Ich frag mal

Wer ein Blog betreibt, glaubt in der Regel, etwas mitzuteilen zu haben. Viele Blogger haben erhebliches Sendungsbewusstsein, wollen die Welt verändern, kämpfen für oder gegen etwas Bestimmtes. Dazu ist es immer sinnvoll, mit der Botschaft möglichst viele Leute zu erreichen, entweder Gleichgesinnte, Multiplikatoren gar, oder Bekehrbare. Außerdem macht es mehr Spaß, wenn wenigstens gelegentlich mal jemand das Zeug liest, das man so raushaut.

Weil das so ist, gibt WordPress Ratschläge, wie man die Reichweite des eigenen Blogs erhöhen kann. Vieles davon leuchtet ein: Man soll Freunden und Bekannten in sozialen Netzwerken und in der echten Welt bescheidsagen, wenn man was geschrieben hat. Das Blog für Suchmaschinen öffnen. Sinnvolle Kategorien und Schlagworte verwenden. Alles völlig einleuchtend. Traffic einkaufen – kann man machen, wenn man unbedingt will. Finde ich aber unnötig. Ich brauche ja nicht viel Traffic zum Glücklichsein. Und wenn mir die Zahlen in der Statistik zu mickrig sind, kann ich ja auch mit Sockenpuppen spielen und selberklicken. Muss aber wirklich nicht sein.

Einigermaßen oft schreiben leuchtet auch ein – je seltener man einen Artikel online stellt, desto größer die Gefahr, dass man in Vergessenheit gerät, außer man ist wirklich sehr sehr gut. Regelmäßig schreiben, damit die Leser wissen, was sie so zu erwarten haben. Dass man versucht, gut zu schreiben, also grammatisch sauber, inhaltlich verständlich und auf die Zielgruppe abgestimmt, sollte selbstverständlich sein. Man soll andere Blogs abonnieren, dorthin verlinken und selber in anderen Blogs kommentieren, und zwar oft und vernünftig, oder doch so, wie man sich das vom erwünschten Publikum auch erhofft. Kommentare weit streuen, möglichst auch bei Webseiten und Blogs mit großer Reichweite. Zuguterletzt braucht man Geduld, heißt es am Ende, das Riesenpublikum kommt nicht über Nacht. Soweit so gut.

Viele Blogger machen auch anderweitig Druck. Viele bringen regelmäßig, etwa zum Wochenende, Artikel mit ein paar Links zu irgendwelcher Musik, oft auch auf der Grundlage von Leserempfehlungen. Manche machen dasselbe mit Büchern, andere bringen regelmäßig eine Art Presseschau oder allgemeine Linkliste mit Fundstücken aus den Weiten des Netzes. Auch Freitagsrätsel habe ich schon gesehen. Alles in Ordnung, wenn man sowas mag.

Und natürlich, regelmäßig zu bestimmten Zeiten Artikel bestimmter Formate zu veröffentlichen kann die Leserbindung verbessern. Wenn man so weit kommt, dass ein wesentlicher Teil des Publikums sich auf das Donnerstagsvideo, das Mittwochsfoto, das Dienstagsrezept freut, hat man sicher einen halbwegs stabilen Leserstamm. Aber man muss dann auch liefern, egal ob einem was einfällt. Gelegentliche Ausfälle lassen sich kaschieren, die eine oder andere Lücke wird sicher auch nicht übelgenommen, oder man hat ein paar Dinger im Ärmel, die man bei Bedarf posten kann. Aber man hat dann schon einen gewissen Druck an der Backe.

Das mag ich mir nicht antun, ich will hier ja Spaß haben, nicht Stress. Darum schreibe ich nach wie vor, wann mir was einfällt, und veröffentliche es, wenn ich es eben fertiggeschrieben habe oder wann immer es mir passend erscheint. Wenn ich nichts zu schreiben weiß, schreibe ich eben nicht. Von starren Vorgaben wie „jeden Tag einen Artikel“ halte ich gar nichts (eher: lieber keinen Artikel als einen, der mir selbst nicht gefällt). Bisher ist mir meistens was eingefallen, obwohl es auch schon dürre Zeiten bei gnaddrig ad libitum gab. Mir wäre es jedenfalls zu blöd, irgendwelches Füllmaterial zu veröffentlichen, um ja bloß keine Lücke in der Timeline entstehen zu lassen. Pausen und Lücken muss man schon verkraften können, als Leser wie als Blogger.

Es gibt aber noch ein Ding, das auch immer mal empfohlen wird, die Umfrage. Mit Umfragen kann man die Leser involvieren, aus der Reserve locken und zur Interaktion motivieren. Man gibt ihnen zwanglos Gelegenheit, ihre Meinung zu sagen (als ob es keine Kommentarfunktion gäbe) und gewinnt ganz nebenbei noch Daten, die einem bei der Verbesserung des Blogs helfen (und falls ich jemals an Facebook oder Google verkaufen sollte, hätte ich gleich noch ein wenig Verhandlungsmasse, nämlich einen für Werbung erreichbaren Leserstamm). So mancher Blogger macht öfters Umfragen.

