzept ist aber in Deutschland weit verbreitet, es ist meiner Meinung nach ein wesentlicher Baustein des deutschen Nationalgefühls.

Deutsche sind, im Grunde genommen, Handwerker. Nicht Händler, nicht Unternehmer, nicht Söldner, nicht Bauern, auch nicht Künstler, sondern Handwerker. Unsaubere, fehlerhafte Arbeit tut weh, macht bekümmert. Ich habe mal einen Bericht gelesen, wo Sowjetbürger von der hervorragenden Arbeit deutscher Kriegsgefangener schwärmten. Die würden Den Rest des Beitrags lesen »

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Frisuren versiegeln

Beim Einkaufen mitgehört: Eine frische Erstklässlerin erzählt einer Tante oder einer Freundin der Familie, dass sie zum Zahnarzt musste. Der hat dann sowas gemacht, da weiß sie nicht so genau, was. So Zeug auf die Zähne gepinselt irgendwie.

Die Bekannte: Ah, Fissuren versiegeln.

Das Mädchen: Ja, Frisuren versiegeln. Aber du warst doch mal Zahnarzt, darf ich jetzt was essen?

Die Bekannte: Nö, nicht Zahnärztin. Ich war Zahnarzthelferin, sonst tät ich jetzt hier nicht im Laden stehen. Aber eine Stunde lang solltest Du noch warten mit dem Essen.


Schnurpsig

Neulich im Supermarkt. Vater und (vielleicht sechsjähriger) Sohn in der Gemüseabteilung:

Papa, was sind festkochende Kartoffeln?

Die sind dann so schnurpsig, wenn sie gekocht sind, wie Kartoffelsalat oder so. Wir nehmen aber stattdessen „vorwiegend festkochende“, die sind dann nicht ganz so schnurpsig.

Ich bin einigermaßen ratlos. Das Wort habe ich noch nie gehört. Eine kurze Recherche fördert schnurbsig/schnurpsig zutage, das soll in Ost-Mitteldeutschland gebräuchlich sein und lautmalerisch für knackig oder krachend stehen. Das macht aber im Zusammenhang mit gekochten Kartoffeln keinen Sinn. Von Kartoffelchips war ja nicht die Rede, von Rohessen auch nicht. Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter

Vor Jahren hatte ich aus einem längst vergessenen Anlass angefangen, eine Liste mit Wörtern zusammenzustellen, die ich nicht mag. Und dazu eine mit Wörtern, die ich mag. Seitdem haben diese unvollendeten Listen halbvergessen auf meiner Festplatte gelegen und elektronischen Speicherstaub gesammelt, bis Onkel Michael Ende vergangenen Jahres seinen genau gleich überschriebenen Artikel über genau solche Wörter gebracht hat.

Ich nehme das zum Anlass, meine beiden (jetzt noch schnell Den Rest des Beitrags lesen »


Der Berg ruft!

Das seit althochdeutscher Zeit praktisch unveränderte deutsche Wort Berg wird auf das rekonstruierte indoeuropäische *bherg̑hos Berg, Höhe zurückgeführt, von dem sich vermutlich auch das altslawische brěgъ ‘Ufer, Hügel, Abhang’ ableitet. Das davon abstammende russische béreg (берег) ‘Ufer’ hat mit dem deutschen Berg die Eigenschaft gemein, ein erhöhter Platz zu sein – der Berg aus der Ebene gesehen, das Ufer vom Wasser aus gesehen.

Betten sind zumindest im europäischen Kulturkreis auch erhöhte Plätze, vom Fußboden aus gesehen, und es wäre vielleicht denkbar gewesen, dass sich die Bedeutung des indoeuropäischen *bherg̑hos im deutschen Sprachraum in Richtung Bett entwickelt hätte – wer weiß schon, warum Den Rest des Beitrags lesen »


Ausgeschlossen

Vor dem Kindergarten steht ein Fahrrad mit Kinderanhänger. In dem Anhänger sitzt angeschnallt ein kleiner Junge, wohl drei Jahre alt. Der Vater schließt vorn das Fahrrad an und sagt seinem Sohn, er möge doch schonmal aussteigen. Der Junge, nach einem Blick auf den Anschnallgurt und einer kurzen Denkpause: Aber du hast mich doch noch gar nicht… ausgeschlossen!


