Kuhflüstern mit High-Tech

Auf der Webseite der World Future Society war zu lesen*, Rinder würden mit GPS-Empfängern und speziellen Ohrclips ausgestattet. Über GPS lässt sich die Position jedes einzelnen Tiers genau feststellen, alle Bewegungen können verfolgt werden. Mit der entsprechenden Software können die Tiere zu Herden zusammengefasst und kollektiv verwaltet werden.

Über die Ohrclips kann man Stromschläge austeilen und die Tiere damit steuern. Man kann auf einer virtuellen Landkarte virtuelle Zäune definieren. Jedes Rindvieh, das einem solchen Zaun zu nahe kommt, kriegt durch den Ohrclip einen gewischt und wird die Stelle natürlich in Zukunft meiden. Mit solchen Stromschlägen (die kriegen bestimmt einen hübscheren Namen) lässt sich dem Tier anscheinend auch übermitteln, ob es stehenbleiben, nach links oder nach rechts gehen soll. Die Herde wird fernsteuerbar. Das macht Cowboy zu einem Schreibtischjob.

Die Möglichkeiten sind bestechend: Ein Cowboy könnte eine ganze Herde vom PC aus steuern, vielleicht auch mehrere gleichzeitig. Cowboys könnten in Zukunft in Strukturen ähnlich wie Taxizentralen, Callcenter und Porno-SMS-Anbieter arbeiten. Schichtbetrieb, die Herden werden bei Schichtwechsel übergeben, alle Vorkommnisse werden im Protokoll aufgezeichnet, die Problemtiere sind bekannt und werden besonders überwacht. Arbeitgeber mit Stil würden die Arbeitsplätze vielleicht mit Schaukelpferden oder aufgebockten echten Sätteln ausstatten. Statt Kaffeeküche und Raucherecke gäbe es Lagerfeuer auf dem Balkon, damit den Männern das Gefühl für die Wildnis und die Rindviecher nicht flötengeht.

Aber was passiert, wenn jemand so eine Herde hackt? Also den Rechner, von dem aus die Herde gesteuert wird? Man könnte viel Spaß haben mit sowas: Man könnte eine Kuherde stundenlang um einen Kreisverkehr marschieren lassen. Man könnte jemanden, den man nicht mag, von einer Kuh verfolgen lassen (wer es schafft, eine Herde zu hacken, kann bestimmt auch jemandes Handy tracken). Man könnte ein paar Bullen zum nächsten Landhandel marschieren und vor den Getreidesäcken randalieren lassen.

Die Idee zu den praktischen Anwendungen gehackter Herden hatte meine Frau.

*: Der Link zu dem Artikel funktioniert nicht mehr, und ich konnte den Artikel auf der Webseite der World Future Society nicht mehr finden.

Nachtrag (23.05.2016): Ich habe mal ein bisschen rumgesucht und einen Link zu einem Patent gefunden, das hier ungefähr passt: Fenceless animal control system using GPS location information. Um etwas in dieser Art dürfte es in dem leider nicht mehr auffindbaren Artikel der World Future Society gegangen sein, obwohl das Patent von 1999 ist. Die Idee war 2008 also auch schon nicht mehr ganz neu…

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14 Kommentare on “Kuhflüstern mit High-Tech”

  1. tinyentropy sagt:

    So geht’s nicht nur den Kühen 😉 Auch wir lassen uns mehr und mehr fernsteuern aufgrund der Technik, die wir nutzen. Und immer mehr Menschen neigen zum Herdenverhalten.
    Was lernen wir daraus? Trink Deine Milch und halt Dir die Ohren zu! 😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Tja, so ihr nicht werdet wie die Kinder. Die können das schon bzw. als Kinder konnten wir das noch, haben es uns aber leider aberziehen lassen. Andererseits, im reiferen Alter trinkt man eben Bier oder Rotwein und stellt die Ohren auf Durchzug. Ist an jedem Stammtisch zu beobachten, da laufen regelmäßig soviele Monologe parallel wie Leute am Tisch sitzen…

    Das mit der Technik stimmt schon, wir machen uns in manchmal erschreckendem Maß von Apparaten abhängig. Dagegen ist die Einstellung mancher alten Unternehmer ganz nützlich, die stolz darauf waren, in ihrer Firma aus dem Stand jeden Job so gut machen zu können wie der eigentlich dafür angestellte Fachmann.

