The Quick Brown Fox

Pangramme, also Sätze, die jeden Buchstaben des Alphabets enthalten, sind hübsch. Echte Pangramme (sogenannte Isogramme), die jeden verfügbaren Buchstaben genau einmal enthalten, sind hübscher. Das in der Überschrift angesprochene englische Pangramm ist mit 35 Buchstaben recht lang und enthält mehrere Buchstaben mehrmals: The quick brown fox jumps over the lazy dog. Es gibt elegantere englische Pangramme, also kürzere, mit weniger doppelten Buchstaben, trotzdem ist der schnelle braune Fuchs wohl das bekannteste englische Pangramm.

Auf Deutsch gibt es laut Wikipedia mindestens drei echte Pangramme mit Umlauten und ß, davon zwei in neuer Rechtschreibung, die wenn schon nicht inhaltlich sinnvoll dann doch wenigstens grammatisch korrekt sind, z.B. Vamp quäkt: Grüß Felix bzw. Jody schön!

Aber man könnte eigentlich auch mein altes zwölftondadaistisches Projekt weiterspinnen und ein (möglichst echtes) Pangramm suchen, das jeden Buchstaben in jeder Erscheinungsform enthält, also alle Groß- und Kleinbuchstaben je einmal, natürlich einschließlich Umlauten und ß und ganz idealerweise auch alle Ziffern und die gängigen Satzzeichen Punkt, Ausrufezeichen, Fragezeichen, Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Anführungszeichen unten und oben, Gedankenstrich, Bindestrich, Klammer auf und zu, Apostroph.

Das ist vermutlich nicht möglich, weil es kaum einen korrekten Text geben dürfte, der bei der vorgegebenen Länge so viele Großbuchstaben bzw. großgeschriebene Wörter enthält, aus drei ganzen Sätzen besteht usw. Außerdem müsste die durchschnittliche Wortlänge dann bei 2 Buchstaben liegen, und auch das geht auf Deutsch wohl eher nicht so ohne weiteres.

Spätestens seit der Aufnahme des großen ẞ in die amtliche Rechtschreibung kann es aber im Deutschen wohl grundsätzlich kein echtes Pangramm mehr geben, das ohne separate Erwähnung typographischer Entscheidungen (hier: ganzes Wort in Großbuchstaben oder so etwas in der Art) vorlesbar ist – das große ß kommt nicht am Wortanfang vor, sondern ist nur in ganz in Großbuchstaben gesetzten Wörtern denkbar.

Obwohl, das ließe sich umgehen – man könnte sicher einen Text formulieren, der das große ß ausdrücklich nennt, ungefähr so: Seit das große ẞ im Alphabet…

P.S.: Ich habe ein Arbeitsblatt in einer Tabellenkalkulation gebaut, das mir zeigt, ob ein beliebiger Text ein Pangramm ist:

Screenshot einer Tabelle mit den Buchstaben des lateinischen Alphabets mit Umlauten, ß und Ziffern. Darunter ist ein Feld "Text:", das den Text "Pangramm" enthält. In der Tabelle sind die Felder, deren Buchstabe im Text einmal vorkommt, grün hinterlegt. Die Felder, deren Buchstabe zweimal vorkommt, sind rot hinterlegt. Die Felder, deren Buchstabe nicht vorkommt, sind nicht farblich hervorgehoben.

Man sieht wohl das Grundprinzip – im Text fehlende Buchstabenfelder bleiben farblich unmarkiert, einmal vorkommende Buchstaben werden grün hinterlegt, mehrfach vorkommende rot. Die Differenzierung nach Groß- und Kleinbuchstaben ist unnötig (s.o.), aber ich konnte es mir nicht verkneifen. Hier habe ich noch ein paar Textbeispiele durchgespielt:

P.P.S.: Sind Formulierungen wie das große ẞ oder das kleine f eigentlich Pleonasmen? Die Buchstaben sind ja schon groß bzw. klein. Andererseits könnte unklar bleiben, ob Groß- oder Kleinbuchstaben gemeint sind, solange nur von Groß- bzw. Kleinbuchstaben die Rede ist. Die Buchstaben f, m und y könnte sich beispielsweise genausogut auf f, M und y beziehen wie auf f, m und y.

