Über Kreuz

Eine Freundin meiner Tochter sinnierte neulich: Komisch, dass Fruchtfleisch Fleisch heißt, aber vegan ist. Meeresfrüchte heißen Früchte und sind überhaupt nicht vegetarisch…


Knackig?

Fundstück vom Markt: Ein Fischhändler preist auf seinem Wagen u.a. Knackige Fischbrötchen an. Das kollokiert nicht. (Kollokiert nicht ist Übersetzerlatein für passt nicht zusammengehört da nicht hin, falsches Wort an der Stelle.)

Weder Brötchen noch Fisch sind nach meinem Empfinden knackig und sollten das auch normalerweise nicht sein, außer das Wort hat in der Gegend, wo der Mann herkommt, eine andere Bedeutung.

(Duden bietet als synonym knusprig an, das passt für mein Empfinden nicht recht. Ein frisches Brötchen ist knusprig, aber sicher nicht knackig, und Fisch ist weder noch. Ein anderer Vorschlag von Duden, frisch, passt schon eher, hat aber mit knackig nur zu tun, dass knackig auch frisch sein kann, frisch aber nicht unbedingt knackig sein muss. Eine andere von Duden angebotene Bedeutung, wohlgeformt, jugendlich frisch und dadurch anziehend und erotisierend, bringt uns in abwegiges Gelände, das passt auch nicht. Von daher Den Rest des Beitrags lesen »


Hanebüchen

Das Wort hanebüchen mag ich, schon seit langem. Ich weiß nicht mehr, wo oder wie ich es kennengelernt habe, aber mir gefällt der Klang. Die vom Duden angebotenen Synonyme empörend, unerhört, skandalös wirken dagegen blass und streitsüchtig. Die passen am besten in böse Leserbriefe, in denen kulturpessimistische Bildungsbürger sich über irgendwelche vermeintlichen Ungeheuerlichkeiten ereifern (die neueste Fehlinszenierung des Faust, die während der Schulferien reduzierte Öffnungszeit des städtischen Hallenbades, solche Sachen).

Irgendwann vor kurzem habe ich mich dann gefragt, wo das Wort überhaupt herkommt. Ich konnte mir nicht vorstellen, wo hane herkommt. Und dass büchen etwas mit Buche zu tun haben könnte (wo ja auch Buchstabe seinen Ursprung hat), war eine naheliegende Vermutung, aber wie das bedeutungsmäßig zusammenhängen könnte war mir nicht klar.

Also habe ich zum Wörterbuch gegriffen. Den Rest des Beitrags lesen »


Kraftausdruck, getarnt

Wer auf Englisch etwas wie Oh Scheiße oder So eine Kacke oder Verdammt äußern will, hat eine reiche Auswahl an einschlägigem Vokabular zur Verfügung. Wer sich in guter Gesellschaft nicht unmöglich machen will, tarnt Kraftausdrücke gelegentlich durch verfremdende Aussprache oder ähnliche Maßnahmen. Statt shit sagen dann manche shoot, statt what the fuck oder what the hell hört man what the heck, und es dürfte noch einiges andere in der Richtung geben.

Ein immer wieder gern genommenes Wort ist das Verb to bugger, bedeutungsverwandt mit Den Rest des Beitrags lesen »


Lexikalische Ohrwürmer

Modewörter gibt es immer und überall. Manche sind bundesweit oder vielleicht sogar über den ganzen deutschen Sprachraum verbreitet, andere regional oder in bestimmten Subkulturen. Sogar in kleinen Gruppen – WGs, Freundeskreisen, Schulklassen, Schiffsbesatzungen u.ä. – gibt es Modewörter.

Die sind oft anfangs witzig, aber früher oder später mutieren sie zu nervensägenden Monstern, zum lexikalischen Äquivalent von Ohrwürmern. Manche ähneln den jährlich geradezu zwanghaft gepushten Sommerhits, die ist man nach einer Saison meistens wieder los. Andere werden aber zu Evergreens, die über Jahre – was sage ich, über Generationen – den Äther vollmüllen.