Ich habe mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, dieses Instrument einmal auszuprobieren, um meinen Lesern ein, ähm, umfassenderes Blogerlebnis bieten zu können. Nachdem jetzt der unmotivierte Countdown rechts unten zuendegegangen ist (auch so eine Möglichkeit der Leserbindung), präsentiere ich hier die große gnadlib-Umfrage mit der Bitte um rege Beteiligung, gern auch in den Kommentaren. Ich werde die Antworten bei Gelegenheit auswerten und nach Möglichkeit beim Schreiben berücksichtigen.

Und jetzt geht’s ab:

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12 Kommentare on “Ich frag mal”

  1. Nesselsetzer sagt:

    Der Trick mit den täglichen Artikeln, auf die Du anspielst ist eigentlich ganz einfach. Ich habe mir bei der Initialisierung meines Blogs überlegt, dass ich bei einem persönlichen Nervenzusammenbruch wegen „Mirfälltnixein“ wenigstens 30 Artikel hinterlassen wollte, damit die geneigten zufällig vorbeikommende Lesenden wenigstens nicht vor einem leeren Blog stehen. Also hatte ich mir das regelmäßige Schreiben für 30 Tage vorgenommen. Dann sollte ein Text erscheinen, in dem ich mitteile, dass ich ab heute nicht mehr täglich sondern nur noch sporadisch schreiben werde. Aber da mir immer noch was einfiel, habe ich halt weiter geschrieben und den Mirfälltnixein-Text immer weiter vor mir her geschoben. Das geht jetzt schon seit 410 Artikeln so. Erst am Freitag vor Pfingsten war ich wieder an dem Punkt angekommen, aber dann fiel mit doch noch was ein.

    Zum Sendungsbewusstsein: ich freue mich über alle Lesenden, bin mir aber darüber im klaren, dass ich bei geschätzten 5 Mio Blogschreibenden und 20 Mio Blogfolgenden irgendwie schlichtweg … äh … ´ne Nullnummer bin. Aber das heisst ja nicht, dass es ganz sinnlos ist, seine Meinung kund zu tun. Irgendwem wird das eine oder andere ab und an gefallen … äh … hoffe ich … zumindest … 😉

    Zum Blogerlebnis: wat? 😀

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  2. gnaddrig sagt:

    Das mit dem täglichen Schreiben ist zweischneidig. Für manche ist es Ansporn, Dinge aus sich herauszukitzeln, die von selbst nicht gekommen wären. Für andere ist es Druck, der dann eher kontraproduktiv wirkt. Ich weiß gar nicht mal, wie es bei mir wäre, wahrscheinlich teils teils. Wenn Dir genug einfällt dafür ist da ja nur gut 🙂

    Das mit dem Sendungsbewusstsein nehme ich für mich selbst auch nicht allzu ernst, sonst wäre das hier ein politisches oder aktionistisches Blog. Dafür kaspere hier wohl zuviel rum. Aber wenn ich hier dann doch was Ernsthaftes schreibe, freue ich mich natürlich, wenn ich damit jemand erreiche, und wenn es nur zehn oder zwanzig Leser sind, und auch wenn sich von denen vielleicht nur ein Teil mit dem Thema wirklich auseinandersetzt. Und wenn dann Beiträge, die mir wirklich wichtig sind, auch noch sofort an die Spitze der Statistik springen (wie das über den Holocaustgedenktag), finde ich das natürlich erst recht gut.

    Zum Blogerlebnis: Tolles Wort, oder? Konnte ich mir nicht verkneifen. Inspiriert von Backerlebniswelt u. dgl.

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  3. Pfeffermatz sagt:

    @Nesselsetzer: Es gibt 20 Mio Blogfolgende? Wo? Nicht bei mir, jedenfalls – das wäre ja mal ein Blogerlebnis!

    @gnaddrig: Das mit dem täglichen Artikel finde ich gar nicht mal so optimal. Das funktioniert nur bei einem Publikum, das wirklich jeden Tag liest. Meine Erfahrung ist, dass viele Blogleser (wie ich) eher alle paar Tage oder gar einmal wöchentlich reinschauen. Ich weiß nicht, ob sie dann wirklich die letzten sieben Artikel nachlesen wollen – insbesondere, wenn es sich um längere Texte handelt. Somit verschenkt man womöglich einen Teil der potentiellen Leser.