Das kleine f, das große M und das kleine y wäre dagegen eindeutig, genauso wie das kleine F, das große M und das kleine Y oder das kleine f, das große m und das kleine y. Ebenso eindeutig aber dabei viel eleganter wäre die Buchstaben f, M und y

das kleine f (oder F), das große M (oder m) und das kleine y (oder Y)…


30 Kommentare on “The Quick Brown Fox”

  1. Raul Katos sagt:

    Es gibt bestimmt Leute, die sich fragen, ob Du echt nix Besseres zu tun hast. Zu denen gehöre ich aber nicht. Ich finde es toll, sich mit vermeintlich sinnlosen Dingen zu beschäftigen. Ich mache das auch hin und wieder sehr gerne. Da entwickle ich z. B. ein Erklärmodell zur Berechnung des Bildwinkels in Abhängigkeit von Sensorgröße und Brennweite. Also Dinge, die vermutlich 99% der Fotografen nicht interessieren bzw. verstehen. Aber es macht Spaß, die Dinge dem Grunde nach zu verstehen.
    In diesem Sinne: Danke für den Beitrag. Es war ein Vergnügen, ihn zu lesen.

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  2. Mindsplint sagt:

    ?👀?

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  3. gnaddrig sagt:

    @ Raul Katos: Wenn die Frage nach dem Besseren aufkommt, das man hätte tun können oder gar sollen, kann man immer schön gegenfragen, wie denn „Besser“ zu definieren ist. Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall. Der Spieltrieb ist eine schöne Sache, die sowieso viel zu oft unterdrückt oder beiseitegeschoben wird (und wenn versucht wird, den unter dem Titel „Gamification“ in der Arbeitswelt zu nutzen, ist das nicht per se schlecht, hat aber ganz sicher nicht diese seelebaumelnlassende Wirkung von echter Spielerei).

    Von daher habe ich keine Probleme damit, vermeintlich sinnlose Dinge zu tun, die meinetwegen auch tatsächlich kein brauchbares Ergebnis liefern, außer dass ich meinen Spaß gehabt habe. Wenn Du hier ein bisschen zurückblätterst, wirst Du einige solcher Projekte finden. Ich habe mal Nationalflaggen nach Farben und Mustern sortiert, eine Idee fr einen einen pi-basierten interaktiven Bildschirmschoner skizziert oder drüber nachgedacht, was wäre, wenn die Erde nicht kugel- sondern würfelförmig wäre. So Sachen müssen sein, „vernünftiges“ Zeug gibt es sowieso schon genug.

    Insofern herzlich willkommen, und so ein Bildwinkelberechnungsmodell fände ich faszinierend, egal ob ich es je praktisch nutzen könnte 🙂

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  4. gnaddrig sagt:

    @ Mindsplint: Verschreckt?

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  5. Mindsplint sagt:

    Oh ja…. 🤨 … sehr! 🤫

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  6. gnaddrig sagt:

    Musste nicht, alles harmlos 😉

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  7. Mindsplint sagt:

    Okay, dann will ich das mal glauben. 😇

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  8. gnaddrig sagt:

    Na bitte, geht doch!

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  9. Als jemand, die mal die Buchstaben in einer Packung Buchstabennudeln gezählt hat, um herauszufinden, wie viele Packungen man als Suppe kochen müsste, damit die Chance besteht, das beim Einfüllen des Tellers die erste Strophe von Schillers Glocke herauskommt, habe ich volles Verständnis.
    https://christahartwig.wordpress.com/2011/07/17/buchstaben-zaehlen-11493489/

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  10. gnaddrig sagt:

    Auch nicht schlecht, auf sowas muss man erstmal kommen. Wieviele Packungen bräuchte man denn?