Manchmal kommen sie ganz plötzlich, manchmal wachsen sie langsam in den Modewortstatus hinein. Sind sie erst einmal etabliert, wird man sie so schnell nicht wieder los. Je nach Umfeld muss man Den Rest des Beitrags lesen »


Einkaufswagenrückführbox

Vor einiger Zeit in einer Tiefgarage gesehen:

einkaufswagenrueckfuehrbox
Was soll das? Oben haben sie Einkaufstempel mit gediegenem Ambiente, klimatisierter Musik, Frische-Center, Back-Erlebnis-Welt, Latte-Macchiato-Theke, Prosecco-Bar, Sushi-Fließband, angesagter Lifestyle-Mode. Alles vom Feinsten und dank Hausrecht vollkommen bettlerfrei, Den Rest des Beitrags lesen »


Buchstabenklauberei

Neulich auf der Toilette im Zug. Auf dem Formular, auf dem die Reinigungskräfte ihre Tätigkeit dokumentieren, steht unten der folgende Passus:

Sie haben diese Toilette nicht im zufriedenstellenden Zustand vorgefunden? Informieren Sie uns bitte.

Kundendialog DB Regio …

Zunächst mal schön, dass die Bahn offensichtlich Wert darauf legt, den Fahrgästen möglichst saubere und benutzbare Toiletten anzubieten und dass sie die Möglichkeit bietet, auf diesbezügliche Mängel hinzuweisen.

Aber in sprachlicher Hinsicht macht mir das pedantische Bauchschmerzen. Die Formulierung impliziert nämlich, dass es genau einen zufriedenstellenden Zustand gibt – im (d.h. in dem [einen]) zufriedenstellenden Zustand. Und wenn man die Toilette nicht in genau diesem einen Zustand vorfindet, soll man Den Rest des Beitrags lesen »


Was meine ich, wenn ich sage…?

Neulich im Supermarkt. Eine Kassiererin kramt in iher Kleingeldschublade und fragt halblaut in Richtung der zweiten Kasse: Was sind fünf Cent?

Antwort von dort: Zwei Fünfzig.

Weitere Frage: Hast du noch?

Antwort:  Den Rest des Beitrags lesen »


Zweckentfremdung

Kürzlich ist mir seit längerem zum ersten Mal wieder der Ausdruck „auf den Ohren sitzen“ in den Sinn gekommen. Von jemandem, der absichtlich oder aus wie auch immer begründeter Weggetretenheit nicht zuhört, sagt man gelegentlich, er sitze auf seinen Ohren. Oder man fragt ihn, ob er denn auf den Ohren sitze. Auf den Ohren zu sitzen ist natürlich technisch unmöglich. Wenn es ginge, wäre es aber ganz klar eine Zweckentfremdung der Ohren.

Alternativ kann man sich Bohnen in die Ohren stecken. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Zweckentfremdung sowohl der Ohren als auch der Bohnen, ist im Gegensatz zum Sitzen auf den Ohren aber tatsächlich möglich. (Erbsen gehen genausogut, sind hier aber nicht idiomatisch.) Dass man mit hülsenfruchtverstopften Ohren nicht besonders gut hört, dürfte jedem einleuchten, das ist reine Physik. Aber außer Kleinkindern macht das sowieso kaum jemals wer.

Ein ähnlicher Fall von Zweckentfremdung ist das Kriechen auf dem Zahnfleisch. Das Zahnfleisch ist ganz eindeutig nicht dafür vorgesehen, dass man darauf kriecht. Das machen aber manche Leute, wenn sie völlig erschöpft, alle oder erledigt sind und trotzdem weitermachen.

Was man auch tun kann ist Den Rest des Beitrags lesen »


Bei dem Tropfen einer Hütte – die Fehlerkrabbe schlägt wieder zu

Manche Leute können das, sich etwas Witziges aus dem Hut zaubern, aus den Fingern saugen, aus dem Ärmel schütteln. Direkt aus dem Stand, at the drop of a hat. Dieses betont beiläufig eingestreute englische Idiom lässt sich übrigens ganz leicht ins Deutsche übersetzen. Drop heißt Tropfen, Hat ist sicher falsch geschrieben, wir kennen uns ja aus. Hut heißt Hütte, und fertig ist die Kiste. Was das für ein Tropfen ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist das Dach undicht, oder die Regenrinne verstopft, dann tropft es schonmal.

Manchmal Den Rest des Beitrags lesen »