Lagerfeuer und Bewerbungen

Heutzutage scheint fast alles als Teil einer Methode oder Strategie gesehen zu werden. Zum Beispiel Kinderspielzeug. Man will den Kleinen ja einen guten Start ins Leben verschaffen, die sollen beizeiten alles lernen, was sie benötigen, um später fit und leistungsfähig zu sein und sich am zunehmend anspruchsvollen und schnelllebigen Arbeitsmarkt behaupten zu können.

Kinder ihre Kindheit einigermaßen in Ruhe absolvieren zu lassen ist jedenfalls nicht mehr zeitgemäß (auch so ein Wort, wo mein Bullshit-Detektor sofort laut klingelt, dazu vielleicht ein andernmal). Stattdessen wird stramm und mit System gefördert. Da ich selbst Kinder habe, begegnet mir dieses Thema immer wieder, und es hat von Anfang an immer mal in meinen Texten niedergeschlagen.

Wenn ich mich gelegentlich über die immer mehr um sich greifenden Erklärungen zum pädagogischen Wert von Spielsachen aufrege, richtet sich das allerdings nicht in erster Linie direkt an die Hersteller bzw. Vermarkter, die mit diesen Hinweisen nerven, sondern an die zugrundeliegende Geisteshaltung, derzufolge schon die früheste Kindheit zielgerichtet zu sein hat, Teil einer Ausbildungsstrategie, an deren Ende der marktfähige Arbeitnehmer mit möglichst hohem Einkommenspotenzial steht. Leerlauf geht da gar nicht. Muße für irgendwas ist vom Teufel, und Langeweile, die gelegentlich kreative Geniestreiche zur Folge hat, wird abgeschafft. Die Märkte, höre ich einen imaginären Sprechblasenakrobaten (hat tip) intonieren, verlangen das.

Ich trauere hier keiner illusorischen “guten alten Zeit” hinterher. Früher war nicht alles besser, es war nur anders schlimm. Da haben sich Kinder manchmal mit aufgeschlagenen Knien und entsprechend kaputter Hose nicht nach Hause getraut, weil Den Rest des Beitrags lesen »


Wort für Wort

Die Übersetzung eines beliebigen Satzes in eine andere Sprache ist nicht dasselbe wie die Aneinanderreihung der einzeln übersetzten Vokabeln. So ein Satz ist sozusagen mehr als die Summe der Wörter, aus denen er besteht. Das kann man ganz leicht sehen, wenn man mal irgendeinen Satz von Google o.ä. übersetzen lässt:

The translation of any sentence in another language is not the same as the concatenation of individually translated words. Such a movement is literally greater than the sum of the words of which it consists. This can be seen quite easily if one or similar times any set of Google can translate (Quelle)

Der erste Satz ist zwar nicht völlig korrekt, aber problemlos lesbar und verständlich. Der zweite Satz ist schon holperiger. Sehr schön ist die Fehlübersetzung von Satz mit movement.

Natürlich ist es schmeichelhaft, dass meine Prosa als klassische Komposition gewertet wird und wir hier gewissermaßen den ersten Satz eines possierlichen Concerto lesen; in echt ist diese Übersetzung aber allenfalls dazu geeignet, sich einen groben, im wesentlichen stichwortbasierten Überblick über den ungefähren Inhalt des Textes zu verschaffen. Größere Textmengen so zu lesen ist wie eine Wanderung durch knietiefen Schneematsch – Den Rest des Beitrags lesen »


Jugendschutz

Neulich gesehen:

jugendschutz

Die nehmen das mit dem Jugendschutz anscheinend sehr ernst.

Theoretisch müssten sie demnach auch von Leuten wie mir die Vorlage eines Ausweisdokuments verlangen, wenn ich Ice Age oder The Lego Movie kaufen will. Tun sie aber nicht. Also ist das schlampig gelayoutet, oder sie meinen ganz was anderes und ich stehe auf dem Schlauch. Seufz…


-ich

Deutsch ist eine Sprache mit vielen regionalen Varietäten. Das ist vielen Leuten gar nicht so bewusst aber es gibt etwa ein Schweizer Hochdeutsch, ein im schwäbisch-slemannischen Raum gesprochendes südliches Hochdeutsch, ein bayerisches Hochdeutsch. Und eben ein norddeutsches Hochdeutsch.

Dass in der Gegend um Hannover das beste Hochdeutsch gesprochen werde, ist eine Legende. In Wirklichkeit wurde dort vor ein paar Hundert Jahren das Niederdeutsche in relativ kurzer Zeit durch das Hochdeutsche ersetzt. Bei der Aussprache dieser “Fremdsprache” orientierte man sich zunächst stark an der Schriftsprache, aber die alten niederdeutschen Mundarten sind dadurch nicht spurlos untergegangen. Sie bilden das Substrat, auf dem die Standardsprache liegt und beeinflussen die Aussprache teilweise erheblich. Deshalb wird dort eben nicht großflächig reines Schriftdeutsch gesprochen, sondern die alten Mundarten lassen sich zumindest in Aussprachevarianten oft noch erkennen.

Außerdem kann man leicht Den Rest des Beitrags lesen »


Unabhängigkeit, noch wer?

