Ermäßigungstatbestände

An der Kasse des Historischen Museums der Pfalz in Speyer hängt eine Preisliste aus. Darauf werden auch die verschiedenen denkbaren Ermäßigungen aufgeführt, die der eine oder andere in Anspruch nehmen kann. Am Ende der Liste steht der folgende Hinweis:

Das Zusammenlegen mehrerer Ermäßigungstatbestände ist nicht möglich.

Zuerst fand ich die Formulierung vor allem kurios und viel zu behördensprachlich. Das klingt nach Zentraler Dienstvorschrift, nicht nach Kundendialog. Dann wollte ich mich über die Tatbestände mokieren, wo es doch eigentlich um Sachverhalte geht. Das sagt mir jedenfalls mein professionell geschultes Sprachgefühl. Dem zu trauen ist aber gefährlich, sogar Leute wie ich liegen gelegentlich daneben (bescheiden selbstgefälliges Hüsteln). Also Den Rest des Beitrags lesen »

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Gegenteile

Es gibt ja eine ganze Menge Wörter, die per Vorsilbe in ihr Gegenteil verwandelt werden, zum Beispiel SinnUnsinn, spektakulärunspektakulär. Andere Wörter werden per Nachsilbe vergegenteilt: beispielhaftbeispiellos. Seltener wird zur Bildung eines Gegenteils auch eine Nachsilbe per Vorsilbe umgedreht: alltagstauglichalltagsuntauglich, aber das ist eher selten.

Manchmal haben sich die gegenteiligen Wörter auseinanderentwickelt und mindestens eines davon hat sich soweit verändert, dass man es nicht mehr als zugehörig erkennt. Das wirsch von unwirsch existiert zwar noch, heißt heute aber würdig und wird ohne etymologisches Wörterbuch nicht mehr als Ursprung von unwirsch erkannt. Weder die Aussprache noch die Bedeutung geben dem Uneingeweihten Anlass, einen Zusammenhang zwischen würdig und unwirsch zu sehen, und ich weiß es auch nur, weil ich es nachgeschlagen habe.

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Notfall

Neulich hat Susanne Flach im Sprachlog einen Artikel im Guardian verlinkt, in dem es um die Aussprache englischer Wörter geht. Genauer: Um Aussprachefehler, die sich eingebürgert haben und jetzt als korrekt gelten, und die sich teilweise auch in der Schreibweise niedergeschlagen haben, wie etwa ask statt des eigentlich richtigen alten aks.

In dem Artikel kam nucular für nuclear vor, das fand ich irgendwie witzig. Nicht, dass nucular an einen Wortstamm erinnert, der gängiger oder verständlicher als das lateinische nucleus ist, von dem sich nuclear ableitet, aber das ist auch egal. Es klingt nett und ist geringfügig leichter auszusprechen. Ansonsten hat man öfters versucht, unverständliche Wörter mit einheimischem Vokabular zu deuten: Den Rest des Beitrags lesen »


Unvorbeigehbar

Neulich bin ich an einem Laden vorbeigekommen, der im Schaufenster mit folgendem Satz wirbt:

Das ist „unvorbeigehbar!“

Der Laden ist an der Stelle neu und heißt Fashion Outlet. Das ist branchenüblichs neudeutsch-denglisches Werbesprech, da wird so mancher Sprachnörgler sofort bis an die rote Linie hochdrehen und Den Rest des Beitrags lesen »


Zufallsfunde

Kindermund tut Wahrheit kund, heißt es im Volksmund. Stimmt ja oft auch. Klassisches Beispiel ist der Witz, wo ein kleiner Junge sich mit Spielzeuggewehr vor dem Gästezimmer aufbaut, in dem gerade die besuchende Großtante übernachtet. Auf ihre Frage, was das solle, antwortet er unschuldig: Der Papa habe gesagt, die Großtante könne ihm gestohlen werden, und um das zu verhindern halte er eben Wache.

Oder auch der andere Klassiker: Der Kaiser hat ja gar nichts an! Aber Kinder haben nicht nur einen (oftmals) klaren, (meistens) noch nicht durch Lebenserfahrung, soziale Konditionierung und klischeeüberfrachtete Kinofilme verkorksten Blick auf die Welt und können darum Dinge durchschauen, denen Erwachsene oft auf den Leim gehen. (Dass Kinder dadurch auf viele Arten leichter aufs Glatteis zu führen sind als Erwachsene ist eine andere Sache, die lasse ich hier mal beiseite). Sie machen oft auch ganz nebenbei erstaunliche Entdeckungen.

Man nehme nur den Computer. Einen ganz ordinären Windows-PC, mit dem man hauptsächlich Texte schreibt, ein paar Fotos bearbeitet, spielt oder sich im Internet herumtreibt. Als Schreibtischarbeiter Den Rest des Beitrags lesen »


Man lernt nie aus

Neulich beim Einkaufen bin ich über die Formulierung „im Naturdarm geraucht“ auf der Verpackung einer Fleischwurst gestolpert. Geraucht? Die können wieder kein Deutsch, dachte ich. Rauchen, weiß man, ist erstens „Rauch von sich geben“, wie Schornsteine oder Vulkane das tun, oder „Tabakprodukte konsumieren, indem man deren Rauch einatmet“, wie Raucher das tun. Das Haltbarmachen von Lebensmitteln durch Rauch heißt dagegen räuchern. Ich kenne mich da aus, bin als Übersetzer ja gewissermaßen vom Fach was Wörter und ihre Bedeutungen angeht.