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  11. gnaddrig sagt:

    Entsprach die Häufigkeit der einzelnen Buchstaben den Werten einer Sprache, etwa der des Herstellerlandes? Oder waren die alle zu gleichen Teilen vertreten? Das wäre doch interessant, wenn man an der Buchstabenhäufigkeit ablesen könnte, in welchem Land das Zeug hergestellt wurde oder für welches Land es bestimmt war…

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  12. Also, das war „3 Glocken“, wenn ich mich recht erinnere. Ich weiß gar nicht, ob es hier in Berlin Buchstabennudeln einer anderen Marke gibt. Und den „Werten“ entsprach der Tüteninhalt eben leider gar nicht. Hinzukam, dass ich teilweise mit der Lupe untersuchen musste, um welchen Buchstaben es sich beim Bruch mal gehandelt hat. Am stabilsten waren die Ys, was ich sehr witzig fand.

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  13. gnaddrig sagt:

    Ok, das mit der Häufigkeit wundert mich jetzt nicht wirklich. Dass das Y am Stabilsten war, aber doch. Die höchste Stabilität hätte ich eher bei O und D vermutet. Aber ich kenne mich mit Nudelwerkstoffen nicht so aus.

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  14. Ja, Os waren gut, und erstaunlicherweise auch die Qs immer gut von ihnen zu unterscheiden. Am zerbrechlichsten waren die Ks. Wollte man das wissenschaftlich betreiben, müsste man natürlich eine repräsentative Anzahl von Nudelpackungen….. Ehrlich gesagt, die Ys waren einfach besonders dick – aus welchem Grund auch immer. Das hätte ich wohl nur im Rahmen einer Werksführung klären können.

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  15. gnaddrig sagt:

    Ok, ganz unbewusst war ich davon ausgegangen, dass die Materialstärke überall gleich ist. Wenn nun irgendwelche Buchstaben aus dickeren Strängen bestehen, sind die natürlich haltbarer. Da kommen wir dann schon in den Bereich der Qualitätssicherung…

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  16. Der Satz THE QUICK BROWN FOX JUMPS OVER THE LAZY DOG wurde vom britischen Militär benutzt, um die korrekte Übertragung aller Buchstaben per Fernschreiber zu testen.

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  17. Achim sagt:

    Die Runde hier kann sicher den Einwand gegen eine jüngst bei uns gelandete Packung „Russisch Brot“ verstehen: Was sollen denn die lateinischen Buchstaben?

    Und zum Thema unnütze Projekte: Ich habe eine Exceldatei, die mir die verbleibende Zeit bis zur Bescherung ausrechnet – JETZT sind es 15 Tage und 7,5 Stunden.

    Großes ß – welch ein Graus.

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  18. @ Achim
    Dass Russisch Brot keine kyrillischen Buchstaben hat, erklärt, was mir am 24. Mai 1989 die Gebäckfirma Bahlsen brieflich mitteilte: Der Name Russisch Brot habe gar nichts Geheimnisvolles. Er leite sich von “Rösches Brot” her (rösch = knusprig). Die Bezeichnung “Russisch Brot” beruhe auf einer volksetymologischen Umdeutung.

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  19. gnaddrig sagt:

    Das ist nun wieder sehr interessant, da wäre ich nicht drauf gekommen. Russisch Brot klingt aber auch besser als Knusperkekse…

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  20. gnaddrig sagt:

    @ Achim: Man denkt an Frefel, oder? Die wenigsten haben das mit dem großen ẞ überhaupt mitgekriegt. Auf den Tastaturen ist es bisher auch nicht vorgesehen. Da ist kaum zu erwarten, dass das in absehbarer Zeit allzu große Kreise zieht, zumal Doppel-s ja immer noch ausdrücklich erlaubt ist.

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  21. Achim sagt:

    @ Jules van der Ley: Na siehste, wieder was gelernt!
    @ gnaddrig: „Frevel“, bitte 😉 Ja, ich hatte das bis zur Lektüre dieses Beitrags nicht gewusst. Und ästhetisch ist es ein absolutes Unding. Direkt aus der Typografenhölle.