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  3. […] gibt es auf gnaddrig ad libitum jede Menge, ähm, praktische Lebenshilfe. Man denke nur an die Fernsteuerung von Rinderherden, das Tracking von Kleidungsstücken, die Marmeladenbrotmaschine oder das Magnetschwebegeschirr. Wo […]

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  4. […] Seit 2008 ist gnaddrig am Start, als er mit (zu?) Kühen flüsterte. Was das jetzt bedeutet, darf jeder auf gnaddrigs Blog selbst nachrecherchieren, ätsch. Protipp: erster Eintrag. […]

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  5. […] Aber wie die Kuhwelt aussehen könnte , wenn “langfristig Sensoren die Ortung der Tiere ermöglichen könnten,” das habe ich sehr erheiternd bei  “gnaddrig ad libitum” gelesen: “Kuhflüstern mit High-Tech” […]

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  6. Herr Ösi sagt:

    Man könnte die Kühe oder einen Teil von ihnen so steuern, dass sie bestimmte Kreiselbewegungen ausführen und beim Melken statt der Milch gleich die Schlagsahne absondern …

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  7. gnaddrig sagt:

    Schlagsahne auf der einen und fettarme Milch auf der anderen Seite. Butter ließe sich vielleicht auch herstellen, wäre aber schwer abzumelken, nehme ich an…

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  8. Yadgar sagt:

    Ich schätze, das ist nur eine Überbrückungs-Technologie… bis das als Zellkultur gezüchtete Hyperfleisch aus dem 3D-Drucker marktreif ist – dann braucht niemand mehr Rinder, Schweine, Schafe und sonstiges Viehzeug! Und dann bekäme vielleicht auch mein Herzkönig als ethisch motivierter Vegetarier Lust auf Sushi…

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  9. gnaddrig sagt:

    So wird’s wohl kommen. Das würde die Zubereitung auch anspruchsvoller Mahlzeiten sehr vereinfachen – einfach nur die richtigen Grundstoffe in Kartuschen besorgen, und der Drucker wirft dann das Sternemenü aus. Für unterwegs gäbe es dann kleine Reisedrucker, sozusagen kulinarische Polaroids…

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  10. gnaddrig sagt:

    In Australien experimentiert man mit Hüterobotern, lese ich eben.

    Allerdings ist zweifelhaft, ob sich das wird durchsetzen können. In dem Artikel heißt es:
    Eine große Herausforderung für den vierrädrigen Roboter ist dabei die Navigation im offenen Gelände. Bäume, Steine, Gräben und Hügel stellen für autonome Maschinen nach wie vor beträchtliche Hindernisse dar. Der Besitzer des Roboters wird darum öfters seiner im Gestrüpp verhedderten Maschine aus der Patsche helfen müssen – ob das Gerät diesen Zusatzaufwand wieder wettmachen kann, wird sich wohl im Rahmen des Langzeittests erweisen.

    Da verstehe ich wirklich nicht, wieso man nicht die damals bei der World Future Society vorgestellte Methode weiterverfolgt. Da verheddert sich nämlich nichts im Gebüsch…

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  11. Yadgar sagt:

    Endlich am Anfang von „gnaddrig ad libitum“ angekommen… der richtige Ort, um dich, gnaddrig, zu fragen, ob ich von deinen sämtlichen Fotos im Blog eine „Edition gnaddrig 64“ für den Commodore 64 erstellen darf… die würde ich dann als D64-Diskettenimages für den VICE-Emulator auf meinem Webspace zum Download vorhalten!

    Und das Gleiche dann nochmal für den Atari ST, in allen Grafikmodi (monochrom 640×400, 4 Farben 640×200, 16 Farben 320×200, 512 Farben 320×200)…

    …darf ich?

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  12. gnaddrig sagt:

    Das war ja ein Gewaltritt die letzten Tage, da kommt das mit den zwei Stunden Schlaf sicher hin, oder?

    Klar, Du darfst.

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  13. Yadgar sagt:

    @gnaddrig:
    „Klar, Du darfst.“

    Danke! Ich habe auch schon angefangen, die Fotos zu archivieren, alle schön mit Kennnummern und Datum, also gnaddrig-XXXXXXX_jjjjmmtt_[Originalname].[Endung], damit der bash-skript-gesteuerte YIP (Yadgar’s Image Processor) sie auch in einem Rutsch verarbeiten kann!

    In einer späteren Phase gibt es dann auch ein Projekt „Gnaddrologie“, das detaillierte Statistiken zu Textvolumen und Worthäufigkeit im zeitlichen Verlauf dieses Blogs erzeugt…

    Big Data macht Laune!

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