Spielstopp

Es gibt Spiele und Ausdrücke, die mehr oder weniger weit im deutschen Sprachraum verbreitet sind und die von Kindern an den verschiedensten Orten gespielt bzw. gebraucht werden. Gebraucht von Kindern, die sich gegenseitig nicht kennen, keinen Kontakt miteinander haben und bei denen man auch nicht ohne weiteres gemeinsame Bekannte voraussetzen kann, von denen sie die Wörter oder die Spielregeln kennen könnten. Ein überlieferungstechnisches Rätsel, über das ich im Zusammenhang mit Abzählreimen schonmal nachgedacht hatte.

Ein Ding, das mir heute wieder begegnet ist, ist Spielstopp. Das sagen Kinder, wenn sie Den Rest des Beitrags lesen »


Lexikalische Ohrwürmer

Modewörter gibt es immer und überall. Manche sind bundesweit oder vielleicht sogar über den ganzen deutschen Sprachraum verbreitet, andere regional oder in bestimmten Subkulturen. Sogar in kleinen Gruppen – WGs, Freundeskreisen, Schulklassen, Schiffsbesatzungen u.ä. – gibt es Modewörter.

Die sind oft anfangs witzig, aber früher oder später mutieren sie zu nervensägenden Monstern, zum lexikalischen Äquivalent von Ohrwürmern. Manche ähneln den jährlich geradezu zwanghaft gepushten Sommerhits, die ist man nach einer Saison meistens wieder los. Andere werden aber zu Evergreens, die über Jahre – was sage ich, über Generationen – den Äther vollmüllen.

Manchmal kommen sie ganz plötzlich, manchmal wachsen sie langsam in den Modewortstatus hinein. Sind sie erst einmal etabliert, wird man sie so schnell nicht wieder los. Je nach Umfeld muss man Den Rest des Beitrags lesen »


Ermäßigungstatbestände

An der Kasse des Historischen Museums der Pfalz in Speyer hängt eine Preisliste aus. Darauf werden auch die verschiedenen denkbaren Ermäßigungen aufgeführt, die der eine oder andere in Anspruch nehmen kann. Am Ende der Liste steht der folgende Hinweis:

Das Zusammenlegen mehrerer Ermäßigungstatbestände ist nicht möglich.

Zuerst fand ich die Formulierung vor allem kurios und viel zu behördensprachlich. Das klingt nach Zentraler Dienstvorschrift, nicht nach Kundendialog. Dann wollte ich mich über die Tatbestände mokieren, wo es doch eigentlich um Sachverhalte geht. Das sagt mir jedenfalls mein professionell geschultes Sprachgefühl. Dem zu trauen ist aber gefährlich, sogar Leute wie ich liegen gelegentlich daneben (bescheiden selbstgefälliges Hüsteln). Also Den Rest des Beitrags lesen »


Gegenteile

Es gibt ja eine ganze Menge Wörter, die per Vorsilbe in ihr Gegenteil verwandelt werden, zum Beispiel SinnUnsinn, spektakulärunspektakulär. Andere Wörter werden per Nachsilbe vergegenteilt: beispielhaftbeispiellos. Seltener wird zur Bildung eines Gegenteils auch eine Nachsilbe per Vorsilbe umgedreht: alltagstauglichalltagsuntauglich, aber das ist eher selten.

Manchmal haben sich die gegenteiligen Wörter auseinanderentwickelt und mindestens eines davon hat sich soweit verändert, dass man es nicht mehr als zugehörig erkennt. Das wirsch von unwirsch existiert zwar noch, heißt heute aber würdig und wird ohne etymologisches Wörterbuch nicht mehr als Ursprung von unwirsch erkannt. Weder die Aussprache noch die Bedeutung geben dem Uneingeweihten Anlass, einen Zusammenhang zwischen würdig und unwirsch zu sehen, und ich weiß es auch nur, weil ich es nachgeschlagen habe.

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