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  22. gnaddrig sagt:

    Ach, ich hatte schon mit Absicht Frefel geschrieben – eine Schreibweise, die sich selbst beschreibt 😉

    Typografenhölle? Ich weiß nicht. Ist vor allem ungewohnt, aber über Schreibungen wie STRASSE stolpere ich auch immer – das soll ja ein langes A sein, und spätestens seit der Rechtschreibreform markiert Doppel-S ja nun ganz strikt einen kurzen Vokal. Für solche Zwecke ein großes ß anzubieten finde ich gar nicht schlecht, das macht die Schreibung konsistenter.

    Dagegen spricht aus typografischer Sicht doch eher, dass das ß aus einer Ligatur entstanden ist, die eben nur bei Kleinbuchstaben vorkam. Man hätte das ß ganz überflüssig machen können (und sollen), etwa durch Einführung eines anderen Buchstaben für das stimmhafte s nach langem Vokal, aber das ist sicher erst recht nicht konsensfähig…

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  23. Yadgar sagt:

    Also, mir reicht als Testsatz für deutsche Sonderzeichen ja „Afghanistan grüßt den Rest der Welt!“ – meines Wissens gibt es außer Deutsch keine Sprache, die ü und ß verwendet…

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  24. gnaddrig sagt:

    So gesehen… Wenn Du Dörzbach statt Afghanistan grüßen lässt, hast Du noch nen Umlaut dabei und weniger doppelte Buchstaben *duckundweg*

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  25. Ich bin der Frage schon mal nachgegangen, weil es diverse Erklärungsagen gibt:
    https://trittenheim.wordpress.com/2015/10/21/6einladung-zur-teestunde-heute-mit-tee-und-gebaeck/

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  26. gnaddrig sagt:

    Schöner Artikel zu Russisch Brot 🙂

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  27. […] einem Kommentar beim Kollegen gnaddrig fragte jemand, warum Russisch Brot lateinische statt kyrillischer Buchstaben hat. Ich bin der Frage […]

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  28. Raul Katos sagt:

    In meiner Kindheit wurde nicht vom „scharfen ess“ gesprochen, sondern man nannte es „ess zett“ – oder kurz geschrieben sz. Ich glaube, in der Sütterlinschrift wurde das scharfe s zusammengesetzt aus einem abgewandelten s-Zeichen und dem z-Zeichen. Daraus hat sich das seltsame ß gebildet, das sich so gar nicht in die Typographie fügen möchte. Mit der Einführung des großen ß ist man diesem stilistischen Bruch konsequent gefolgt. Obwohl ich großer Anhänger des ß bin, weil ich die Vereinfachung auf ss extrem unlesbar finde, hätte mir eine Einführung von sz bzw. SZ auch gefallen 🤗
    Groszes scharfes SZ wäre dann auch möglich.
    Andererseits frage ich mich, wer auszer vornehmlich Trump und andere Schreihälse benötigt GROSZBUCHSTABEN ZUR KOMMUNIKATION?
    Ich finde gerade Gefallen daran, also nicht an den Groszbuchstaben, sondern an dem SZ. Jetzt gibt es endlich weitere rote Unterkringelungen der vermeintlichen Rechtschreibhilfe, die den Blick auf das beanstandete Wort lenken.

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  29. gnaddrig sagt:

    Hm, über die Schreibweise sz stolpere ich deshalb, weil sie als Doppelkonsonant ja eher auf einen kurzen Vokal folgen müsste, also dasselbe Problem wie die Schreibweise mit Doppel-s hat. Ansonsten wäre es nicht schlechter als andere mögliche Schreibweisen. Ganz ohne Inkonsistenz und Ungewohntes werden wir da wohl kaum auskommen.

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  30. […] älteres Gedankenspiel zur Übertragung der grundlegenden Idee der Zwölftonmusik auf die Sprache wieder aufgenommen. Und jetzt frage ich mich pünktlich zum heutigen Internationalen Tag der Muttersprache, ob man […]

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