Spielstopp

Es gibt Spiele und Ausdrücke, die mehr oder weniger weit im deutschen Sprachraum verbreitet sind und die von Kindern an den verschiedensten Orten gespielt bzw. gebraucht werden. Gebraucht von Kindern, die sich gegenseitig nicht kennen, keinen Kontakt miteinander haben und bei denen man auch nicht ohne weiteres gemeinsame Bekannte voraussetzen kann, von denen sie die Wörter oder die Spielregeln kennen könnten. Ein überlieferungstechnisches Rätsel, über das ich im Zusammenhang mit Abzählreimen schonmal nachgedacht hatte.

Ein Ding, das mir heute wieder begegnet ist, ist Spielstopp. Das sagen Kinder, wenn sie Den Rest des Beitrags lesen »

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Lexikalische Ohrwürmer

Modewörter gibt es immer und überall. Manche sind bundesweit oder vielleicht sogar über den ganzen deutschen Sprachraum verbreitet, andere regional oder in bestimmten Subkulturen. Sogar in kleinen Gruppen – WGs, Freundeskreisen, Schulklassen, Schiffsbesatzungen u.ä. – gibt es Modewörter.

Die sind oft anfangs witzig, aber früher oder später mutieren sie zu nervensägenden Monstern, zum lexikalischen Äquivalent von Ohrwürmern. Manche ähneln den jährlich geradezu zwanghaft gepushten Sommerhits, die ist man nach einer Saison meistens wieder los. Andere werden aber zu Evergreens, die über Jahre – was sage ich, über Generationen – den Äther vollmüllen.

Manchmal kommen sie ganz plötzlich, manchmal wachsen sie langsam in den Modewortstatus hinein. Sind sie erst einmal etabliert, wird man sie so schnell nicht wieder los. Je nach Umfeld muss man Den Rest des Beitrags lesen »


Ermäßigungstatbestände

An der Kasse des Historischen Museums der Pfalz in Speyer hängt eine Preisliste aus. Darauf werden auch die verschiedenen denkbaren Ermäßigungen aufgeführt, die der eine oder andere in Anspruch nehmen kann. Am Ende der Liste steht der folgende Hinweis:

Das Zusammenlegen mehrerer Ermäßigungstatbestände ist nicht möglich.

Zuerst fand ich die Formulierung vor allem kurios und viel zu behördensprachlich. Das klingt nach Zentraler Dienstvorschrift, nicht nach Kundendialog. Dann wollte ich mich über die Tatbestände mokieren, wo es doch eigentlich um Sachverhalte geht. Das sagt mir jedenfalls mein professionell geschultes Sprachgefühl. Dem zu trauen ist aber gefährlich, sogar Leute wie ich liegen gelegentlich daneben (bescheiden selbstgefälliges Hüsteln). Also Den Rest des Beitrags lesen »


Gegenteile

Es gibt ja eine ganze Menge Wörter, die per Vorsilbe in ihr Gegenteil verwandelt werden, zum Beispiel SinnUnsinn, spektakulärunspektakulär. Andere Wörter werden per Nachsilbe vergegenteilt: beispielhaftbeispiellos. Seltener wird zur Bildung eines Gegenteils auch eine Nachsilbe per Vorsilbe umgedreht: alltagstauglichalltagsuntauglich, aber das ist eher selten.

Manchmal haben sich die gegenteiligen Wörter auseinanderentwickelt und mindestens eines davon hat sich soweit verändert, dass man es nicht mehr als zugehörig erkennt. Das wirsch von unwirsch existiert zwar noch, heißt heute aber würdig und wird ohne etymologisches Wörterbuch nicht mehr als Ursprung von unwirsch erkannt. Weder die Aussprache noch die Bedeutung geben dem Uneingeweihten Anlass, einen Zusammenhang zwischen würdig und unwirsch zu sehen, und ich weiß es auch nur, weil ich es nachgeschlagen habe.

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Notfall

Neulich hat Susanne Flach im Sprachlog einen Artikel im Guardian verlinkt, in dem es um die Aussprache englischer Wörter geht. Genauer: Um Aussprachefehler, die sich eingebürgert haben und jetzt als korrekt gelten, und die sich teilweise auch in der Schreibweise niedergeschlagen haben, wie etwa ask statt des eigentlich richtigen alten aks.