    Ich versuche, mindestens einmal die Woche was reinzustellen. Ich glaube auch nicht, das man ababonniert (?) wird, weil man zu selten im Reader auftaucht. Im Gegenteil: ich musste letztens einen Blog aus meiner Liste entfernen, weil dieser den Reader mit unzähligen Fotos vollstopfte. Ich musste immer sehr scrollen, um auch die Artikel der anderen Blogger im Bilderwald zu finden.

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  4. Nesselsetzer sagt:

    @Pfeffermatz: Na ja, bei mir haben die auch noch nicht alle vorbei geschaut, bisher waren nur 0,0000001 davon da (ihr zwei), aber immerhin kann ich die vielen Nullen noch hier reinschreiben und sprengen nicht den Textspeicher! Ha!

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  5. gnaddrig sagt:

    Dann scheinen wir drei zu der Sorte Blogger zu gehören, denen ein paar wirklich geneigte Leser lieber sind als ganze Stadien voll Klickschuster. Ich habe von den 20 Mio. auch noch nicht so viele gesehen, fühle mich damit aber eigentlich auch ganz wohl.

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  6. Nesselsetzer sagt:

    @gnaddrig: Bevor mich hier jemand auf die 20Mio festnagelt muss ich gestehen, dass das natürlich ´ne reine geschätzte Zahl war (wenn man mal so was dahin wirft…) Ich bin halt so im Halbschlaf davon ausgegangen, dass bei 1 Mio Bloggenden alleine bei WordPress es wahrscheinlich so viele Blogplatformen gibt, dass 5 Mio Schreibende im deutschsprachigen Raum zusammen kommen dürften. Jedem habe ich im Durchschnitt 4 Follower zugestanden, was ja nicht hochgegriffen ist. Genauere Berechnungen überlasse ich da jedoch lieber Pfeffermatz, der versteht mehr von merkwürdigen Statistiken. 😉

    Und natürlich hast Du recht! Mir sind ebenso eine paar wirklich geneigte Lesende lieber, und wenn einem oder zwei der Artikel gefällt, dann freue ich mich darüber. Und wenn dann manche seriöse Organisation auf einen meiner Artikel verlinkt oder sich gar darauf bezieht, dann ehrt mich das ganz besonders. Insofern sind hohe Klickzahlen nicht wirklich ein Gradmesser dafür, ob ich was Vernünftiges geschrieben habe.

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  7. gnaddrig sagt:

    Ist schon klar, Nesselsetzer, die 20 Mio. hätte ich natürlich nicht als konkrete Zahl verstanden. Die stehen einfach nur für „ganz ganz viele“, jedenfalls mehr als man jemals persönlich kennenlernen oder sich merken könnte. Und stimmt, die Mathematik dazu soll Pfeffermatz liefern, wenn ihm danach ist.

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  8. Pfeffermatz sagt:

    Ich kann unter derartigem Druck nicht arbeiten 😦

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  9. Pfeffermatz sagt:

    … aber googeln im Internet recherchieren: Während in Deutschland die Anzahl der Blogger und mindestens gelegentlichen Blog-Besucher einigermaßen stabil bei rund drei Millionen liegt, wächst weltweit die Zahl der Blogger kontinuierlich.

    Warum rechnen, wenn es schon wer anders getan hat? 🙂

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  10. gnaddrig sagt:

    Das ist natürlich wahr. Man muss die Blümchen nur finden und pflücken. Und drei Millionen ist ja auch schon eine ganz hübsche Menge…

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  11. Stefan R. sagt:

    Tja, auch mir ist eine kleine, aber grundsätzlich freundliche Lesergemeinde lieber als Tausende von Klicks um der Klicks willen. Was die Anzahl der Postings angeht, bin ich auch eher zwiespältig. Ich fühle mich schon bemüßigt, mich hinzusetzen und wieder etwas rauszuhauen, wenn die Seitenaufrufe nach ein paar Tagen zurückgehen. Ich betrachte das auch als eine Art Schreibtraining: Weil schreiben für mich auch eine handwerkliche Seite hat, kann so ein wenig – wenn auch mehr gefühlter – Druck (es geht ja schließlich nicht um Geld, sondern darum, seinen Lesern was zu bieten) dem Handwerk nicht schaden.

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  12. gnaddrig sagt:

    @ Stefan R.: Ja, den Reflex kenne ich auch. Auch wenn Klicks nicht das Wichtigste sind, so ganz egal ist es dann ja doch nicht, sonst könnte man das Blog ja auch ganz privat als Tagebuch auf der eigenen Festplatte führen. Und was den Druck angeht, klar, ganz ohne schreibt man nichts. Aber ich habe auch lieber den Druck, meinen Lesern was bieten zu wollen, als den Druck, ein starres Veröffentlichungsschema oder allzu hochgezüchtete Lesererwartungen bedienen zu müssen. Oder so ähnlich. Lieber selbst springen als geschubst werden sozusagen. Damit fahre ich bislang eigentlich ganz angenehm.

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