Die Schotten stimmen in ein paar Tagen darüber ab, ob sie das Vereinigte Königreich verlassen und sich nach 300 Jahren wieder selbständig machen wollen. Klingt erstmal nach ‘ner Superidee: Freiheit für die, ahem, Unterdrückten. Und zwei kleinere Länder sind auch immer besser als ein größeres. Schon die Kosten für die dann plötzlich nötig werdenden Botschaften in aller Welt sind ein beachtlicher Posten. Die erträumten schottischen Petrodollars wollen ausgegeben werden.

Natürlich darf man das nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen. Auch die Gefühle wollen beachtet sein. Und seit in Schottland die anscheinend seit Jahren schon rege trommelnden Abspaltungsbefürworter laut Umfragen jetzt erstmals in die Mehrheit gerutscht sind, kommt dort ein stellenweise ziemlich hässlicher Nationalismus zum Vorschein, hört man. Wer nicht für die schottische Unabhängigkeit ist, wird beschimpft oder ignoriert. Noch nicht verprügelt, aber wer weiß, das kommt dann nach der Unabhängigkeit. Dann ziehen vielleicht Lynchmobs vor die Häuser bekannter Unionisten.

Aber da ist ja nicht nur Schottland. Kaum spricht es sich herum, dass die Unionisten dort jetzt in der Minderheit sind, gehen anscheinend die Katalanen auf die Straße. Die wollen ja auch schon seit geraumer Zeit Den Rest des Beitrags lesen »


Ist das Kunst…

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…oder kann das weg? Den Rest des Beitrags lesen »


Gute Frage

Bei uns im Bahnhof wird irgendwas gebaut oder repariert oder was weiß ich. Da ist seit geraumer Zeit neben einem Fahrstuhl die Decke mit vier mageren Gerüststangen abgestützt, das ganze von rotweißem Absperrband eingerahmt. Am Bahnsteig darüber ist der Bereich auch abgesperrt, aber mit Sperrholz, man sieht also nichts. Und passieren tut auch nichts – das Ensemble steht seit einiger Zeit ziemlich unverändert da rum.

Das rotweiße Absperrband hängt teilweise an Schildern auf schweren Metallfüßen. Auf den Schildern steht: Wir tun was! Offenbar will die Bahn dem Eindruck entgegenwirken, sie sei passiv und inaktiv und zeigen, dass – entgegen dem Augenschein – an der Stelle wirklich eifrig zum Wohle des Kunden gewerkt wird. Vielleicht warten die ja auf wichtige Ersatzteile und können deshalb grad Den Rest des Beitrags lesen »


Wenn man den Anfang nicht findet

Der Clown ist da: Zu große Schuhe, viel zu weit geschnittene, fein gestreifte blauweiße Latzhose, grob quergestreiftes rotweißes Sweatshirt, (echte) grauweiße und etwas wirre Haare. Ungeschminkt, ohne Hut, ohne Clownsnase. Im Publikum ungefähr 200 Kinder und ein paar Dutzend Eltern.

Er hat kaum angefangen, etwas zu erzählen, als sein Telefon klingelt. Also, er spielt, dass es klingelt. Natürlich muss er Den Rest des Beitrags lesen »


Ohne Worte

Seit einiger Zeit kursiert bei sogenannten Reichsbürgern und anderen Verschwörungstheoretikern die Mär, dass man in Deutschland Standardbriefe ganz legal für sagenhafte 4 Cent Porto verschicken kann. Man müsse nur die Postleitzahl in eckige Klammern setzen, um sie als “Verwaltungsnummer” zu kennzeichnen, damit die Besatzer wissen, wie sie mit dem Brief umzugehen haben, und ab die Post.

Belege für die behauptete Höhe des Portos, für die Geschichte mit den eckigen Klammern usw. gibt es natürlich nicht. Sind auch gar nicht nötig, weil die Wahrheit anscheinend so offensichtlich ist. Anders gesagt: Man muss die Behauptungen einfach glauben.

Auf gezielte Nachfrage kommen entweder Mutmaßungen, man sei dumm, systemhörig, merkbefreit, lasse sich von DENEN einlullen usw. oder mehr oder weniger herablassende Aufforderungen, man solle sich doch bitte damit beschäftigen, Den Rest des Beitrags lesen »


Erwachsen?

Männer, heißt es manchmal, werden nie erwachsen, sondern bleiben innerlich ihr Leben lang Kinder. Andererseits verknöchern viele Leute, wenn sie erwachsen werden, teilweise erstaunlich früh und gründlich.

Manche, die noch als Student wach und neugierig waren, spontan und ein bisschen unkonventionell; die bei jeder Gelegenheit stundenlang über Gott und die Welt diskutiert, Nächte durchgefeiert und die Vormittage danach auf fremden Klappsofas verschlafen haben, sprechen oft schon mit Mitte dreißig fast nur noch über die Frage Wohnung oder Reihenhaus. Einen langen Urlaub oder zwei kurze. Oder über das Zweitauto. Oder über die Gestaltung des Gartens.

So Sachen. Was einen eben alles beschäftigt als Karrierestarter und Nestbauer. Partys, gemeinsame Essen oder Abende, an denen man gemütlich zusammensitzt, können dadurch sterbenslangweilig werden. Ist mir im Bekanntenkreis mehrfach begegnet, völlig unerwartet.

(Ich hätte natürlich damit rechnen müssen. Mit Leuten aus der Schule ist es ähnlich gegangen. Mehrere der wildesten Heavy-Metal-hörenden Protestkrakeeler aus meinem Abiturjahrgang haben sich, kaum Den Rest des Beitrags lesen »


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