In dem Artikel kam nucular für nuclear vor, das fand ich irgendwie witzig. Nicht, dass nucular an einen Wortstamm erinnert, der gängiger oder verständlicher als das lateinische nucleus ist, von dem sich nuclear ableitet, aber das ist auch egal. Es klingt nett und ist geringfügig leichter auszusprechen. Ansonsten hat man öfters versucht, unverständliche Wörter mit einheimischem Vokabular zu deuten: Den Rest des Beitrags lesen »


Unvorbeigehbar

Neulich bin ich an einem Laden vorbeigekommen, der im Schaufenster mit folgendem Satz wirbt:

Das ist „unvorbeigehbar!“

Der Laden ist an der Stelle neu und heißt Fashion Outlet. Das ist branchenüblichs neudeutsch-denglisches Werbesprech, da wird so mancher Sprachnörgler sofort bis an die rote Linie hochdrehen und Den Rest des Beitrags lesen »


Zufallsfunde

Kindermund tut Wahrheit kund, heißt es im Volksmund. Stimmt ja oft auch. Klassisches Beispiel ist der Witz, wo ein kleiner Junge sich mit Spielzeuggewehr vor dem Gästezimmer aufbaut, in dem gerade die besuchende Großtante übernachtet. Auf ihre Frage, was das solle, antwortet er unschuldig: Der Papa habe gesagt, die Großtante könne ihm gestohlen werden, und um das zu verhindern halte er eben Wache.

Oder auch der andere Klassiker: Der Kaiser hat ja gar nichts an! Aber Kinder haben nicht nur einen (oftmals) klaren, (meistens) noch nicht durch Lebenserfahrung, soziale Konditionierung und klischeeüberfrachtete Kinofilme verkorksten Blick auf die Welt und können darum Dinge durchschauen, denen Erwachsene oft auf den Leim gehen. (Dass Kinder dadurch auf viele Arten leichter aufs Glatteis zu führen sind als Erwachsene ist eine andere Sache, die lasse ich hier mal beiseite). Sie machen oft auch ganz nebenbei erstaunliche Entdeckungen.

Man nehme nur den Computer. Einen ganz ordinären Windows-PC, mit dem man hauptsächlich Texte schreibt, ein paar Fotos bearbeitet, spielt oder sich im Internet herumtreibt. Als Schreibtischarbeiter Den Rest des Beitrags lesen »


Man lernt nie aus

Neulich beim Einkaufen bin ich über die Formulierung „im Naturdarm geraucht“ auf der Verpackung einer Fleischwurst gestolpert. Geraucht? Die können wieder kein Deutsch, dachte ich. Rauchen, weiß man, ist erstens „Rauch von sich geben“, wie Schornsteine oder Vulkane das tun, oder „Tabakprodukte konsumieren, indem man deren Rauch einatmet“, wie Raucher das tun. Das Haltbarmachen von Lebensmitteln durch Rauch heißt dagegen räuchern. Ich kenne mich da aus, bin als Übersetzer ja gewissermaßen vom Fach was Wörter und ihre Bedeutungen angeht.

Ich habe mich dann also darangemacht, einen bösen Text über diese elenden Sprachmetzger zu schreiben. Als Überschrift hatte ich Was haben die denn geraucht vorgesehen. In der mir eigenen Bescheidenheit wollte ich Den Rest des Beitrags lesen »


Negative Unterschneidung

Ein zentrales Element der Typographie ist das Kerning, auf Deutsch Unterschneidung. Das ist laut Wikipedia der Vorgang, den horizontalen Abstand zwischen mehreren Buchstaben durch optischen Ausgleich so zu verringern, dass er gleichmäßig erscheint und so vom Betrachter als angenehmer empfunden wird. Anders gesagt, per Unterschneidung wird ein ebenmäßig wirkender, knotenfreier Buchstabenfluss hergestellt. Gut gemachtes Kerning erkennt man daran, dass es nicht auffällt.

Das gelingt natürlich nicht immer im gewünschten Maß, gelegentlich verrutscht da schon mal was. Dann stehen Buchstaben beispielsweise zu eng beieinander. Sie verschmelzen optisch miteinander und die Leserlichkeit ist dahin. David Friedman hat dafür den Fachausdruck keming geprägt. Das Wort kerning falsch unterschnitten kann Den Rest des Beitrags lesen »


Früh krümmt sich

Neulich hat jemand bei uns einen Witz zum besten gegeben (ich war es nicht, obwohl ich für Wortwitze dieser Art und Preisklasse berüchtigt bin). Heißt es der Monitor oder das Monitor? Also, wenn Moni ein Tor schießt, heißt es das Moni-Tor.

Meine Jüngste, knapp fünf, muss das wohl auch gehört haben. Am Tag danach Den Rest des Beitrags lesen »