Ich habe mich dann also darangemacht, einen bösen Text über diese elenden Sprachmetzger zu schreiben. Als Überschrift hatte ich Was haben die denn geraucht vorgesehen. In der mir eigenen Bescheidenheit wollte ich Den Rest des Beitrags lesen »


Negative Unterschneidung

Ein zentrales Element der Typographie ist das Kerning, auf Deutsch Unterschneidung. Das ist laut Wikipedia der Vorgang, den horizontalen Abstand zwischen mehreren Buchstaben durch optischen Ausgleich so zu verringern, dass er gleichmäßig erscheint und so vom Betrachter als angenehmer empfunden wird. Anders gesagt, per Unterschneidung wird ein ebenmäßig wirkender, knotenfreier Buchstabenfluss hergestellt. Gut gemachtes Kerning erkennt man daran, dass es nicht auffällt.

Das gelingt natürlich nicht immer im gewünschten Maß, gelegentlich verrutscht da schon mal was. Dann stehen Buchstaben beispielsweise zu eng beieinander. Sie verschmelzen optisch miteinander und die Leserlichkeit ist dahin. David Friedman hat dafür den Fachausdruck keming geprägt. Das Wort kerning falsch unterschnitten kann Den Rest des Beitrags lesen »


Früh krümmt sich

Neulich hat jemand bei uns einen Witz zum besten gegeben (ich war es nicht, obwohl ich für Wortwitze dieser Art und Preisklasse berüchtigt bin). Heißt es der Monitor oder das Monitor? Also, wenn Moni ein Tor schießt, heißt es das Moni-Tor.

Meine Jüngste, knapp fünf, muss das wohl auch gehört haben. Am Tag danach Den Rest des Beitrags lesen »


Kurz gefasst

Vor ein paar Jahren hat David Friedman auf Ironic Sans einen speziellen Thesaurus vorgestellt: Thrs liefert zu jeder Eingabe nur diejenigen Synonyme, die kürzer sind als das Suchwort. Das ist – so Friedman – für Twitterer interessant, die sich ja wegen der Beschränkung auf 140 Zeichen pro Tweet immer möglichst kurz fassen müssen.

Ich selbst stehe Twitter mit einer gewissen Verständnislosigkeit gegenüber und sehe bisher nicht, wie ich den Dienst sinnvoll nutzen kann, oder warum ich das wollen sollte. Nun habe ich mir zwar für gnadlib auch einen Twitter-Account angelegt, aber eigentlich nur, weil WordPress die automatische Vertwitterung von Blogbeiträgen anbietet und ich dachte, dass ich das mal ausprobieren sollte. Gibt mir aber immer noch nichts – ich bin praktisch nie auf Twitter und folge dort auch niemandem. Es ist mir nämlich zu doof, ständig von allen möglichen Leuten mehr oder minder banale Tweets reinzukriegen, die mich ja doch nur von irgendwas Wichtigem ablenken – unsereins rettet mehrmals am Tag die Welt und muss sich da voll drauf konzentrieren.

Etwaige Nachrichten vom Weltgeschehen muss ich auch nicht unbedingt sekundenaktuell haben. Das hat fast immer Zeit, bis die Nachrichtenportale sich zu Wort melden oder es am nächsten Morgen in der Zeitung steht. Und als Feedreader ist Twitter sicher auch eigentlich nicht gedacht; was auf den Blogs passiert, die ich so lese, verfolge ich ohnehin, ähm, sagen wir, manuell. Den Rest des Beitrags lesen »


Surfbretter und Batschelohren

Es ist schon eine Weile her, dass ich mich über launige „Versprecher“ echauffiert habe (hier). Ich weiß gar nicht, warum mir Ausdrücke wie herzlichen Glühstrumpf (z.B. zum Burzeltag) und zum Bleistift so auf die Nerven gehen. Vielleicht, weil sie an die Art mancher Trolle erinnern, Namen oder Nicks in beleidigender Absicht zu verballhornen: Guido Westerwelle etwa Schwesterwelle zu nennen, oder die Bild-Zeitung Blöd-Zeitung. Ähnlich gelagert sind Rotz-Grün und Schwatz-Gelb als Regierungskoalitionen.

Egal, die Bleistifte und Glühstrümpfe scheinen glücklicherweise langsam in Vergessenheit zu geraten, mir begegnen sie jedenfalls kaum noch. Auch das mittlerweile schon etwas in die Tage gekommene Schlepptop für Laptop ist selten geworden. Und nachdem Laptop sowieso weitgehend von Notebook verdrängt wurde, dürfte das eigentlich witzige und gut ausgedachte, aber trotzdem irgendwie bescheuerte Schlepptop mit ihm aussterben. Möge es* in Frieden ruhen…

Außerdem steigen neuerdings sowieso immer mehr Leute Den Rest des Beitrags lesen »